„Netzwerke sind die Zukunft der Transportlogistik“

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Foto: Istock

Netzwerke sind die Basis für den Erfolg von Transportdienstleistern. Diese Annahme war der Ausgangspunkt des 2. Innovationstags der LogCoop GmbH, zu dem am 6. Februar rund 120 Führungskräfte von Logistikunternehmen gekommen waren. Während der Veranstaltung der Logistikkooperation empfahlen die Redner den Teilnehmern, mit anderen Akteuren auf dem Transportmarkt zu kooperieren. Es zeigte sich, dass die Digitalisierung effiziente und auch für mittelständische Unternehmen erschwingliche Möglichkeiten der Zusammenarbeit bietet. Veranschaulicht haben dies einige Start-ups, die ihre Transportplattformen vor Ort präsentierten.

Transportlogistik – kleine Unternehmen setzen auf Netzwerke

„Im hart umkämpften Transportmarkt ist es für Speditionen von entscheidendem Vorteil, wenn sie Laderaum und ein Netzwerk haben“, sagt Prof. Dr. Stefan Iskan im Einstiegsvortrag des 2. Innovationstags der LogCoop. Iskan ist Professor für Logistik und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ludwigshafen und ausgewiesener Experte in den Feldern Logistikmanagement und Industrie 4.0. Seit Jahren begleitet er Manager und Führungskräfte aus der Logistik- und Automobilindustrie. Aus seinen Erfahrungen leitet er Handlungsempfehlungen für den Mittelstand ab. Eine davon lautet, dass kleine und mittelständische Unternehmen sich nicht hinter Konzernen verstecken müssen, wenn sie als starke Einheit am Markt auftreten. Denn grundsätzlich haben große Transportdienstleister gegenüber kleinen nur zwei entscheidende Wettbewerbsvorteile: Sie verfügen in der Regel über größere Kapazitäten und können ihre Services zu günstigeren Konditionen anbieten. Durch Kooperationen lässt sich dieser Grundsatz aushebeln. Als Teil eines Netzwerks kann eine Spedition auf den Laderaum der Partner zurückgreifen und Skaleneffekte nutzen, um die eigenen Kosten und damit die Preise für ihre Kunden zu reduzieren.

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Iskan warnt aber auch vor einem zu aggressiven Preiskampf. Am Ende werde nicht derjenige gewinnen, der konsequent der günstigste Anbieter auf dem Markt ist. „Ich bin mir nicht sicher, ob Spediteure sich ihrer Systemrelevanz bei den Kunden bewusst sind.“ Demnach können sich Transportunternehmen eine vernünftige Preispolitik sogar leisten. Aktuell übersteigt aufgrund der Laderaumknappheit die Nachfrage nach Transporten in vielen Segmenten das Angebot. In jeder anderen Branche wäre ein Preisanstieg die Folge. Auf dem Transportmarkt jedoch hebelt die starke Konkurrenzsituation das ökonomische Prinzip von Angebot und Nachfrage aus. Dabei kann es nicht im Interesse der Kunden sein, wenn Akteure durch zu niedrige Preise ihre Existenz aufs Spiel setzen. Denn die Konsequenz wäre eine weitere Verknappung des Laderaums. Diese Argumentation führt Iskan zur Schlussfolgerung, dass Akteure auf dem Transportmarkt in Zukunft immer intensiver miteinander kooperieren werden.

Überblick über Transportplattformen

Einen Überblick über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gaben elf weitere Vorträge auf dem Innovationstag. Der Schwerpunkt dabei lag auf der praxisorientierten Präsentation von sieben Transportplattformen: Arvato Smart Logistics, Cargonexx, conizi, FreightHub, Logenios, Synfioo und Xenata. Während Cargonexx sich an Straßentransportunternehmen richtet, ist Xenata eine Lösung für Seefrachtspediteure. Cargonexx zielt auf die Vergabe von Transportaufträgen zu tagesaktuellen Frachtpreisen. Selbstlernende Algorithmen ermitteln diese und sollen in Zukunft auch die Fahrzeugauslastung durch eine vorausschauende Tourenplanung und ein vorausschauendes Matching von Teilladungsverbindungen maximieren können. Die Benchmarking-Plattform Xenata hingegen verspricht ihren Kunden Wettbewerbsvorteile durch Preistransparenz in der Seefracht.

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Der Geschäftsführer der LogCoop GmbH, Mark Possekel, begründet die Entscheidung, ausgewählte Plattformen vorzustellen: „Wir können an einem Tag nicht alle Kooperationen zeigen. Aber wir haben ein Stück weit Transparenz in den Markt gebracht, indem wir aus unserer Sicht gute Konzepte gezeigt haben.“ Die fehlende Übersichtlichkeit ist seiner Meinung nach ein Grund, weshalb Zusammenarbeit oft nicht oder nur begrenzt stattfindet. „Kooperationsmöglichkeiten gibt es wie Sand am Meer. Woher soll ein Spediteur denn auch wissen, welche für ihn die richtige ist?“ Aus zahlreichen Gesprächen mit Führungskräften aus der Branche weiß Possekel, dass häufig unklar ist, was eine gute Kooperation ausmacht. Dass in dieser Hinsicht Informationsbedarf besteht, hat die große Anzahl an Teilnehmern des Innovationstags bestätigt. Bei der zweiten Veranstaltung dieser Art hatten sich rund 100 Personen angemeldet.

„Der Nutzen einer Kooperation ist absolut subjektiv. Daher gibt es keinen konkreten Kriterienkatalog, anhand dessen sich Transportplattformen zuverlässig bewerten lassen.“, sagt Possekel. Welche Art der Zusammenarbeit zu einem Unternehmen passt, hängt von vielen Faktoren ab. Von Bedeutung sind da unter anderem die strategische Ausrichtung, der Entwicklungsstand und die Kernkompetenzen. „Wir haben es aber geschafft, Denkanstöße zu geben. Und wir sind offen für weiterführende Gespräche mit unseren Mitgliedern und helfen ihnen auch im Anschluss an den Innovationstag gern, eine passende Plattform zu finden“, sagt Possekel. Erste Gespräche fanden bereits während der Pausen und im Anschluss an den Innovationstag statt. Possekel schlussfolgert: „Unsere Botschaft, dass Netzwerke die Zukunft der Transportlogistik sind, ist angekommen.“ Bei der Umsetzung wird die LogCoop ihre Mitglieder in Zukunft noch intensiver unterstützen.

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Über Tim Meinken 250 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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