Ohne IT keine Zukunft der Logistik

IT
Foto: CC-Rosa Menkman
IT, Logistik, Zukunft: drei Begriffe, die ein dynamisches Beziehungsdreieck bilden, das zum Kraftfeld einer gesamten Branche wird. Ohne IT ist die Zukunft der Logistik kaum vorstellbar. Dabei sind die Einflüsse innovativer Informationstechnologien auf die Logistikwelt so elementar, dass wir nicht von einer Evolution, sondern von der „4. Industriellen Revolution“ sprechen. Diese wirkt sich mit Macht auf die gesamte logistische Wertschöpfungskette aus. Und auf alle Unternehmen, die mit ihr verbunden sind.

Dazu zählen nicht nur Logistikdienstleister und Verladerschaft, sondern alle Partner, die in die Lieferkette integriert sind. So wird IT der Logistikbranche nachhaltig dazu verhelfen, in Zukunft noch mehr Bedeutung, Einfluss und Verantwortung in der Wirtschaft zu übernehmen. In einem solchen Szenario erhält die IT eine zukünftige Führungsrolle: Sie treibt Innovationen in der Logistik voran, schafft mehr Effizienz, bietet hohe Zuverlässigkeit — und erschließt neue, lukrative Geschäftsfelder. Wer die Chancen nutzt, die sich aus diesem Kraftfeld der Erneuerung und Veränderung ergeben, wird einen Wettbewerbsvorteil daraus ziehen.

Doch wie sieht IT in der Logistik in Zukunft aus? Und wie wird sie das Gesicht unserer Branche verändern? Ein kurzer Ausblick.

1. IT als Impulsgeber und Innovationsbeschleuniger der Branche

In Zukunft werden mehr und mehr Unternehmen (Logistikdienstleister, Verlader, etc.) Innovation Labs zum festen Bestandteil ihrer Unternehmenswelt machen. Denn die Digitalisierungswelle hat viele Marktteilnehmer wachgerüttelt und nach einer ersten ungläubigen Starre dazu gebracht, ihren heutigen Innovationsstatus kritisch zu hinterfragen. Die Erkenntnis daraus ist zwingend: Noch nie waren Innovationskraft, Agilität und Schnelligkeit so essenziell für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

IT beziehungsweise die Digitalisierung ist ein maßgeblicher Impulsgeber für die Innovationskraft von Unternehmen. Auf Basis einer hoch entwickelten Technologie schafft sie die Grundlage, über die Innovationen wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz (KI)systematisch in Logistikprozesse eingebunden werden können. Gleichzeitig schenkt IT in der Logistik der Kreativität neuen Raum. Damit einher geht, dass Unternehmen in Zukunft manche administrative Hürden und starre Regeln zugunsten von Kreativität und Agilität hinterfragen werden.

Damit steht historisch gewachsenen Prozessen und Traditionen in Zukunft ein neues Denken gegenüber, das Bestehendes hinterfragt: Vorschriften, Prozessdefinitionen und Handlungsanweisungen werden einer kritischen Prüfung unterzogen. Sie müssen teilweise agileren, schnelleren Prozessen weichen.

Zudem wird die Verfügbarkeit von Daten zu einer größeren und besseren Informationsbasis führen, was wiederum mit einem Zuwachs an Wissen verbunden sein wird. Damit ist die ideale Grundlage für die Generierung wichtiger Innovationen geschaffen.

2. IT als Wegbereiter neuer Geschäftskonzepte und Serviceangebote

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IT-basierte Prozesse helfen, Probleme vorherzusehen. KI schlägt Maßnahmen zur Problemvermeidung vor oder leitet sie sogar direkt ein. So entstehen aus der Nutzung von Daten neue, erfolgreiche Geschäftskonzepte und Serviceangebote. Dies setzt ein neues Verständnis im Umgang mit Daten voraus. Nur wer Daten teilt, kann ihren Wert vermehren. Obwohl sich die Qualität von Daten und auch die Bereitschaft von Unternehmen, diese zu teilen, derzeit noch als Hürden erweisen, stehen die Zeichen auf Veränderung.

Im Vergleich zur Vergangenheit sind die technologischen Möglichkeiten zur Generierung, Sammlung und Nutzung von Daten heute ausgereift. Und sie entwickeln sich mit einer Rasanz weiter, der das Business aktuell kaum folgen kann. Bereits in naher Zukunft wird sich die Diskrepanz zwischen Technologie und Anwendungsfällen allerdings angleichen: Prototypen oder Best Practices sind vorhanden und zeigen, wie es gelingt, auf Basis von Daten, Analytics und Künstlicher Intelligenz neue Services zu etablieren. Die Ausstattung von logistischer Hardware (Paletten, Container, LKW, Terminals, Lager) mit Sensorik zur Sammlung, Analyse und Vernetzung von Daten entwickelt sich in Zukunft zum „Consumer Good“. Die ersten erfolgreichen Beispiele werden schnell Nachahmer finden und für eine ganz neues Level an Datenqualität, aber auch für ein neues Verständnis im Umgang mit Daten sorgen.

Mit diesen Fortschritten einher gehen zukünftig klare Regelungen zur Nutzung von Daten. Dieser Bereich ist heute noch oft unklar und nebulös. Mit mehr Klarheit zu konkreten Use-Case-Szenarien wird sich auch diese Lücke sehr schnell schließen.

Die Ableitung von Verbesserungsmöglichkeiten durch die Datenanalyse wird es der Logistik ermöglichen, im Gefüge der gesamten Wirtschaft mehr Verantwortung zu übernehmen und in eine noch stärkere Rolle hineinzuwachsen.

3. IT schafft neues Kräfteverhältnis

Die Digitalisierung wird die Kräfteverteilung der Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette teilweise aushebeln und neu verteilen:

Aus den aktuell vielen neuen Start-ups werden einige wenige — aufgrund ihres disruptiven Innovationspotenzials — einen spürbaren Einfluss auf die Gestaltung von Wertschöpfungsketten haben

Bisher bereits sehr starke IT-Player am Markt sehen die Logistik als attraktives Geschäftsfeld und adressieren mit ihrer IT-Kompetenz und ihrer bereits bestehenden Marktmacht dieses Segment mit Angeboten und Services (siehe Amazon, Google etc.)

Bestehende, etablierte Teilnehmer des Logistikmarktes (zum Beispiel LKW-Produzenten) werden ihre Rolle komplett überdenken, disruptive Ideen entwickeln und mit komplett neuen Angeboten etablierte Prozesse ändern (Szenario: der LKW-Hersteller vernetzt seine Fahrzeuge und bietet auf Basis intelligenter Disposition Transportkapazitäten direkt am Markt an)

Die Aufgabenverteilung zwischen Logistikdienstleister und Verlader kann sich umfassend verändern: Moderne, intelligente Dispositionssysteme ermöglichen es Verladern, Transporte direkt am Markt einzukaufen und selbst zu steuern — als 4PL. Logistikdienstleister hingegen können sich zu Netzwerkmanagern oder Risikomanagern entwickeln, die aufgrund ihres Datenpools und ihrer intelligenten IT-Lösungen eine ganz neue Qualität der Lieferzuverlässigkeit für ihre Kunden erreichen und gleichzeitig umweltschonende Transportkonzepte durch optimale und IT-gestützte Kombination von Verkehrsträgern ermöglichen:

Das Zusammenspiel der Beteiligten entlang der Supply Chain wird sich deutlich intensivieren und eine neue Qualität erfahren. IT liefert den Schlüssel dazu, indem sie moderne Integrationsmöglichkeiten bietet, die verschiedene Beteiligte über durchgängige IT-Workflows miteinander verbindet, einen durchgängigen Datenaustausch ermöglicht und auch entsprechend absichert. Damit wird die IT für einen reibungslosen und sicheren Ablauf in den Versorungsketten sorgen. Mehr Zuverlässigkeit in der Lieferkette, mehr Effizienz und weniger Verschwendung sind die Folgen.

Neben dem Zusammenspiel der Unternehmen entlang der Supply Chain führt die Digitalisierung auch zu neuen internen Organisationsstrukturen. Ziele sind die schnelle Entwicklung IT-basierter Innovationen und die optimale Interaktion zwischen IT und Fachabteilung:

  • Abteilungsgrenzen verschwimmen zugunsten abteilungsübergreifender, agiler Projektteams
  • Verwaltung und administrative Hürden reduzieren sich zugunsten kreativer Ansätze (try often, fail early)

Der oft noch vorhandene Graben zwischen IT-Abteilung und den Fachabteilungen wird aufgehoben, indem die IT mehr und mehr integraler Bestandteil des Business wird. Bisher disjunkte Ziele werden zu gemeinsamen Zielen und gleicher Ausrichtung. Denn nur durch eine sehr enge Zusammenarbeit von IT- und Fachabteilung, von Softwareentwicklern, Projektmanagern und Sales-Kollegen wird es möglich sein, innovative, marktnahe IT-Lösungen umzusetzen. Aktuell entwickeln sich die Technologien teilweise schneller als die Anwendungen. Durch übergreifende Projektteams können Technologie- und Businesswissen zusammengeführt und damit bessere und erfolgreiche Anwendungsfälle auf Basis innovativer Technologie und mit gleichzeitig hoher Markt- und Kundenorientierung geschaffen werden.

Neue Jobs, neues Image: dank IT

Der Einzug der Digitalisierung in die Logistik wird die Arbeitswelt einer Branche verändern, die in vielen Bereichen unter Personalmangel leidet. Attraktive neue Berufsbilder in der IT, moderne Arbeitsumgebungen wie in Innovation Labs oder auch die Arbeit in agilen, kreativen Teams werden das Bild des Arbeitgebers, das die Logistik nach außen vermittelt, verändern und verbessern. Das wirkt sich positiv auf die generelle Darstellung der Logistik als Arbeitgeber aus und verschafft der Branche mehr Aufmerksamkeit.

KI und die durchgängige Ausstattung von Maschinen mit Sensorik führen dazu, dass Maschinen eine ganz neue Qualität von Informationen an die Menschen übermitteln, die sie steuern: Hierzu zählen beispielsweise „predictive Maintenance“, um Maschinenausfälle zu vermeiden, oder die Optimierung der Performance und des Durchsatzes einer Maschine, wenn zum Beispiel Volumina oder mögliche Probleme bereits vorher erkannt werden können.

Die hohe Bedeutung von Daten wird auch zu neuen Jobprofilen führen, die heute schon erkennbar sind: Mathematiker, Statistiker, Informatiker, Data Analysts, Experten zum Thema Datensicherheit sind bereits jetzt gefragte Mitarbeiter. Aber erst die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen und erfahrenen Logistikern wird für das Unternehmen zu einem optimalen Ergebnis führen. (Frauke Heistermann)

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