Recruiting: Logistiker werfen die Angel aus

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Foto: IStock

Angesichts der Fachkräfteengpässe forciert die Logistik- und Transportbranche die Personalgewinnung. Das bestätigt die aktuelle Studie Best Recruiters, die zum sechsten Mal die Rekrutierungsqualität von mehr als 400 großen Arbeitgebern in Deutschland geprüft hat. Die Branche Transport, Verkehr und Logistik hat sich gegenüber dem Vorjahr von Platz 14 auf Platz 10 der 27 untersuchten Wirtschaftssektoren verbessert. Mit durchschnittlich 56 Prozent der möglichen Punkte liegt sie knapp über dem bundesweiten Durchschnitt von 55 Prozent.

Branchensieger Schenker Deutschland platziert sich mit 74,5 Prozent der maximal erreichbaren Punkte auf dem 22. Platz des Gesamtrankings, das der Versandhändler Otto anführt. Insgesamt wurden elf Arbeitgeber aus dem Verkehrs- und Logistiksegment getestet. Fünf davon (siehe unten) erhielten auch ein Gütesiegel: Gold für Schenker, Silber für Lufthansa und Dachser sowie Bronze für die Post und die Bahn. Hamburg Süd, Hapag-Lloyd, Hellmann, Kühne + Nagel, Rhenus und UPS erlangten nicht die Zertifizierungsreife.

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Best Recruiters analysiert und bewertet jährlich auf wissenschaftlich fundierter Basis die Kategorien Karriere-Website, Mobile Recruiting, Social Web, Online-Stellenausschreibungen, Bewerbungsresonanz, Nutzerfreundlichkeit im Bewerbungsprozess, Initiativen im Talent Relationship Management sowie die Reaktion auf die Kontaktaufnahme von Kandidaten per E-Mail und sozialen Medien. Für die Erfüllung jedes der 136 Einzelkriterien werden Punkte vergeben, maximal sind 100 Punkte möglich.

Die Studie zeigt: Die Stärken der deutschen Personaler liegen eindeutig in der Bewerberansprache über Karriere-Website, Social Web und Mobile Recruiting. Mit Letzterem ist die optimierte Personalbeschaffung über Endgeräte wie Smartphones oder Tablet-PCs gemeint. Optimierungsbedarf besteht hingegen im direkten Umgang mit Kandidaten und bei Stellenausschreibungen. Das deutsche Gesamtergebnis spiegelt sich in der Transport- und Logistikbranche weitgehend wider. Bei der Beantwortung von E-Mail-Anfragen und in der Nutzung von Social-Media-Kanälen haben Logistiker jedoch deutlich die Nase vorn.

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Xing und Facebook sind beliebt

Arbeitgeber in der Logistik setzen soziale Medien im Recruiting generell häufiger ein als andere Branchen. Vor allem auf den Plattformen Xing und Facebook sind sie besonders aktiv. So sind beispielsweise alle getesteten Logistikunternehmen mit einem Arbeitgeberprofil auf Xing und auf Linkedin vertreten. Mit der Präsenz in den sozialen Netzwerken allein ist es jedoch nicht getan. Nur wenn Arbeitgeber hier regelmäßig Kandidaten informieren, Einblick ins Unternehmen geben oder mit ihnen kommunizieren, zahlt sie sich aus. Immerhin 45 Prozent der getesteten Logistikunternehmen posten regelmäßig News für Bewerber auf Xing – die Gesamtstichprobe erreicht hier 41 Prozent. Linkedin bleibt mit 9 Prozent dagegen abgeschlagen.

Bemerkenswert ist das Ergebnis bei Facebook: Während andere Branchen dieses Netzwerk kaum für bewerberrelevante News nutzen, sind die Logistikpersonaler hier erstaunlich umtriebig: 82 Prozent der Arbeitgeber kommunizieren regelmäßig Inhalte rund um Karriere und Bewerbung. Bei der Beantwortung von Messenger-Nachrichten über Facebook hingegen hört der Fleiß auf. Fast drei Viertel der Getesteten der Branche reagieren auf diese nicht. Hier verschenken sie viel Potenzial, denn gerade junge Bewerberzielgruppen sind es gewöhnt, auf kurzem Wege zu kommunizieren – auch mit potenziellen Arbeitgebern.

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Sehr verlässlich werden hingegen E-Mail-Anfragen beantwortet: Fast drei Viertel der Logistikarbeitgeber reagieren innerhalb von drei Werktagen. Damit schneidet die Branche in diesem Bereich deutlich besser ab als die Gesamtstichprobe (50 Prozent).

Anreize werden zu selten benannt

Die Karriere-Website ist oft der erste Kontaktpunkt von Bewerbern mit einem Unternehmen. Und damit die zentrale Stelle, Einblick ins Unternehmen zu geben und sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Neben den harten Fakten interessieren Jobsuchende sich vor allem für Informationen wie Entwicklungsmöglichkeiten, die Unternehmenskultur, aber auch die angebotenen Zusatzleistungen. Tatsächlich schöpft Letzteres nur etwa jeder zweite Branchenvertreter aus. Zum Vergleich: Vier von fünf Arbeitgebern der Gesamtstichprobe umwerben ihre Talente schon auf der Karriere-Website mit monetären und nicht-monetären Anreizen. Auch wenn diese nicht allein ausschlaggebend sind, so können sie in der Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen das Zünglein an der Waage sein.

Auf anderer Ebene gelingt die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber sehr gut: Ein Großteil der Logistiker setzt auf Internationalität (82 Prozent) und bietet seine Karriere-Website in mindestens einer Alternativsprache an. Branchenübergreifend nutzt nur etwa jeder Zweite diese Chance, seine Bewerberbasis zu vergrößern.

Hallo, ist da jemand?

Zu wissen, an wen man sich bei Fragen persönlich wenden kann, schafft im Bewerbungsprozess Vertrauen, zeugt von Offenheit und spart allen Beteiligten Zeit. Denn wenn beispielsweise schon nach einem kurzen Telefonat klar ist, dass eine wichtige Qualifikation fehlt, muss eine Bewerbung weniger geschrieben, geprüft und abgesagt werden. Viele Arbeitgeber in der Logistikbranche verzichten jedoch darauf, eine für die jeweilige Position zuständige Ansprechperson zu nennen. Die Onlinestellenanzeigen von gut jedem dritten Unternehmen enthalten eine konkrete Kontaktperson. Hier hinkt die Branche im bundesweiten Vergleich hinterher (60 Prozent). Richtig gestaltet, signalisieren persönliche Kontaktpunkte Wertschätzung und Interesse am Gegenüber – Faktoren, die unter Umständen den entscheidenden Unterschied zum Wettbewerber nebenan ausmachen.

Über die Autorin und die Studie

Agnes Koller ist Studienleiterin bei Best Recruiters. Hinter der Studie steht die österreichische Kommunikationsagentur GPK. Seit 2010 werden jährlich jeweils 400 große Arbeitgeber Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auf ihre Qualität in Sachen Personalgewinnung getestet. Für herausragende Leistungen werden Gütesiegel in Gold, Silber und Bronze verliehen. Zudem wird ein Ranking erstellt, wobei nur die Platzierungen der Unternehmen mit Gütesiegel kommuniziert werden.

Tipps für erfolgreiches Recruiting

Oft zeigen kleine Maßnahmen, die auch mit geringem Budget umgesetzt werden können, eine große Wirkung.

  • Eine nutzerfreundliche Website klicken potenzielle Bewerber nicht sofort wieder weg. Je weniger Barrieren, desto besser ist zudem die Position im Suchmaschinen-Ranking.
  • Persönliche Beziehungen sind Trumpf: Ein persönliches Gespräch sagt mehr als seitenweise Text. Geben Sie Talenten daher schon auf der Karriereseite und in der Stellenanzeige die Chance, Sie zu kontaktieren.
  • Kurze Kommunikationswege im Social Web: Verpacken Sie Ihre freien Stellen und Arbeitgeberinformationen in interessante Geschichten. Haben Sie stets ein Auge auf eingehende Fragen per Direct Messages und beantworten Sie diese zeitnah.
  • Stellenanzeigen als Personalmarketing-Werkzeug nutzen: Achten Sie beim Text auf ein ausgewogenes Verhältnis von Anforderungen und Anreizen.
  • Die eierlegende Wollmilchsau war gestern: Überlegen Sie sich für Ihre Stellenanzeigen genau, was der neue Mitarbeiter tatsächlich können muss. Ein zu „episches“ Anforderungsprofil wirkt leicht abschreckend.

Best Recruiters Verkehr, Transport und Logistik

1. Schenker Deutschland (Gesamtranking: Platz 22)

2. Lufthansa (Gesamtranking: Platz 53)

3. Dachser (Gesamtranking: Platz 78)

4. Deutsche Post DHL (Gesamtranking: Platz 137)

5. Deutsche Bahn (Gesamtranking: Platz 179)

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Über Tim Meinken 288 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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