Shipwise will den Containerversand effizienter und übersichtlicher gestalten

(Foto: Shipwise)

Ein regnerischer Tag Mitte November. Alexander Malov steht auf einer Bühne in der Classic Remise in Berlin. Etwa 300 Augenpaare sind auf ihn gerichtet. Er hat fünf Minuten Zeit und muss jetzt liefern. Denn die Augenpaare gehören 300 Investoren, die zum Demo Day des Start-up-Bootcamps Transportation & Energy gekommen sind. Malov ist Jungunternehmer, genauer gesagt CEO des Start-ups Shipwise. Und in den kommenden fünf Minuten will er die Investoren dazu animieren, ihr Geld lockerzumachen: für Shipwise.

Malov (35) hat das Unternehmen Anfang vergangenen Jahres gemeinsam mit seinem 28-jährigen Kompagnon Igor Alipenko gegründet. Shipwise ist eine Art Online-Seefrachtspedition. Über ein Dashboard können die Kunden Buchungen vornehmen, ihre Transporte verwalten und noch einiges mehr, versprechen die Jungentrepreneure.

In der Gründerszene sind die beiden aber schon alte Hasen. Denn Shipwise ist nicht das erste Unternehmen, das sie gründen. So haben sie 2013 bereits den Software-as-a-Service-Anbieter Viclone ins Leben gerufen. Shipwise zuliebe haben sie dieses Projekt nun aber zurückgestellt. Sie sind dort zwar weiterhin Anteilseigner, aber nicht mehr aktiv im Management tätig.

Schifffahrt und Spedition sind Malov in gewisser Weise sogar in die Wiege gelegt worden. Zudem ist er über familiäre Bande seit vielen Jahren mit der Speditionsbranche verbunden. So ist Malovs Familie bei der Spedition MCT Shipping Service, dem Dry-Bulk-Operator Western Bulk und der Reederei Transoptimal engagiert.

Er selbst ist in Sankt Petersburg geboren, hat sich aber schnell zu einem Weltbürger entwickelt. Zur Schule ist er in Helsinki gegangen, hat anschließend in den USA studiert und seinen MBA an der Northeastern University in Boston gemacht. Anschließend ging es nach Barcelona, wo er seitdem als Geschäftsführer der dortigen MCT-Shipping-Niederlassung arbeitet.

Vor gut einem Jahr kam Shipwise als neues Projekt dazu. Im vergangenen August siedelten sie dann nach Berlin über – in das Start-up-Bootcamp Transportation & Energy. Dort feilten sie über drei Monate lang im Austausch mit anderen Gründern und mit Coaches als Sparringspartnern an ihrer Geschäftsidee.

Diese sieht vor, das gesamte Angebotsspektrum einer klassischen Spedition zu bieten, aber eben elektronisch. „Wir sind eine Spedition und kein Marktplatz“, betont Malov, der die erste Fassung der Software noch selbst programmiert hat. Die Idee sei, die Technik zu nutzen, um die Spedition besser zu machen. Dank des Dashboards, auf dem die Nutzer alle Informationen finden und auch Veränderungen im Transportablauf nachverfolgen können, müssten die Kunden beispielsweise nicht ständig E-Mails checken. Mit einem solchen Informationsvorsprung will Shipwise punkten. Die Bedienung des Dashboards soll denkbar einfach und vertraut sein. So erinnert die Seite mit der Übersicht der Sendungen an eine Facebook-Seite.

Die IT-Plattform soll den Arbeitsalltag erleichtern

Die potenziellen Kunden dieser Lösung umschreibt Malov folgendermaßen: „Wir suchen Leute, die ihren Job hassen“, sagt er. Sprich alle, denen es gewaltig auf den Senkel geht, ständig E-Mails kontrollieren zu müssen und trotzdem nicht adäquat bei Verzögerungen und Ähnlichem informiert zu werden. „Das sind potenzielle Kunden für uns“, unterstreicht der Unternehmer. Zunächst werden die Kunden ihm zufolge ebenfalls vor allem aus der Start-up-Szene kommen. Als interessante Zielgruppe hat er auch kleine Verlader ausgemacht.

Mit 20 Kunden arbeiten sie in diesen ersten Monaten zusammen. Die Gründer wollen deren Bedürfnisse genau erfahren und darüber die IT kontinuierlich verbessern. „Wir bekommen aber schon etwa fünf Kundenanfragen pro Tag, können die aber nicht alle abwickeln“, sagt Malov. Das Geschäft zu skalieren komme später.

Ganz allein mit ihrer Idee sind Malov und Alipenko indes nicht. Flexport aus San Francisco, Haven mit Sitz in Singapur, Freightos aus Hongkong oder auch Kontainers aus Großbritannien haben ähnliche Ansätze wie Shipwise. Dennoch glauben die beiden Gründer an ihren Erfolg. Schließlich hätten sie schon seit Jahren über die Geschäftsidee nachgedacht, und nun sei der richtige Zeitpunkt. Warum? „In den Hochzeiten, als es den Logistikdienstleistern so richtig gut ging, war so etwas, wie wir es machen, nicht möglich. Doch nun, da eine hohe Effizienz und niedrige Kosten gefragt sind, passt es“, unterstreicht Malov.

Ganz verrückt scheint die Idee nicht zu sein. Einige große Logistikdienstleister hätten schon Interesse an Shipwise signalisiert, sagt Malov, ohne zu präzisieren, was unter „Interesse“ zu verstehen ist. Vorsorglich weist er aber darauf hin, dass Shipwise vorerst eigenständig bleiben wolle.

In den kommenden Monaten geht es nun darum, das Unternehmen weiter aufzubauen und das Geschäftsmodell zu verfeinern. So soll das Team von fünf Mitarbeitern zeitnah aufgestockt werden. Kollegen mit IT-Know-how und weitere für das operative Geschäft sind gefragt. „Wir wollen klar in Richtung Big-Data-Anwendungen gehen“, so Malov. Innerhalb von zwölf Monaten sollen Door-to-Door-Lösungen und umfangreiche Analysetools verfügbar sein.

Auf der anderen Seite denken die Jungunternehmer auch schon an die geografische Expansion – sprich die Skalierung des Geschäfts. Derzeit arbeiten die Shipwise-Macher von Barcelona aus. Es ist aber auch ein Umzug nach Hamburg denkbar. „Und wir wollen so schnell wie möglich nach Asien expandieren.“ Denn dort gibt es mit den Intra-Asien-Verkehren noch ein großes Wachstumsfeld.

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