Pamyra lässt die Luft raus

Rampe, Laderampe, Teilladung

Die Auslastung von Ladekapazitäten ist ein wichtiger Faktor für Effizienz im Transportgewerbe. Das gelingt den Beteiligten mal besser und mal schlechter – bis hin zu leeren Rückfahrten. Das Problem hat sich jetzt das Start-up Pamyra aus Erfurt vorgenommen.

„Wir können mit unserem Konzept viel Luft aus den LKW lassen“, verspricht Felix Wiegand, der zusammen mit Steven Qual die Online-Plattform Pamyra entwickelt hat. Die Grundidee der Unternehmer, die mehrere Jahre für eine E-Commerce-Agentur in Jena gearbeitet haben, ist ein ausgeklügelter Algorithmus. Mit dessen Hilfe lässt sich schnell errechnen, ob sich für eine zusätzliche Ladung noch ein Umweg lohnt und zu welchen Kosten das darstellbar ist. „Damit können wir für gelegentliche Bedarfstransporte eine schnelle und kostengünstige Lösung im Internet anbieten, die zugleich ohnehin stattfindende Transporte besser auslastet“, sagt Wiegand.

Dem Schwiegervater zugehört

Sein Schwiegervater war lange Zeit Niederlassungsleiter eines international tätigen Logistikunternehmens und erwähnte das Problem der vielen Leerfahrt-Kapazitäten immer wieder. So entstand die Idee zu Pamyra.

Nach einer einmaligen Registrierung erhalten Transportunternehmen automatisch Aufträge, aber auch Zuladungen. Angesprochen werden auf dieser Seite alle Anbieter von Stückgut, Teil- oder Komplettladungen – vom großen Sattelzug bis hin zum Kleintransporter. Auf der anderen Seite reicht das Potenzial vom gelegentlichen Privatversender bis hin zu Unternehmen, die keine festen Transportverträge oder eigene Kapazitäten haben. „Die wichtigste Zielgruppe sind die gelegentlichen Versender oder solche mit sehr unregelmäßigem Aufkommen“, fügt Wiegand hinzu. Denn für diese Unternehmen ist es meist aufwendig, einen Transporteur zu finden – zudem entstehen höhere Kosten, weil die Umfänge weder ausgeschrieben werden können noch die Kapazität voll auslasten.

„Unser Service über das Portal ist sehr schnell und benötigt keine zusätzlichen Telefonate, Mails oder gar Ausschreibungen“, sagt Qual und versichert, dass Pamyra deutlich mehr könne als bisher bekannte Frachtbörsen, die ebenfalls das Internet nutzen. Die bisher etablierten Frachtbörsen nutzen bislang überwiegend die Spediteure untereinander, die Versender müssen hier einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand leisten und selbst die Angebote vergleichen. Das System von Pamyra filtert hingegen – ähnlich wie bei Vergleichsportalen für Preise im Internet – die günstigsten Transportangebote heraus und nennt sofort den Preis für den Versand von Tür zu Tür.

Bundesweites Angebot ab 2017

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Finanziert werden soll die Leistung ausschließlich durch die Speditionen, die ihre Leistungen anbieten und fest gelistet werden. Aus diesen vertraglichen Bindungen soll sich die Plattform komplett finanzieren, so dass für den Versender keine zusätzlichen Kosten anfallen. Bis zum Jahresende soll damit bundesweit eine ausreichende Abdeckung für den Anfang erreicht sein. Für Prognosen, wie viele Fahrten dann pro Tag vermittelt werden, ist es den Gründern zwar noch zu früh, aber sie sehen ein enormes Potenzial.

Den fachlichen Hintergrund haben sich die Thüringer längst ins Unternehmen geholt: Ein Logistiker knüpft die erforderlichen Kontakte. Zudem ist Pamyra bereits im Logistik-Netzwerk Thüringen vertreten.

Auch die Logistikunternehmen können profitieren, wobei dies vom Verhältnis des Aufwands durch den Umweg zum Versender/Empfänger der Zusatzfracht und von der Gesamtstrecke abhängt. Ein zusätzlicher organisatorischer Aufwand entstehe aber kaum. „Wir wollen die zusätzlichen Profite gerecht zwischen Versender und Transporteur aufteilen – aber auch wir müssen nach der Anlaufphase einen Gewinn erzielen“, stellt Wiegand klar. Wann das so weit sein wird, lässt er offen, aber ab Anfang 2017 will Pamyra tatsächlich bundesweit anbieten.

„Wir müssen die eher konservative Unternehmerschaft mit nachprüfbaren Leistungen möglichst schnell davon überzeugen, dass wir eine sehr praktikable und für alle Beteiligten auch zuverlässige Plattform für die Vermittlung zwischen freiem Frachtraum und Ladung sind“, weiß Wiegand. Er überlegt sich zudem schon die nächsten Entwicklungsschritte. Denkbar sind sogar Leistungen im Expressdienst bis hin zur stundengenauen Lieferung. (cs)

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