Mercedes-Benz schickt eActros in den Probebetrieb

11 Batterien sind in den eActros verbaut und sollen eine Reichweite von 200 km bringen. (Foto: Mercedes-Benz)

Der LKW-Hersteller Mercedes-Benz wird in den nächsten Wochen insgesamt zehn Elektro-LKW vom Typ eActros an deutsche Transportunternehmen und Fuhrparkbetreiber ausliefern. Die Fahrzeuge werden in zwei Varianten mit 18 und 25 t Gesamtgewicht an den Start gehen und müssen ihre Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit unter realen Bedingungen unter Beweis stellen. Langfristiges Ziel: lokal emissionsfreies und leises Fahren in Städten mit Serien-LKW.

Test in unterschiedlichen Einsätzen

Bis die Fahrzeuge in die Serienfertigung gehen können, müssen noch zahlreiche technische und vor allem auch betriebswirtschaftliche Fragestellungen gelöst werden. Dabei geht es um die Reichweite und Kosten der Batterien, aber auch die notwendige Infrastruktur für den Einsatz in den gewerblichen Flotten der Kunden. Allerdings ist im Vergleich zum Prototypen technisch bereits einiges passiert: Insgesamt elf Batteriepakete sichern nun die Stromversorgung – und soweit es möglich war, werden serienreife beziehungsweise seriennahe Teile, die sich bereits bewährt haben, verwendet. An dem Flottentest nehmen zehn Kunden aus unterschiedlichen Branchen: Dachser, Edeka, Hermes, Kraftverkehr Nagel, Ludwig Meyer, Pfenning Logistics, TBS Rhein-Neckar und Rigterink aus Deutschland sowie Camion Transport und Migros aus der Schweiz.

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Diese Unternehmen verteilen allesamt Waren im Stadtverkehr – aber in völlig unterschiedlichen Branchen und Kategorien. Die Palette reicht von Lebensmitteln bis zu Bau- und Werkstoffen. Die Fahrzeuge werden bei allen Kunden für Aufgaben eingesetzt, die sonst mit konventionellen Dieselantrieben erledigt werden. Aufgrund der verschiedenen Anforderungen tragen die Fahrzeuge unterschiedliche Aufbauten. Je nach Bedarf sind Kühlkoffer, Trockenkoffer, Silo oder Plane im Einsatz. Die Fahrer der eActros werden speziell auf das Fahrzeug geschult. Die Pilotkunden testen die Fahrzeuge im Realbetrieb für zwölf Monate, dann gehen die LKW für noch einmal zwölf Monate an eine zweite Nutzergruppe. Ziel ist es, die Elektro-LKW im Laufe des Jahres 2012 bis zur Serien- und Marktreife zu bringen.

200 km Reichweite

Beim eActros wird der Rahmen des Actros als Basis genutzt. Den Antrieb übernehmen zwei Elektromotoren nahe den Radnaben der Hinterachse. Diese Dreiphasen-Asynchronmotoren sind flüssigkeitsgekühlt und arbeiten mit einer Nennspannung von 400 Volt. Ihre Leistung beläuft sich auf jeweils 125 kW, das maximale Drehmoment auf jeweils 485 Nm. Nach der Übersetzung werden daraus jeweils 11.000 Nm. Die Fahrleistung ist damit der eines Diesel-Lkw ebenbürtig. Die maximal zulässige Achslast liegt bei den üblichen 11,5 t. Die  Energie für bis zu 200 km Reichweite kommt aus Lithium-Ionen-Batterien mit 240 kWh.

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Gut geschützte Batterien

Drei Batterien befinden sich im Bereich des Rahmens, die anderen acht darunter. Zur Sicherheit sind die Batteriepakete von Stahlgehäusen geschützt. Im Fall eines Aufpralls geben die Halterungen nach, verformen sich und leiten so die Energie an den Batterien vorbei ohne sie zu beschädigen.

Die Hochvolt-Batterien speisen nicht nur den Antrieb, sondern das komplette Fahrzeug mit Energie. So werden beispielsweise Nebenaggregate wie der Druckluftkompressor der Bremsanlage, die Lenkhelfpumpe für die Servo-Unterstützung der Lenkung, der Kompressor der Fahrerhaus-Klimaanlage und – falls vorhanden – der Kühlaufbau ebenfalls elektrisch betrieben. Leere Batterien lassen sich bei einer realistischen Stationsleistung von mobilen Ladegeräten im Fuhrpark von 20 bis 80 kW innerhalb von drei bis elf Stunden vollständig aufladen. Ladestandard ist das Combined Charging System CCS. Das LV-Bordnetz mit zwei herkömmlichen 12-Volt-Batterien wird mithilfe eines DC/DC-Wandlers aus den Hochvolt-Batterien geladen. So können bei Ausfall oder Abschalten des Hochvolt-Netzes alle relevanten Fahrzeugfunktionen wie Licht, Blinker, Brems- und Luftfedersysteme sowie die Fahrerhaussysteme aufrechterhalten werden. Das Hochvolt-Netz lässt sich nur starten, wenn die beiden LV(Niederspannungs)-Batterien geladen sind. (ben)

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