Mehr Stress durch digitale Kontrollen

Fahrer, Truck Pro
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Die Digitalisierung verändert auch die Arbeitsbedingungen und die Tätigkeitsprofile im Güterkraftverkehr bei LKW-Fahrern, Lokführern und Binnenschiffern. Das bestätigt jetzt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in dem aktuellen Bericht zu den Arbeitsbedingungen von Berufskraftfahrern, Schienenfahrzeugführern sowie Binnenschiffern. Einerseits bieten moderne Technologien sinnvolle Hilfestellungen im Berufsalltag, andererseits werde die ständige Kontrolle mittels Datenanalyse kritisch betrachtet, erläutert das BAG. Qualitäten wie Soft Skills (Verlässlichkeit, Genauigkeit) und IT-Kompetenz gewinnen an Bedeutung, während das technische Geschick in den Hintergrund tritt.

Neben ihrer Hauptaufgabe (Fahrzeugführung) mussten die Fahrer in den vergangenen Jahren den Umgang mit On-Board-Technik erlernen. Die Digitalisierung ermöglicht zwar zahlreiche Erleichterungen im Berufsalltag wie effiziente Routenplanung durch Ortung der Fahrzeuge, papierlose und schnelle Kommunikation, Reduzierung der Wartezeiten an der Laderampe durch Zeitfenstervorgaben und elektronische Erfassung der Ladung.

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Gleichzeitig nahm die Bedeutung von bestimmten Kernkompetenzen insbesondere aus dem technischen Bereich aufgrund der Komplexität der modernen Fahrzeuge ab. Die Fähigkeit, Reparaturen am Fahrzeug eigenständig erledigen zu können, verlor an Bedeutung. Zudem sahen sich die Fahrer in ihrer Entscheidungskompetenz durch Vorgaben der effizienten Routen oder des wirtschaftlichen Fahrverhaltens eingeschränkt.

Ständige Überwachung

Die Digitalisierung ermöglicht eine hohe Transparenz durch Speicherung und Auswertung diverser Indikatoren, anhand derer die Fahrer bewertet werden können. Im Rahmen von Prämiensystemen sind Datenanalysen üblich. Viele Fahrer sehen sich aber durch die Möglichkeiten, die die digitale Technik bietet, einer ständigen Überwachung und Kontrolle ausgesetzt. Insbesondere die Generation der erfahrenen Fahrer betrachtet diese Entwicklung skeptisch. Durch die Vorgaben der Technik zu effizienten Routen, günstig gelegenen Halteplätzen und Fahrverhalten fühlten sie sich bevormundet und kontrolliert. Dies hatte einen negativen Einfluss auf die Akzeptanz der Technik.

Vorteile für Unternehmen

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Der Bedienung der digitalen Gerätschaften wird eine immer größere Bedeutung beigemessen. Hierfür sind zwar keine formalen Qualifikationen notwendig, eine gewisse IT-Kompetenz erleichtert jedoch den Zugang. Um die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Berufsalltag der Fahrer besser einschätzen zu können, wurden 169 Vertreter von Straßengüterverkehrsunternehmen im Zeitraum von März bis Juni 2016 vom Bundesamt befragt. Aufgrund der Erhebungsmethode (keine Zufallsauswahl) und der Fallzahlen ist die Befragung zwar nicht repräsentativ, gleichwohl bietet sie einen Überblick über die veränderten Arbeitsbedingungen der Fahrer infolge der Digitalisierung.

Einschränkend weist das BAG darauf hin, dass Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von weniger als 2 Mio. EUR neue technische Errungenschaften in der Regel langsamer einführen als Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 10 Mio. EUR, die in der Stichprobe unterrepräsentiert waren. Die korrekte Bedienung des digitalen Tachografen ist bereits heute für Fahrer in nahezu allen befragten Unternehmen relevant. Rund 97 Prozent der Unternehmer haben die Nutzung im Fahrzeug angegeben.

Kommunikation leidet

Rund 79 Prozent der befragten Unternehmer stellten fest, dass sich die Art der Kommunikation zwischen dem Fahrer und dem Unternehmen infolge der Installation neuer Technik wie Telematiksysteme deutlich veränderte. Falls ein mobiles Endgerät vorhanden ist, erfolgt die Kommunikation überwiegend digital. Rund 71 Prozent der Befragten gaben an, dass durch die Aufnahme und Speicherung der Daten die Transparenz des Betriebsablaufs deutlich erhöht wurde. Rund 62 Prozent der befragten Unternehmer haben eine deutliche Automatisierung der Informationsübermittlung festgestellt. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) reduzierte infolgedessen die Zahl der Kontakte zu den Fahrern.

Die Kommunikation wurde nach Einschätzung der Befragten unpersönlicher. Dies hatte zum Teil einen negativen Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit. Einige Unternehmen bemühen sich im Rahmen der Mitarbeiterbindung, persönliche Kontakte in regelmäßigen Zeitabständen zu pflegen. Die Vorteile der digitalen Informationsübermittlung sahen die Befragten vordergründig in der Verbesserung der Disposition, dem schnellen Datentransfer und der umfangreichen Datenerfassung. Beispielsweise wurde die Möglichkeit, Bilder aufzunehmen und digital zu übermitteln, etwa in einem Schadenfall, als besonders hilfreich genannt. Hierdurch wurde die Einschätzung der Lage vor Ort durch die Disposition deutlich erleichtert.

Wie werden die Fahrer nun geschult? Sehr unterschiedlich, geht aus dem Bericht hervor. Rund 50 Prozent werden ausführlich geschult. Kleinere Unternehmen geben in 69 Prozent nur eine kurze Erläuterungen.

Wie wirkt sich die gestiegene Anforderungen im fachlichen und sozialen Bereich auf Fahrer aus? Steigendes Güter- und Verkehrsaufkommens begleitet mit Zeit- und Termindruck der Fahrer spiegelt sich in vermehrten Verstößen gegen das Fahrpersonalrecht wider, erklärt das BAG. Insbesondere werden Schaublättern und Fahrerkarten nicht oder nicht ordnungsgemäß verwendet. Hinzu kommen überdurchschnittlich häufig fehlende Eingaben sowie Fehlbedienungen des Kontrollgeräts.

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