Neues von Daniel Düsentrieb

Kosmisch: Russland schickt einen smarten Anhänger für Raumfähren auf Achse. Foto: Stegherr

irekt neben dem Rollfeld am Flughafen Genf, in der Messehalle Palexpo stehen auf 8.500 m² rund 1.000 Innovationen aus der ganzen Welt. 40 Länder sind vertreten, von Angola bis Tunesien, 725 Forscher insgesamt. Die meisten kommen von Universitäten und Unternehmen, rund 20 Prozent forschen auf eigene Faust. Sie stehen dicht gedrängt an Tischen und vor Aufstellwänden, die mit kleinen Landesfahnen markiert sind. Sie zeigen mit Infografiken und Tabellen, mit Fotos und Prototypen, auf Englisch, Französisch, Arabisch, Chinesisch und zur Not mit Händen und Füßen ihre Ideen für morgen.

App gegen Müdigkeit

Einmal im Jahr kommen in Genf Erfinder aus der ganzen Welt zusammen, um einem Fachpublikum und der Öffentlichkeit ihre Patente zu präsentieren. Schirmherren der „Internationalen Erfindermesse“ sind der Schweizer Bundesrat und die Weltorganisation für geistiges Eigentum, WIPO. Auch nationale Patentämter und Verbände sind vertreten, prüfen und verleihen Auszeichnungen. Die Patente dürfen nicht älter als ein Jahr sein und müssen zum ersten Mal in Genf zu sehen sein.

Viele Ideen sind reif für den Markt, manche bereits im Einsatz, ein paar Ideen wirken skurril. So wollen Forscher aus dem Iran Flugzeuge mit der Kraft von Magneten bremsen, die in die Landebahn integriert sind. Ein Team aus Taiwan hat eine Lampe entworfen, die ätherische Öle versprüht, Mücken verscheucht und laut Herstellern glücklich macht. Und aus Thailand kommt ein Patent für ein Hautpflaster, das Körperfett schmelzen lassen soll – Patente mit Wunderheilkraft.

Der Gesundheitsbereich dominiert die Messe, es gibt in erster Linie Durchdachtes, wie das Exoskelett „Twiice“, das Highlight der Messe. Auch für Güterverkehr und Logistik ist einiges Neues dabei, gut 70 Patente betreffen Schiene und Straße. Ein preisgekröntes kommt aus Hongkong: Der Computerwissenschaftler Yiu-ming-Cheung hat eine App entwickelt, mit der das Smartphone die Augenbewegung von Fahrern misst und sie bei Anzeichen von Müdigkeit alarmiert. Mandy Liu, Lizenzmanagerin der Hong Kong Baptist Universität, erklärt, die App sei in erster Linie für Lkw-Fahrer gedacht, die lange Strecken zurücklegen. Professor Cheung arbeite zudem an einer Version für Zugführer, sie müsse noch an den Innenraum angepasst werden. Das Patent soll es bald als App geben, die Basisversion ist gratis, Zusatzfunktionen kosten Geld.

Smarter Verkehr

Von der Idee in den Handel: Jeder zweite Aussteller in Genf hat Aussicht auf einen Vertrag. Unter den 31.000 Besuchern sollen 42 Prozent Wirtschaftsvertreter sein, freie Agenten und Unternehmen. Die Erfindermesse ist ein Marktplatz für Neues – und ein Schaufenster für Trends. Wer durch die Gänge der Messe geht, entdeckt vor allem smarte Produkte, auch im Güterverkehr.

Aus China kommt eine smarte Eisenbahnbrücke, die Schäden an den Schienen erkennt und meldet. Aus Russland ein intelligenter Lkw-Anhänger, schlicht „Der Transport Container“ genannt. Pure High-Tech, erklärt der Entwickler: Druck, Temperatur, Feuchtigkeit, Position, alles werde permanent von Sensoren überwacht. Das klingt teuer – und sieht klobig aus. Eigentlich sei der Container ja auch für Raumfähren gedacht, heißt es, man könne aber alles darin transportieren, was man für Erde und Kosmos will.

Kroatien hat auch einen Container im Programm, den „vierachsigen selbstangetriebenen Schüttgutfrachter“: Mit einem kleinem Motor und einer komplexen Hebe- und Schütttechnik kann sich der Container, der im Grunde eine Art integrierter Waggon ist, ohne Hilfsmittel auf Schienen bewegen und unterteilt in Sektoren entladen.

Anders als die Deutsche Bahn, die an intelligenten Containern und automatisierten Zügen arbeitet, verzichtet das kroatische Unternehmen RZV bei seinen Containern auf Lokführer und Lok: Zwischen zwei Containern steckt ein Dieselmotor, der 100 km/h Höchstgeschwindigkeit schafft. Wie weit die Fernsteuerung reicht und wie gut die Container in öffentliche Netze passen, ist offen und damit aktuell eher für Baustellen und Werksgelände interessant.

Spiegelbild der Länder

Iran, China, Kroatien: Für viele Länder ist die Messe ist eine Chance, ihre Innovationsstärke zu demonstrieren. Im russischen Bereich sprechen Vertreter von nationalen Organisationen Besucher an und navigieren sie durch das Dickicht an Texten und Bildern. Besonders unübersichtlich ist es im Sektor China, der zusammen mit Hongkong und Taiwan die größte Fläche belegt und weltweit die meisten Patente hält. Eher wenig präsent ist Deutschland: Vier Anbieter sind vor Ort, drei davon private Tüftler, die eine Mechanik vorstellen, eine Zahnbürste und neuartiges Klopapier. (sr)

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