Oberleitungs-LKW tragen wesentlich zu den Klimazielen bei

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Foto: Siemens

Das Erreichen der Klimaziele ist möglich, auch wenn der Verkehrssektor weniger dazu beiträgt als er laut Klimaschutzplan 2050 eigentlich müsste. Kompensieren könnten andere Sektoren, darunter die Industrie, Haushalte oder die Abfallwirtschaft, die verhältnismäßig mehr schädliche Treibhausgase (THG) einsparen. Das geht aus der StudieKlimapfade für Deutschland des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hervor, die die Managementberatung Boston Consulting Group (BCG) und das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos erstellt haben.

Ein wesentlicher Baustein, um die Treibhausgasemissionen im Verkehr zu senken, ist laut BCG-Direktor Philipp Gerbert der Oberleitungs-LKW. Aus heutiger Sicht sei der Aufbau einer Oberleitungsinfrastruktur von Ende der 2020er Jahre an im Vergleich zu  Verkehrsverlagerungen auf die Schiene oder das Binnenschiff die kostengünstigste Option.

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Im Auftrag des BDI haben BCG und das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos Szenarien für die fünf Sektoren Industrie, Verkehr, Haushalte, Energie und Landwirtschaft entwickelt: Ein Referensezanario, einen 80-Prozent-Pfad (Einsparung von Treibhausgasen bis 2050 von 80 Prozent) und einen 95-Prozent-Pfad (Einsparung von Treibhausgasen bis 2050 von 95 Prozent). Das wichtigste Treibhausgas ist Kohlendioxid (CO2), das unter anderem bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entsteht.

Hohe Ziele beim Klimaschutz

Deutschland hat sich ehrgeizige Einsparziele gesetzt. Nach Aufgabe des nationalen Klimaziels 2020 im Laufe der Sondierungsgespräche von Union und SPD soll nun bis 2030 der Treibhausgas-Ausstoß um 55 Prozent, bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gesenkt werden.

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Der Klimaschutzplan 2050 hatte vor zwei Jahren zu langen Diskussionen geführt. Vor allem die Sektorenziele für den Verkehr, die eine Treibhausgas-Reduktion von 40 bis 42 Prozent vorsehen, halten Kritiker für zu ambitioniert. Anlass für strengere Auflagen war unter anderem, dass die Emissionen im Verkehr seit 1990 nahezu gleich geblieben sind. Nur dank unter anderem effizienterer Motoren und umweltfreundlicherer Kraftstoffe war der Treibhausgasausstoß im Verkehrssektor nicht weiter angestiegen.

Elektroautos und E-LKW brauchen zu lange Entwicklungszeiten

Die BDI-Studie liefert Kritikern nun in Teilen Argumente, den Verkehrssektor nicht zu sehr zu strapazieren. „In mehreren Sektoren haben Maßnahmen entweder relativ lange Ramp-up-Zeiten, zum Beispiel die Entwicklung von Batterien oder der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, oder sind bis 2030 noch sehr teuer, da die nötigen Technologien ihre Lernkurven voraussichtlich noch nicht durchlaufen haben werden“, schreiben die Autoren in der Studie.

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Falls die Anstrengungen zum Klimaschutz so blieben wie bisher, werde im Referenzszenario bis 2050 eine Verringerung der Treibhausgas-Emissionen nur von 61 Prozent erreicht. Der Verkehr trüge mit minus 44 Prozent bei. Für den 80-Prozent-Pfad errechneten die Autoren einen Betrag des Verkehrs von minus 72 Prozent. Das 95-Prozent-Ziel sei nur zu erreichen, wenn der Verkehr zu 100 Prozent emissionsfrei würde. Das ist laut Studie jedoch nicht zu schaffen und gesellschaftlich nicht durchsetzbar.

Woher kommt der Strom?

Die Investitionen im Verkehrssektor betragen der Studie zufolge in Abhängigkeit des jeweiligen Klimapfades zwischen 500 Mrd. EUR und 770 Mrd. EUR. Im 95-Prozent-Szenario entfielen rund 180 Mrd. EUR auf Investitionen im Ausland, um dort Kapazitäten für die Erzeugung erneuerbarer Energien, Entsalzungsanlagen und Elektrolysen für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe bereitzustellen. Denn ohne derartige Energieimporte wäre das 95-Prozent-Reduktionsziel nicht zu erreichen.

Der Politik empfehlen die Autoren der Klimapfadestudie, ein integriertes Gesamtkonzept für eine umfassende Klimapolitik im Verkehr zu erstellen. Sie müsse auf „marktwirtschaftlichen Prinzipien und Kosteneffizienz im Einklang mit europäischen und internationalen Regelungen ausgerichtet sein und technologieoffene Lösungen fördern“. Im Verkehr solle die Klimapolitik von einer entschlossenen Industriepolitik flankiert werden. Technologieführerschaft für Deutschland sei dabei essentiell. (sl)

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