Pro Glove: Kommissionieren per Handschuh

Mit der Handschuh-Scanner-Kombination fällt das Nehmen einer herkömmlichen Scan-Pistole weg. (Foto: Proglove)

Das Münchner Unternehmen Pro Glove wurde Ende 2014 von den ehemaligen BMW- beziehungsweise Ideo-Mitarbeitern Thomas Kirchner (CEO), Jonas Girardet (CTO), Alexander Grots (Advisor) und Paul Günther (Product Engineer) gegründet. Heute besteht das Unternehmen aus einem Team von 70 kreativen Köpfen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen im automatisierten Industrieumfeld bestmöglich in die Prozesse einzubinden.

Nach dem Gewinn der Intel-Challenge „Make It Wearable“ schloss das Start-up 2016 seine erste Finanzierungsrunde über 2,2 Mio. USD erfolgreich ab – unter der Beteiligung von Investoren wie Intel Capital, Gettylab sowie Bayern Kapital. „Der Impuls für die Entwicklung des Pro Glove war eigentlich relativ naheliegend“, erklärt CEO Thomas Kirchner. „Da die meisten Werker in den Prozessen des Automobilbaus sowieso Arbeitshandschuhe tragen, warum nicht die Arbeitskleidung der Werksarbeiter zur Prozessoptimierung nutzen?“ Schnell sei die Entscheidung dann auf den Handschuh gefallen, der jetzt nur noch eines werden sollte: intelligent.

Anzeige

Potenzial in Produktion und Logistik

Das Unternehmen Pro Glove hat seinen gleichnamigen elektronischen Handschuh mit dem Scan-Modul auf dem Handrücken als sogenanntes Wearable für die Industrie entwickelt, um Industrieprozesse nachhaltig zu verbessern. Der Kommissionierhandschuh kommt in erster Linie in der Produktion und Logistik zum Einsatz. „Der Pro Glove verbindet den Werker mit dem industriellen Internet der Dinge“, sagt Kirchner. Das Arbeiten in Produktion und Logistik werde durch den Handschuh schneller, sicherer und einfacher.

Gleichzeitig sollen Ergonomie und Effizienz gesteigert werden. „Der Pro Glove ersetzt als aktives Tool das traditionelle Scannen“, sagt Kirchner. „Ob 1D- oder 2D-Barcodes – überall dort, wo der Werker in der Logistik bislang Waren und Güter umständlich auslesen musste, kann er nun freihändig und ergonomisch arbeiten.“ Damit spart er Zeit, weil das aufwendige Nehmen und Platzieren einer herkömmlichen Scan-Pistole wegfällt. Prozessschritte können freihändig dokumentiert werden. Zusätzlich erhält der Werker durch optische, akustische und haptische Signale sofort Feedback zu seinen einzelnen Arbeitsschritten.

Pro Glove expandiert nach Kanada und USA

Zu den Kunden von Pro Glove gehören Automobilhersteller und Zulieferer – unter anderem Mahle, Skoda und BMW. So werden beispielsweise im BMW-Werk Dingolfing, dem größten Ersatzteillager des Konzerns, durch Pro Glove pro Scan bis zu vier Sekunden eingespart – das ergibt insgesamt 4.000 Minuten pro Tag. Denn Teile können bei der Kommissionierung im Hochregallager nun sehr viel schneller und sicherer gepickt werden.

Auch im Handel beziehungsweise E-Commerce gibt es bereits Anwendungsfälle, wie beim Lebensmittel-Discounter Penny. Im Frischelager des Penny-Logistikzentrums Neuhausen sorgt der Handrücken-Scanner bereits jetzt für eine fehlerfreie und schnelle Kommissionierung etwa von Molkereiprodukten. Künftig könnte er in Kombination mit Pick-by-Voice auch in den Kommissionierbereichen für Obst und Gemüse, im Trockensortiment sowie im Tiefkühllager zum Einsatz kommen.

Und das Unternehmen hat weitere ehrgeizige Pläne. „Nachdem wir unsere Wearables erfolgreich auf dem europäischen Markt gelauncht haben, expandieren wir in diesem Jahr auch in die USA und Kanada“, sagt Kirchner. „Gerade sind wir von der CES in Las Vegas zurückgekehrt und konnten durch die Messe überraschend viele neue Leads, aber auch Aufmerksamkeit in der US-Presse erzeugen.“ (rok)

Anzeige
Über die DVZ Redaktion 205 Artikel
Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen