MAN zeigt seriennahen Stadt-LKW-Prototyp CitE

Praxisgerechte Verteiler-LKW-Lösung: MAN hat auf der IAA das weit entwickelte Konzept-Fahrzeug CitE präsentiert. (Foto: MAN)
Praxisgerechte Verteiler-LKW-Lösung: MAN hat auf der IAA das weit entwickelte Konzept-Fahrzeug CitE präsentiert. (Foto: MAN)

Mit dem Anstieg der Bevölkerung in den Städten und Ballungsgebieten steigen auch die Restriktionen für den Verteilerverkehr. Dabei geht es nicht nur darum, die Versorgung der Geschäfte trotz strenger Lärm- und Abgasrestriktionen zu gewährleisten, es geht auch darum, Unfällen und Anfahrschäden im stetig dichter werdenden Stadtverkehr vorzubeugen. Und schließlich steht auch die Frage im Mittelpunkt, wie man die tägliche Arbeit des Fahrers, der auf seiner Tour viele dutzende Male ein- und austeigen muss, einfacher gestalten kann. Mit dem CitE hat der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN jetzt ein weit entwickeltes, rein elektrisch angetriebenes Konzeptfahrzeug vorgestellt, das auf diese Fragen Antworten liefern soll. Allerdings soll es noch mindestens drei Jahre dauern, bis das Fahrzeug in Serie geht.

Bodennah gebaut

Wichtigstes Merkmal des CitE ist seine niedrig sitzende Kabine. Da der Elektromotor hinter der Kabine sitzt, konnte der Einstieg auf beiden Seiten auf 350 mm abgesenkt werden. Zudem ist der Boden in der gesamten Kabine vollständig eben. So hat der Fahrer freien Durchgang zur Beifahrerseite. Hier ist der CitE mit einer großen, elektrisch öffnenden Schwenk-Schiebetür ausgestattet. Das erleichtert beim Parken in zweiter Reihe den Ein- und Ausstieg.

Anzeige

Rund um den Arbeitsplatz liegen alle Anzeigen im direkten Blickbereich des Fahrers. Der Bildschirm des Zentraldisplay zeigt alle notwendigen Fahrinformationen an. Anders als Mercedes-Benz im neuen Actros verzichtet MAN aber nicht weitgehend auf Schalter und Drehregler. Diese befinden sich logisch nach Bedienhäufigkeit angeordnet unter dem zweiten, vergleichsweise kleinen Display, auf dem die Bilder der Umgebungskameras nach dem Birdview-Prinzip dargestellt werden.

Über einen Mangel an Ablagen und Getränkehaltern muss sich kein Fahrer beschweren, auch wenn an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch nachgebessert werden muss. Auf beiden Radkästen befinden sich Ablageflächen zum Beispiel für eine Tasche. Ein Getränkehalter ist griffgünstig direkt am Fahrersitz positioniert. Weiter unten kann ein Klemmbrett mit Lieferpapieren verstaut werden. Über dem Fahrer befindet sich außerdem eine große Dachablage mit einem über die Tür herumgezogenen offenen Fach. Eine weitere große Ablage in der Armaturentafel zieht sich bis zur Beifahrerseite. Lieferpapiere finden darüber hinaus direkt auf der Armaturentafel einen sicheren Platz.

Anzeige

Technischer Innenraum im CitE

Sinnvoll ist die Halterung für den Tablet-PC oberhalb des Mitteldisplays. Damit lässt sich ein kundenspezifisches Tablet oder Smartphone in den Fahrerarbeitsplatz so integrieren, dass die logistischen und auf den Warenfluss orientierten Prozesse in den Arbeitsablauf optimal eingebunden werden. Losgelöst vom Fahrzeug kann das Device im kundeneigenen Netzwerk betrieben werden. USB Ladesteckdosen sind unmittelbar neben dem Halter vorgesehen. So werden kundenbezogene Funktionen für den Fuhrpark, wie zum Beispiel ein digitaler Lieferschein, optimal in den Workflow integriert.

Die Klimatisierung des CitE ist für die besonderen Anforderungen im städtischen Lieferverkehr ausgelegt. Viele Male pro Tour steigt der Fahrer ein und aus und ist ständig in Bewegung. Die Türen sind häufig geöffnet. Im Winter entweicht dadurch viel Wärme, im Sommer steigt der Kühlbedarf – für ein Elektrofahrzeug bedeutet das einen unerwünschten Energieverlust. Daher setzt das Klimatisierungskonzept des MAN CitE auf eine reduzierte Kabinenklimatisierung und stattdessen auf Kontaktwärme beziehungsweise die Belüftung durch den Fahrersitz. Im Sommer wir durch die Belüftung Hitze und Schweiß abtransportiert, im Winter ist die unmittelbare Wärme durch den Sitz angenehm und entlastet den Bewegungsapparat. Bei kalter Witterung wärmt zusätzlich eine Lenkradheizung die Hände des Fahrers.

Anzeige

Umfassendes Sicherheitskonzept

Bei einem Stadt-Lieferfahrzeug bedeutet Sicherheit vor allem uneingeschränkte Sicht auf den umgebenden Verkehr und andere Verkehrsteilnehmer. Insbesondere zu Radfahrern und Fußgängern ist für den Fahrer der direkte Blickkontakt wichtig, um eine Situation, zum Beispiel beim Abbiegen, richtig einschätzen zu können. Die rundherum tief heruntergezogenen Fensterflächen des CitE gewähren dem Fahrer eine direkte Sicht nach außen. Er befindet sich auf Blickkontakt-Höhe mit Fußgängern oder Radfahrern. Damit er zugleich freien Blick auf hoch montierte Ampelanlagen und Beschilderungen hat, ist das Frontscheibenblickfeld an der Beifahrerseite weit nach oben gezogen.

Als Lösung gegen Unfälle, die ihre Ursache im Toten Winkel haben, ist der CitE mit Kameras statt Spiegeln ausgestattet. Diese liefern Echtzeitbilder auf zwei im Sichtfeld des Fahrers verbaute Displays und vermindern damit den Toten Winkel. Mit einem Blick kann der Fahrer so die komplette Situation erfassen, für die ansonsten Rück-, Weitwinkel- und Rampenspiegel nötig sind. Die verwendete Kameratechnik ermöglicht eine hochaufgelöste Darstellung des Umfelds unabhängig vom Tageslicht, sodass der Fahrer eine bessere Sicht bei Nacht und wechselnden Lichtverhältnissen hat. Zudem sinken die Einschränkungen durch zum Beispiel Beschlagen, Verschmutzung oder Sonnenblendung im Gegensatz zum Spiegel. Das erhöht die Sicherheit zusätzlich und reduziert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Anfahrschäden und damit die Reparaturkosten.

Vollelektrisch durch die Stadt

MAN hat den CitE konsequent als elektrisch angetriebenen Stadtlieferwagen konzipiert. Der Wegfall des Dieselantriebsstrangs mit einem Verbrennungs-Motor über der Vorderachse ermöglichte die Gestaltung eines Niederflurfahrzeugs mit sehr niedrigem Boden und hoher Bewegungsfreiheit für den Fahrer in der Kabine. Den Antrieb übernimmt ein Elektromotor aus dem MAN-Baukasten. Die Lithium-Ionen-Batterien sitzen unter dem Fahrzeugrahmen und verhelfen dem CitE zu einer Reichweite von mindestens 100 km – ausreichend für eine Tagestour im städtischen Lieferverkehr. Das Fahrgestell ist komplett verkleidet, was die Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer weiter erhöht. Zudem gewährleistet dies einen besseren Schutz der Batterien bei Unfällen.

Eine der Zielsetzungen beim CitE war es, dass er trotz seines individuellen Konzeptes mit Standard-Aufbauten mit herkömmlicher Konstruktion bestückt werden kann. Grundsätzlich ist der Verteiler-LKW also mit allen für den Stadtlieferverkehr typischen Aufbauanwendungen denkbar, im ersten Schritt liegt der Fokus aber auf Trockenfrachtkoffern für die Verteilung von Waren und Gütern an kleine Geschäfte. Konstruktiv könnte die Kabine auch bei Bedarf mit einem Durchstieg in den Aufbau versehen werden. (ben)

Anzeige

Über die DVZ Redaktion 293 Artikel
Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*