„Logistik ist vielfach noch oldschool“

Grafik: DVZ

Mittelständische Verkehrs- und Logistikunternehmen setzen im digitalen Wandel eher auf klassische Tugenden der Mitarbeiterführung. Einen kooperativen Führungsstil befürwortet die Branche etwas seltener als andere. Der Personalmangel behindert zudem die Digitalisierung. Und die Mitarbeiter sind zwar bereit, sich weiterzubilden, stehen Veränderungen aber oft kritisch gegenüber. Das sind Ergebnisse der Mittelstandsstudie der Commerzbank.

Von der DVZ befragte Experten sehen dies weitgehend ähnlich. „In der Tat ist die Logistik noch vielfach oldschool“, sagt zum Beispiel Personalentwickler Holger Ihme, fügt aber hinzu: „Durch die nachrückende Generation kommen zum Glück frischer Wind sowie neue Erkenntnisse und Lösungsansätze in die Branche.“ Berater Hans Ulrich Schneider rät dem logistischen Mittelstand, das Personalmarketing qualitativ massiv zu verstärken. Um gute Leute zu gewinnen, müssten sowohl die finanziellen als auch die immateriellen Anreize deutlich verbessert und potenziellen Bewerbern gute Entwicklungsperspektiven aufgezeigt werden, meint der Logistikexperte.

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Prof. Wolfgang Kersten, Leiter des Instituts für Logistik und Unternehmensführung an der TU Hamburg-Harburg, hält eine unmittelbar beginnende Qualifizierungsoffensive für notwendig, „die die aktiven Mitarbeiter und Führungskräfte genauso erfasst wie Ausbildungs- und Studiengänge“. Schnelligkeit sowie Offenheit und Mut zur Veränderung seien jetzt gefragt.

Die in der Studie befragten Topmanager attestieren ihren Mitarbeitern eine eher mittelmäßige Veränderungsbereitschaft. Hier macht Personalberater Bernd Vögele von Dunkel, Vögele & Associates andere Erfahrungen. „Das Gros unserer Kandidaten hat die Notwendigkeit von Veränderungen erkannt – und hofft hierbei eingebunden und auch gefragt zu werden.“

Doch die Digitalisierung schürt auch Ängste bei vielen Mitarbeitern. Der Logistik-Personalexperte Frederik Zitz von der Beratungsfirma Hertzog & Partner meint daher: „Eine der Kernaufgaben der Unternehmensführung sollte es sein, Mitarbeitern die Chancen des digitalen Wandels für das eigene Unternehmen und für die Belegschaft im Dialog aufzuzeigen sowie gleichzeitig bestehende Unsicherheiten aufzugreifen, statt diese unter den Tisch zu kehren.“

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