Logistik-Plattformen bestimmen Geschäft

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Foto: Scania

Unternehmen müssen ihre eigene IT ins 21. Jahrhundert bringen und die Prozesse an die digitale Welt anpassen, um besseren Service und Plattformen für die Kunden bieten zu können. Das betonte Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender Lufthansa Cargo, im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem 34. Deutschen Logistik-Kongress. Wer das nicht beherzige, habe keine Überlebenschance.

Viele Geschäftsschritte in der Logistik sind noch sehr analog geprägt, obwohl sie für die Digitalisierung prädestiniert sind. Das betrifft beispielsweise die Geschäftsanbahnung oder den Abgleich von Preis und Verfügbarkeit. Viel besser wäre es, Informationen darüber in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. „Das wird das Geschäftsgebaren der Branche ändern“, ist Gerber überzeugt. Die Gestaltung der Geschäftsbeziehungen über Plattformen werde sich in den kommenden Jahren entwickeln. Und für die Verfügbarkeit von Informationen für alle Prozessbeteiligten müssten sich logistische Daten-Clouds durchsetzen.

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Das könnte auch Schnittstellenprobleme lösen. Denn Kunden haben heterogene Systeme, weiß Henry Puhl, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Flurförderzeughersteller Still in Hamburg. Es komme darauf an, „anschlussfähig bei Software zu sein“. Alles selbst zu entwickeln sei allerdings zu teuer. Technische Eigenentwicklungen müssten gezielt erfolgen, um einen Vorsprung zu haben. Als Leistung wollten die Kunden nicht nur Maschinen, sondern darüber hinaus passende Services. Für den Technikanbieter bedeute dies, zahlreiche Zwischenlösungen parat haben zu müssen. Die müssen zudem auf den technischen Stand der Kunden angepasst sein. Bei mittelständischen Unternehmen beobachtet Puhl in Sachen Digitalisierung eine gewissen Eintrittshemmung.

Plattformen für Beziehungen

Die Anschlussproblematik kennt auch Thorsten Winkelmann, Geschäftsführer von Arvato SCM in Gütersloh, aus der Kontraktlogistik nur zu gut. „Der Kunde will, dass wir das IT-System betreiben und den kompletten Auftragsprozess abwickeln.“ Zudem wollen die Kunden ein einheitliches Reportingsystem. All diese Ansprüche zu erfüllen koste im täglichen Leben „viel Blut, Schweiß und Tränen“.

Kundenbeziehungen werden mittlerweile oft über Plattformen gemanagt. Dabei kommen eine Reihe neuer Marktteilnehmer ins Spiel. Dadurch wird der Transport- und Logistikmarkt weiter fragmentiert. Für Gerber ist es eine strategische Frage, wie sich Unternehmen mit oder gegen Plattformen positionieren.

Plattformen sieht Boris Winkelmann, CEO von DPD, als neuen Vertriebskanal, dem man sich nicht entziehen könne. „Es geht darum, den Wettbewerb zu gestalten und sich durchzusetzen.“

Die letzte Meile im Blick

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Als letzte analoge Bastion zwischen der digitalen Welt und der Haustür von Konsumenten sieht der Kep-Dienstleister DPD die letzte Meile. Die Kunden haben mit zunehmender Transparenz über die Prozesse höhere Ansprüche an die Dienstleister. Das beobachtet Boris Winkelmann, CEO von DPD Deutschland.

Die Laufzeit sei gar nicht das Entscheidende, sondern eher die Erfahrung, die der Kunde im Kontakt mit dem Dienstleister mache. „Die menschliche Komponente bekommt einen neuen Stellenwert“, sagte Winkelmann. Künftig werde es durch das Wachstum des Sendungsvolumens mehr Verdichtungspunkte für die Paketauslieferung geben.

Darüber hinaus müssten die Preise steigen. Sie lägen in Deutschland durchschnittlich 50 Prozent unter den Preisen für Zustellservices in Europa. (rk)

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1 Kommentar

  1. Digitale Plattformen & Schnittstellen gibt es schon sehr lange am Markt. Nur die Verknüpfungen der unterschiedlichen Systeme führt zu den größten Problemen. Egal ob vom Kunden zum Spediteur direkt oder von Plattform in die verschiedenen Speditionssoftwares und dann in den LKW und zurück bis zum Kunden, gibt es jede Menge Übermittlungsprobleme, weil die Systeme einfach zu unterschiedlich sind. Je flexibler die Felder bei der Auftragsvergabe an den Dienstleister sind, was definitiv ein Vorteil für die Kunden und den Disponenten ist, desto schwieriger die fehlerfrei Weiterverarbeitung und Übermittlung.

    Und immer noch denken viele Kunden, das diese Entwicklungen und auch neuen Arbeitsschritte inkl. neuem oder anders eingesetzten Personal kostenfrei oder gar kostensenkend auf Sie auswirken werden.

    Das sehe ich so nicht kommen.

    Das können die mittleren & kleinen Dienstleister gar nicht leisten. Weil leider liegen die Gewinnmargen in der Logistik nicht bei 300%, wie in anderen Branchen üblich und das ist auch einer der Hauptgründe, warum diese Entwicklungen im Vergleich zu andren Branchen so lange mittlerweile dauern und dann der Aufwand für extrem kurze Bindungsfristen meistens Jahresverträge, selten mal 3 oder 5 Jahre das sind schon die großen Ausnahmen am Markt. Da sind die Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand auch sehr begrenzt um solche Investitionen für so kurzfristige Geschäfte zu rechtfertigen.

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