Nie mehr Parkplatz suchen

Telekom App „Park and Joy“ Smart Parking Service
Foto: Telekom

Nervenaufreibende Parkplatzsuche hat für Autofahrer in Hamburg bald ein Ende. Die Deutsche Telekom und die Hansestadt starten dort ein Leuchtturmprojekt, das später flächendeckend in Deutschland umgesetzt werden soll. Unter dem Motto „Park and Joy“ hat die Telekom-Tochter T-Systems einen Smart Parking Service entwickelt, der Autofahrer schneller und komfortabler an ihr Ziel bringen soll. Über den offenen Marktplatz wird der komplette Parkprozess „Finden – Buchen – Parken – Zahlen“ schrittweise umgesetzt. Start für die Bezahlfunktion war Anfang Oktober. Seither können Autofahrer Gebühren für Parkplätze im öffentlichen Raum über die Smartphone-App „Park and Joy“ entrichten.

„Das erspart ihnen, Kleingeld parat haben zu müssen sowie den Weg zum Parkscheinautomaten und zurück zum Fahrzeug“, erläutert Oliver Bahns, bei der Telekom-Tochter T-Systems für vernetzte Mobilität verantwortlich. Merken Autofahrer, dass ihre gebuchte Zeit nicht ausreicht, können sie das Ticket jederzeit per Smartphone verlängern oder gegebenenfalls auch verkürzen, sollten sie ihre Besorgungen schneller erledigt haben. Mit dem elektronischen Parkticket wird das KFZ-Kennzeichen im System hinterlegt, so dass Ordnungskräfte über ihr mobiles Endgerät prüfen können, ob der Fahrer für seinen abgestellten Wagen auch bezahlt hat.

11.000 Parkplätze werden smarter

In einem nächsten Schritt sollen die Hamburger Autofahrer über die App freie Parkplätze finden und bezahlen können. Dazu vernetzt die Telekom rund 11.000 Parkplätze im öffentlichen Raum sowie Parkhäuser und private Stellplätze. „Wir beginnen zum Jahreswechsel, Parkplätze im öffentlichen Raum mit Sensoren auszustatten“, sagt Bahns. Damit lässt sich erkennen, ob der Parkplatz frei oder belegt ist. Die Sensorik wird in drei Phasen verbaut. T-Systems startet im Hamburger Osten, anschließend ist der Westen und schließlich das Gebiet südlich der Elbe dran. Das Ganze soll rund drei Jahre dauern.

Derzeit testet die Deutsche Telekom in der saarländischen Kleinstadt Merzig, in welcher Dichte die Sensoren auf den Asphalt aufgebracht oder in der Straße versenkt werden müssen. „Wir benötigen aber maximal einen pro Stellfläche“, fügt er hinzu. Je nach Gegebenheit vor Ort kann ein Sensor für mehrere Parklücken eingesetzt werden. „Für die Sensorik nutzen wir das neue Schmalbandnetz der Telekom, das derzeit flächendeckend in Deutschland ausgerollt wird“, sagt Bahns. Das ermögliche einen wirtschaftlichen Einsatz der Technologie, denn das neue Netzwerk sei wartungsarm, und die Sensoren verfügen über lange Batterielaufzeiten. „Sie bekommen Stromspeicher, die acht bis zehn Jahre funken.“

Um tatsächlich 11.000 Parkplätze und damit rund 80 Prozent der Parkplätze in der Hansestadt über die App suchen und buchen zu können, arbeitet die Telekom mit den Parkhaus-Betreibern in Hamburg zusammen. Sie verfügen heute schon über Systeme, die öffentlich anzeigen, wie viele freie Plätze noch zu haben sind. „Wir binden deren Systeme einfach an unsere Plattform an“, erläutert Bahns. App-Nutzer buchen ihren Parkplatz im gewünschten Parkhaus. Nur ein kleiner Haken ist dabei: Die Buchfunktion ist nur bei beschrankten Plätzen realisierbar, da sich öffentliche Parkräume am Straßenrand nicht sperren lassen.

Die Bevölkerung hat Vorrang aber Ziel ist es die Wirtschaft zu integrieren

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Vorrangiges Ziel ist es, den Bürgern das Parken zu erleichtern. Bahns: „Jeder verbringt im Schnitt rund 20 Minuten mit der Parkplatzsuche.“ Das heißt aber auch, dass rund ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs aus Parkplatzsuchverkehr besteht, wie die Apcoa Parking Studie, die Frost & Sullivan Studie 2015 und die IBM Global Parking Survey 2011, belegen. Nebeneffekt: Wer weniger rumkurvt, entlastet die Straßen. Indem sie Innenstadtverkehre und damit Schadstoff- und Lärmbelastungen reduziert, erhöht die Stadt wiederum ihre Attraktivität. Dazu kommt, dass sich mit Smart Parking der zur Verfügung stehende Parkraum effizienter bewirtschaften lässt.

„Wir überlegen auch, wie wir den lokalen Einzelhandel einbinden können“, sagt Bahns. Eine Idee ist, dass er die Parkgebühren seiner Kunden subventioniert. Angedacht ist auch, private Parkplätze beispielsweise in Zeitfenstern werktags von 9 bis 17 Uhr in der Plattform abzubilden und somit öffentlich zu vermieten – „als eine Art Airbnb für Parkplätze“, sagt er. Auch Industrieunternehmen könnten ihre Mitarbeiter-Parkplätze am Wochenende für private Parker oder LKW-Fahrer zur Verfügung stellen. Zudem sei vorstellbar, dass Paketzusteller den Parkplatzsuch- und Bezahlservice nutzen. „Das sind aber noch Zukunftsszenarien, denn es ist nicht klar, wer für die Parkgebühren von Lieferdiensten und LKW-Fahrern aufkommt“, fügt er hinzu.

Und auch außerhalb der Städte sieht Bahns Potenzial für das Parkplatz-Such-und-Buch-System. So sollen beispielsweise später auch Park-and-Ride-Parkplätze mit angebunden werden. Für die Logistikbranche ließen sich Rastplätze registrieren, sodass auch LKW-Fahrer Stellplätze für die Nacht nicht mehr suchen müssen, sondern frühzeitig buchen können.

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Über Tim Meinken 169 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
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