Onlinehandel: Deutsche Umwelthilfe bemängelt Rücknahme von Elektro-Altgeräten

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Foto: IStock

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft großen Onlinehändlern massive Rechtsverstöße bei der Rücknahme von Elektroschrott vor. Tests bei 30 Anbietern – darunter große Unternehmen wie Amazon, Media Markt, Saturn, Conrad und Bauhaus – hätten gezeigt, dass 16 davon die gesetzlichen Informations- oder Rücknahmepflichten zu ausgedienten Elektrogeräten nicht hinreichend beachteten. Die DUH kritisiert die behördliche Nichtkontrolle und massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten des stationären Handels. Aber auch Unternehmen, die korrekt gesetzliche Mindeststandards umsetzen, erschweren die Rückgabe durch umständliche Anfragen beim Kundendienst, einen hohen Packaufwand oder versteckte Informationen.

Stationärhandel muss Rücknahmelogistik vorhalten

„Bei der Nichtumsetzung gesetzlicher Rücknahme- oder Informationspflichten durch Onlinehändler wie Amazon handelt es sich um keine Einzelfälle, sondern faktisch um einen branchenweiten Boykott zu Lasten der Umwelt und Verbraucher“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Zudem sei es eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den Ladengeschäften, die eine funktionierende Rücknahmelogistik vorhalten und finanzieren müssen. Der Verband wolle die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen notfalls auf dem Rechtsweg durchsetzen.

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Weiterer Vorwurf: Onlinehandelsunternehmen wie Amazon, Saturn oder Media Markt würden sich durch praxisuntaugliche Rücksendeangebote der Verantwortung entziehen. Dazu gehörten umfangreiche Anweisungen für die Rücksendung und eine aufwendige Verpackung, die die Händler von den Verbrauchern verlangten. „Das schreckt viele Verbraucher ab, und darauf spekuliert der Onlinehandel“, erklärt der stellvertretende DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer. Die paketgestützte Rückgabe könne lediglich als Ergänzung des Rücknahmeangebots dienen. Stattdessen sollten Onlinehändler flächendeckende stationäre Sammelmöglichkeiten schaffen.

Manche Altgeräte oder andere Artikel sind nicht für Paketversand geeignet

Hinzu komme, dass sich beispielsweise Energiesparlampen nicht für den Paketversand eignen, da diese Quecksilber beinhalten und Bruchgefahr besteht. Onlinehändler wie etwa Medion fordern Ihre Kunden jedoch genau dazu auf. Amazon, Conrad, Redcoon und Saturn böten zum Versand von quecksilberhaltigen Energiesparlampen zudem DHL-Rücksendeetiketten an, obwohl DHL den Versand aus gefahrgutrechtlichen Gründen ausschließe, teilt die DUH mit. Es würden somit keine ordnungsgemäßen Abgabemöglichkeiten für Energiesparlampen angeboten, womit klar gegen das Elektrogesetz verstoßen werde.

1,7 Mio. t Elektroschrott pro Jahr

Seit dem 24.7.2016 können Verbraucher alte Elektrokleingeräte kostenlos bei Händlern zurückgeben, die Elektrogeräte auf einer Fläche von mindestens 400 Quadratmetern verkaufen – bei Onlinehändlern gilt die Versand- und Lagerfläche. Die Zahlen der Stiftung Elektro-Altgeräte Register zeigen, dass die gesetzliche Sammelquote für Elektroaltgeräte von 45 Prozent für das Jahr 2016 voraussichtlich nicht erreicht wird. Dies liegt unter anderem an den nicht ausreichenden Rücknahmebemühungen des Onlinehandels. Insgesamt fallen in Deutschland etwa 1,7 Mio. t. Elektroschrott pro Jahr an. (rok)

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