Siemens macht Norwegens Schiffsverkehr elektrisch

Batteriebetriebene Fähren gibt es auch in Finnland wie hier die "Elektra", die im Inselverkehr vor Turku unterwegs ist. (Foto: Siemens) e-schiff elektromobilität
Batteriebetriebene Fähren gibt es auch in Finnland wie hier die "Elektra", die im Inselverkehr vor Turku unterwegs ist. (Foto: Siemens)

Als eines der ersten Unternehmen in Europa wird Siemens ab Mai 2018 im norwegischen Trondheim Batterien für elektrische Schiffsantriebe  produzieren. Der Konzern will dafür 100 Mio. NOK (10,5 Mio. EUR) in eine neue vollautomatische Produktion von E-Batterien an seinem Standort investieren, sagte Odd Moen, Head of Sales Marine von Siemens Norway, auf einer Veranstaltung von Innovation Norway in Düsseldorf.

„Die Zukunft vieler Schiffe in Norwegen wird von Elektromobilität geprägt sein“, begründete Moen die Investition mit Blick auf staatliche Förderprogramme zur Elektrifizierung der maritimen Wirtschaft. Als weiteren Grund für die Investition nannte er die niedrigen Energiekosten in dem Land, das seine Energieversorgung zu 97 Prozent durch Wasserkraft deckt. Siemens Norway zählt am Standort Trondheim rund 600 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte Ingenieure.

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Elektrifizierung wird gefördert

Angesichts hoher Umweltbelastungen durch Dieselmotoren und strengere Umweltauflagen wachse die Dringlichkeit für den Einsatz emissionsarmer Antriebssysteme auch für den Schiffsverkehr, begründete Per Stensland, Senior-Berater von Innovation Norway aus Oslo, die öffentliche Förderung. Norwegen gilt als Vorreiter bei der Elektrifizierung von Verkehrs- und Transportwesen. Bereits jetzt fahren erste Schiffe mit Hybrid-Schiffsmotoren, die vor allem in den Häfen eingeschaltet werden. Aber auch Kreuzfahrtschiffe setzen auf diesen Antrieb. So fahren ab 2019 zwei Schiffe der Reederei Hurtigruten mit Hybridmotor, der dann zum Beispiel in der Antarktis oder in den Fjorden eingeschaltet wird. Diese Kombi-Technologie kommt laut Moen auch für Frachtschiffe (Container und Stückgut) in Betracht, wie auch LNG-Antriebe (Liquid Natural Gas).

Die Batterietechnologie eignet sich dagegen wegen der begrenzten Kapazitäten der Batterien vor allem für kleinere Schiffe. Seit 2015 verkehrt die weltweit erste batteriebetriebene Fähre nördlich von Bergen und seit 2017 ist erstmalig ein batteriebetriebenes Schiff auf einer norwegischen Lachsfarm mit der Siemens-Technik unterwegs. Ein vielversprechender Markt: Rund 1.300 solcher Boote werden auf den circa 1.000 Fischfarmen in Norwegen eingesetzt. „Wir wollen bis 2050 alle Fjordfähren, die Verbindungen im norwegische Straßennetz herstellen, auf Elektrobetrieb umgestellt haben“, so Stensland. Bereits heute muss jede neue Fähre entsprechend ausgerüstet sein. Inzwischen fahren etwa sechs Fähren mit Elektroantrieb. Auftraggeber für die Fährlinien ist der norwegische Staat. Auf etwa 100 solcher Fährrouten werden derzeit rund 180 Fähren eingesetzt, die in der Regel mit Diesel betrieben werden. Zudem engagiert sich Siemens hier auch im Bereich der Stromversorgung an Land und bietet die entsprechende Infrastruktur an.

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Elektrische Fischerboote mit Siemens-Antrieb

Einen großen Markt für den Batteriebetrieb verspricht sich Siemens außerdem im Bereich der Fischerboote. Schließlich werden 5.100 davon in Norwegen gezählt. Hier ist bislang aber erst ein Boot im Einsatz. Private Käufer schrecken offenbar noch vor der neuen Technologie (und den hohen Anfangsinvestitionen) zurück. Zudem blockiere hier noch die Förderung des Diesels den Einsatz der Elektroantriebe, monierte Moen. Norwegen gilt als eines der großen Ölförderländer. Allerdings engagieren sich große Ölkonzerne, wie zum Beispiel Statoil, zunehmend in Projekten zur Elektrifizierung des Verkehrswesens beziehungsweise zur Herstellung von Batterien. Diese kommen heute noch vor allem aus Ostasien. (Axel Granzow)

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Über Tim Meinken 295 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

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