Palettentausch: Blockchain soll die Zettelwirtschaft beenden

Allein in Europa sind 500 Mio. Paletten im Umlauf. Der Tauschprozess gilt als extrem unübersichtlich. (Foto: Getty Images)
Allein in Europa sind 500 Mio. Paletten im Umlauf. Der Tauschprozess gilt als extrem unübersichtlich. (Foto: Getty Images)

Die Standardisierungsorganisation GS1 Germany ist gemeinsam mit rund 20 Unternehmen sowie Partnern aus Wissenschaft und Technik mit einem Blockchain-Projekt in der Logistik an den Start gegangen. Bis Ende des Jahres soll getestet werden, ob und wie sich der Tausch von Europaletten mit Hilfe der Blockchain-Technologie digital, transparent und effizient verwalten lässt.

„Die logistischen Prozesse sind heute noch stark von manueller Dokumentation und Intransparenz geprägt und besitzen damit großes Optimierungspotenzial“, sagte Projektleiterin Regina Haas-Hamannt, Leiterin Innovation bei GS1 Germany, auf dem Handelslogistik-Kongress in Köln der Zettelwirtschaft beim Palettentausch den Kampf an. Ziel des Projekts sei die Erprobung der Technik an einem konkreten Einzelfall.

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Extrem unübersichtlicher Prozess

Im Fokus der Initiative steht der Palettenschein. Er gehört in Papierform zum Tagesgeschäft eines jeden LKW-Fahrers und sorgt laut GS1 in der Logistik oft für Ineffizienz und Intransparenz. Warenempfänger setzen ihn ein, wenn Paletten nicht direkt getauscht werden. Er dokumentiert Anzahl, Art und Güte der Ladungsträger. Der Besitzer kann ihn später beim Aussteller oder bei einem beauftragten Dienstleister wieder einlösen. „Oft wissen die Betreiber gar nicht, welche Akteure in der Lieferkette am Tauschprozess beteiligt sind. Zudem gibt es keinen Intermediär, der den Prozess überwacht“, sagte Haas-Hamannt. Das mache den Prozess extrem unübersichtlich.

Die Datenmengen sind gewaltig

Allein in Europa sind 500 Mio. Paletten im Umlauf. Jede Palette wird schätzungsweise bei einem Transport von Sender zu Empfänger mindestens zweimal getauscht. Dann müssen 4,5 Mrd. Tauschvorgänge dokumentiert werden, zum Beispiel auf einem Palettenschein. Bei einem Preis von Gebrauchtpaletten von 5 EUR befinden sich europaweit mindestens 2,5 Mrd. EUR an Wert im Umlauf. Werden auf einem Palettenschein durchschnittlich 30 Paletten dokumentiert, ergibt dies laut GS1 bei 4,5 Mrd. Tauschvorgängen mindestens 150 Mio. zu dokumentierende Vorgänge. Durch die Kontenführung bei beiden Tauschenden verdoppelt sich dies auf 300 Mio. Vorgänge.

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Zahlreiche Unternehmen beteiligen sich

Kein Wunder, dass vor allem der Wirtschaft an Transparenz gelegen ist: An der Initiative sind die Handelsunternehmen DM-Drogerie Markt, Kaufland, Lekkerland und Markant beteiligt. Auf Herstellerseite sind Beiersdorf, Dole Europe, Dr. Oetker, Gärtnerei Ulenburg, Ringoplast und die Wernsing Food Family mit von der Partie. „Alle reden über die Blockchain“, meint Heiko Stuhr, Supply-Chain-Direktor Deutschland/Schweiz bei Beiersdorf. „Wir möchten live dabei sein und als eines der ersten Industrieunternehmen erfahren, was Blockchain in der Praxis wirklich bedeutet“, sagte er. Vor allem setzt Stuhr darauf, dass künftig „Papier aus dem Kreislauf weitgehend verschwindet“. Wie hoch die Effizienzverbesserung aber ausfallen werde, sei noch nicht absehbar.

Großes Potenzial in der Technik sieht auch Christian Grotowsky, Leiter der IT bei Lekkerland. Der Convenience-Großhändler drucke heute noch 54 Mio. Blatt Papier pro Jahr aus, um die Logistik zu betreiben. Mögliche Einsparpotenziale durch die neue Technik seien aber angesichts des offenen Ausgangs des Tests noch nicht zu beziffern, sagte Grotowsky.

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Für die Unternehmen ist die Teilnahme am Versuch kostenlos. Aus der Logistik nehmen Container Centralen, Deutsche Bahn, die European Pallet Association (Epal), Paki Logistics und die Nagel-Group teil. Beratend stehen das European EPC Competence Center (EECC), das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik und T-Systems sowie PwC zur Seite.

Im Mai geht es los

Im Mai soll es losgehen mit dem Test. Zusammen mit Experten von SAP werden die IT-Spezialisten der beteiligten Unternehmen das Governance-Modell und die Systemarchitektur der Blockchain festlegen. Danach ist zunächst ein erster Testlauf mit einem Prototyp geplant. Der eigentliche Blockchain-Test in der Praxis folgt anschließend. Der Versuch wird etwa einen Monat dauern. Ende des Jahres soll dann ein Ergebnis vorliegen. Ziel des Projekts ist es ausdrücklich, die Erkenntnisse möglichst umfassend zu teilen und nicht nur für die Zwecke der beteiligten Unternehmen zu nutzen. (Axel Granzow)

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Über Tim Meinken 270 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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