Mut zur Blockchain

TMS Transport Management System

Die Zahl der Suchanfragen nach „Blockchain“ hat sich laut Google Trends innerhalb Jahresfrist verzehnfacht. Viele wollten in den vergangenen Monaten verstehen, was sich hinter dem Schlagwort verbirgt und wie die Technik funktioniert. Nun rückt die Frage nach dem „Wie“ in den Vordergrund. Die Unternehmen möchten wissen, wie sie Blockchain effektiv einsetzen können und wie konkrete erste Schritte aussehen.

Doch um die Hoffnungen auf schnelle und unkomplizierte Einführung gleich zu dämpfen: Es gibt kein Patentrezept zur Entwicklung DER richtigen Blockchain-Strategie. Allerdings lassen sich Punkte benennen, die grundsätzlich zur Vorgehensweise gehören sollen.

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Gerade für die Entscheiderebene in Unternehmen ist es wichtig, die fundamentalen Änderungen, die der Einsatz dieser Basistechnologie mit sich bringt, zu verstehen: Blockchain kann Abläufe effizienter sowie sicherer gestalten und zusätzlich neue Geschäftsmodell-Optionen bieten.

Neben der generellen Funktionsweise ist es wichtig, die Charakteristika von Blockchain und ihre Bedeutung für Geschäftsprozessoptionen zu verstehen. Weitere wichtige Aspekte sind die unterschiedlichen Einsatzgebiete von öffentlichen und privaten Blockchains sowie die Nutzung von Smart Contracts und die Grundlagen der Token-Ökonomie. Nicht alle Bestandteile sind für jedes Blockchain-Projekt relevant. Aber wenn man die Instrumente und ihre Möglichkeiten kennt, dann ist dies die Basis, diese auch optimal zu nutzen.

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Eigene Möglichkeiten identifizieren

Es ist hilfreich, sich bei der Diskussion zu möglichen Anwendungsfeldern Fragen zu stellen, die die Schwachstellen des eigenen Geschäfts aus Sicht der Blockchain-Stärken betrachten. Beispiele sind die Frage nach den Prozessen mit vielen Stakeholdern oder nach Abläufen, die derzeit sichtbar zu teuer sind. Querdenken ist angesagt – hierbei können Methodiken wie Design-Thinking oder der Einsatz von Geschäftsmodell-Mustern helfen.

In dieser Phase gilt: Sind mehrere Teilnehmer mit unterschiedlichen Interessen an einem Prozess beteiligt, dann kann der Einsatz von Blockchain interessant sein. Auch in Konsortien sollte gedacht werden. Wie lassen sich Mehrwerte erzielen, indem Marktbegleiter und auch Aufsichtsbehörden in eine Blockchain-Strategie einbezogen werden?

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Zu Beginn sollte man sich auf einfache Fälle konzentrieren, die schnell einen Lerneffekt bringen. Sind die ersten möglichen Blockchain-Ansätze herausgearbeitet, gilt es zu validieren, ob der Einsatz einer Blockchain-Lösung auch sinnvoll ist. Es gibt diverse Entscheidungsbäume, mit deren Hilfe sich prüfen lässt, ob der Einsatz von Blockchain empfehlenswert ist und welcher Blockchain-Typ genutzt werden sollte.

Erfahrung mit Prototypen sammeln

Anschließend geht es in die Prototyp-Phase. Hier werden wichtige Erfahrungen gesammelt, wie die Nutzung von Blockchain-Technologie realisiert wird. Die Herangehensweise ist unterschiedlich, je nachdem für welche Technik man sich entscheidet. Bei Enterprise-Lösungen bestehen feste Zugangsregeln, bei denen die Automatisierung von Abläufen über festgelegte Validierungsprozesse in einem abgeschlossenen verteilten Netz vorbestimmt wird. Bei öffentlichen Blockchains ohne Zugangsbeschränkungen steht meist die Programmierung von Smart Contracts und die Anbindung an eine bestehende Infrastruktur im Vordergrund. Den Unterschied zwischen öffentlichen Blockchains und privaten mit festen Zugangsregeln kann man sich in etwa so vorstellen wie den Unterschied zwischen Internet und Intranet.

Evolution mit Blockchain

Es bedarf Zeit, bis in den einzelnen Branchen ein gutes Verständnis für einen zukunftsweisenden Einsatz von Blockchain-Technologie entwickelt wird. Vorreiter ist die Finanzbranche. Hier wird Blockchain bereits mehr und mehr als Infrastruktur-Layer genutzt. Jüngstes, bemerkenswertes Beispiel ist die Bekanntgabe der Australischen Wertpapierbörse ASX, den nachbörslichen Handel auf einen Blockchain-basierten Prozess umzustellen.

Vergleichbare Entwicklungen zeichnen sich in verschiedenen Branchen ab – von der additiven Fertigung über Mobilität bis zur Versicherungswirtschaft. Und weiter wird deutlich: Es mehren sich Projekte, bei denen neben Einsparpotenzialen neue Geschäftsmodell-Optionen analysiert werden. Beispiel: der deutsche Touristikkonzern TUI.

„Blockchain ist die Zukunft, da muss die gesamte deutsche Industrie hin.“ Mit dieser Aussage sorgte TUI-Chef Friedrich Joussen im Mai vorigen Jahres für Aufsehen. Und die TUI setzt um: Seit Mitte des Jahres läuft das interne Betten-Management über ein Blockchain-System. Hierdurch können zum Beispiel freie Kapazitäten in verschiedenen Hotels einfacher automatisiert über verschiedene Absatzstrukturen vermarktet werden. Dies bringt TUI erhebliche Effizienzvorteile. Durch eine spätere Öffnung des Systems für ein Konsortium wären mehr Kunden erreichbar und die Risikokapazitäten würden minimiert.

Denkbar ist auch, diesen Ansatz sukzessive zu einer offenen Branchenplattform auszubauen und so einen ernstzunehmender Wettbewerber zu den Buchungsplattformen wie booking.com entstehen zu lassen – mit potenziell größerem Angebot (und dies in Echtzeit) sowie deutlichen Kostenvorteilen, da der Intermediär entfällt.

Eine ähnliche Idee für den Logistikbereich, nämlich das Management von Lagerkapazitäten über Blockchain, beschäftigt das südafrikanische Transportlogistik-Unternehmen Imperial. Analog zu dem TUI-Ansatz sollen Leerstände in Lagerhäusern reduziert werden. Der klassische Warehouse-Ablauf von der Einlagerung über den Abruf der Ware und der Erstellung des bill of lading bis hin zur Auslieferung soll hierbei über Smart Contracts abgebildet werden.

Die Zahl der Blockchain-basierten Projekte in der Transportlogistik nimmt zu. Blockchain macht sich auf den Weg, auch die Lieferketten Schritt für Schritt zu revolutionieren. (rok)

Veranstaltung – Blockchain Day in Berlin

DVZ-Konferenz Um Daten und Transaktionen effizient handhaben zu können, sind neue Strukturen notwendig. Die Blockchain kann für einen manipulationssicheren Informationsaustausch sorgen. Wie die Blockchain-Technik funktioniert, welche Pilotprojekte es gibt und wo technische und rechtliche Hürden liegen, thematisiert der Blockchain Day am 3. Mai 2018 in Berlin (rok)

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Über Tim Meinken 288 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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