Logistiker suchen IT-Fachkräfte

IT-Fachkräfte IT-Mitarbeiter Logistik
Foto: IStock

Digitalen Speditionen und Frachtbörsen aber auch traditionellen Logistikkonzernen wird Deutschland offenbar zu eng, wenn es um die Rekrutierung von IT-Fachkräften geht. Sie zieht es in die Metropolen oder zu IT-Hotspots im Ausland wie beispielsweise in das Silicon Valley in den USA, um „High-Potentials“ zu gewinnen sowie sich an Start-Ups der Logistik zu beteiligen, um Entwicklungen nicht zu verpassen. Dies wurde auf dem Forum Transportlogistik in Dortmund deutlich, das vom Institut für Transportlogistik an der TU Dortmund veranstaltet wird.

„Wir werden in Kürze von Bonn nach Köln umziehen“, kündigt Alessio J.G. Brown an, Head of Strategy and PMO der Frachtbörse Saloodo, einer Tochtergesellschaft von DHL. Er begründet dies damit, dass man nur mit Sitz in Köln oder Berlin entsprechende IT-Spitzenkräfte gewinnen könne. Auch der digitale Spediteur Cargonexx lässt seine Software-Entwickler in Berlin arbeiten, obwohl der Hauptsitz des Unternehmens Hamburg ist. „Wir zählen im Moment noch 30 Mitarbeiter und suchen noch einmal genauso viele“, sagt Bert Manke, Chief Sales Officer des Unternehmens. IT-Spitzenkräfte seien für Hamburg nur schwer zu begeistern, meinte auch er.

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Partnerschaften an IT-Hotspots

Traditionelle Logistikkonzerne wie Lufthansa Cargo und DB Schenker haben hingegen ihre Fühler längst ins Ausland ausgestreckt und suchen Partnerschaften an IT-Hotspots in den USA oder in Asien. Und selbst Forschungsinstitute wie das in Dortmund ansässige Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML liebäugeln mit der Internationalisierung. So preist Institutsleiter Prof. Uwe Clausen zwar die Vorteile von Dortmund, wo das IML ein Enterprise Lab gemeinsam mit Partnern aus der Industrie betreibt. Doch kann er sich durchaus vorstellen, gemeinsam mit Partnern vergleichbare Labore zur Erforschung neuer Prozesse und Technologien in der Logistik auch im Ausland einzurichten, wie zum Beispiel im kalifornischen Silicon Valley.

Frachtaufträge über Online-Plattform

Lufthansa Cargo hat gerade begonnen, in Start-Up-Unternehmen weltweit zu investieren. „Dies ist ein wichtiger Teil unserer Digitalisierungsstrategie“, sagt Anselm Eggert, Vice President Strategy, Portfolio & Cooperations der Lufthansa Cargo. Gerade erst hat sich das Unternehmen an dem 2014 gegründeten Start-Up-Unternehmen Fleet Logistics aus Portland/USA beteiligt. Fleet Logistics betreibt eine Online-Plattform, über die Unternehmen ihre Frachtaufträge abwickeln können. Nach Medienberichten führt Lufthansa Cargo eine Finanzierungsrunde über insgesamt 10 Mio. EUR an. Gleichzeitig bekommt Lufthansa-Cargo-Vertriebsvorstand Alexis von Hoensbroech einen Sitz im „Board of Directors“ des Start-Ups.

Außerdem ist Lufthansa Cargo gemeinsam mit DHL, Maersk und anderen Unternehmen Partner des Technologie-Accelerator „Plug and Play“ mit Sitz in Sunnyvale/USA. Dieses Unternehmen will etablierte Unternehmen mit Start-Up-Unternehmen zusammenbringen, um Entwicklungen zu beschleunigen. „Wir halten so ständig nach neuen Start-Ups in der Logistik Ausschau, um neue Services anbieten zu können und die Prozessoptimierung voranzutreiben“, erklärt Eggert. Dabei geht es in erster Linie um Tracking-Lösungen, Scanning und Lagertechnik sowie Transparenz in der Supply Chain. Lufthansa Cargo unterhält in Berlin ein Innovation Hub, das die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben soll.

Kein leichtes Unterfangen, wie Eggert einräumt. Die Umsetzung von E-Freight sei ein relativ zähes Geschäft. „Wir können noch nicht alles elektronisch machen“, stellt Eggert fest. Noch über die Hälfte aller Sendungen benötigten Papiere. 2018 will das Unternehmen den Anteil der E-Freight auf 70 Prozent erhöhen, nannte Eggert das Ziel. Luftfracht sei durchschnittlich sechs Tage unterwegs, davon aber nur 12 Stunden auf dem Flieger. Der Rest der Zeit entfalle Eggert zufolge auf das Handling und Warten, wie zum Beispiel am Zoll. Hier gelte es den Hebel anzusetzen. Erreicht werden soll das durch Automatisierung von Prozessen, eine intelligente Vernetzung mit den Kunden und neue Business-Modelle.

Transporte in den Weltraum

Bei der Bahntochter DB Schenker denkt man dagegen offenbar schon über Transporte in den Weltraum nach. Das zumindest deutet Nuri Morava, Global Innovation Manager bei DB Schenker, an. Dass sich die beiden Welten – digitale Newcomer und traditionelle Logistiker – aufeinander zu bewegen, macht er am Beispiel Uber und AirbnB deutlich. Beide Plattform-Unternehmen investieren danach bereits in „Assets“, also beispielsweise Fahrzeuge für das autonome Fahren oder Appartement-Komplexe. Traditionelle Logistiker hingegen bewegen sich dagegen immer stärker in Richtung Plattform-Ökonomie und nutzen dabei externe Hilfe durch die Beteiligung an entsprechenden Start-Ups.

DB Schenker gilt als ein Vorreiter der Digitalisierung mit eigener CDO-Einheit. „Wir sind dabei aber auf Kooperation und Standardisierung angewiesen“, betont Morava. DB Schenker stehe beispielsweise kurz davor, mit einem Partner 3D-Druck über eine Plattform anzubieten. Gerade für die Bahn sei dies ein wichtiges Thema. Bereits 2017 wurden laut Morava etwa 2.000 Ersatzteile im 3-D-Verfahren gedruckt. In diesem Jahr sollen es 15.000 Teile werden.

In Dortmund ist DB Schenker Partner am Enterprise Lab des IML. „Davor hat es bei DB Schenker keine Forschung gegeben“, sagt Morava. Derzeit werden acht Projekte gezählt, wie zum Beispiel 3-D-Druck oder Augmented Reality (computerunterstützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung) für den Einsatz in der Kommissionierung. „Wir fragen uns aber inzwischen, ob ein Lab in Dortmund reicht, um nichts zu verpassen, was in der Welt geschieht“, sagt Morava. Sondiert werden danach neue Standorte an Hot-Spots der IT-Branche wie in den USA oder in Asien: „Wir überlegen, ob wir das Lab-Konzept gemeinsam mit Partnern internationalisieren.“ (Axel Granzow)

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