Sind Lagerroboter auch für den Mittelstand sinnvoll?

Roboter, Lagerroboter, Robotik, Logistik
Foto: Magazino

Während Logistikexperten mittelständische Unternehmen auffordern, beim Thema Automatisierung endlich aufzuwachen, zeigen diese sich eher abwartend. Angesichts zum Teil noch nicht ausgereifter Techniken und eines hohen Innovationstempos wie zum Beispiel in der Robotik wohl auch zu Recht. Dies zeigte sich jüngst auf dem Innovationstag Lagerlogistik 4.0 des mittelständisch orientierten Logistiknetzwerks Log.Coop in Düsseldorf.

Deutsches Mentalitätsproblem

„Wir sind in Deutschland eher Kosten-Schrauber statt Visionäre“, kritisierte Stefan Iskan, Professor an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, das grundlegende Mentalitätsproblem der deutschen Mittelständler zusammen. Auf der anderen Seite entwickelten sich die technologischen Möglichkeiten immer rasanter weiter und da gelte es, den Anschluss nicht zu verpassen. Nach Iskans Ansicht können mittelständische Unternehmen sich derzeit auf einer Riesen-Spielwiese ausprobieren, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass an Ihrer Spitze Manager mit Macher-Mentalität stehen. Doch bei aller Begeisterung für das Thema Digitalisierung dürfe man aber nicht nur an Prozesse und IT denken. Entscheidend sei vielmehr der Faktor Mensch und die Bereitschaft zur Veränderung. „Change Management“ sei daher einer der wichtigsten Stellhebel für zukunftsfähige Dienstleistungen.

Ziel Investitionssicherheit

Anzeige

Doch nach wie vor warten viele Mittelständler – oftmals Familienunternehmen – lieber ab. Schließlich soll die Digitalisierung auch nicht zu vorschnellen Investitionen führen. Ein Beispiel für das zögerliche Verhalten sind fahrerlose Transportsysteme, die sich erst nach zwei Jahrzehnten richtig durchgesetzt haben – allein, weil die Technik erst in den letzten Jahren erschwinglich geworden ist. Das Problem der derzeit gehypten Techniken, wie zum Beispiel die Robotik oder der 3D-Druck, ist, dass sie noch lange nicht ausgereift sind. Einerseits hat der Einsatz oft noch Laborcharakter, andererseits ist das Innovationstempo sehr hoch. Was nichts anderes heißt, dass diejenigen, die sich für solche Lösungen interessieren, fürchten müssten, in eine bereits veraltete Technik zu investieren. Dies wurde beim Vortrag von Christian Zillner deutlich, Senior Sales Manager des Lagerroboter-Herstellers Magazino aus München.

Mehr Produktivität für Roboter

Die Robotik sei zwar aus der reinen Forschung herausgewachsen und zu einem „Business Case“ geworden, sagte er, doch hinke die Produktivität im Vergleich mit manueller Tätigkeit noch hinterher, wie etwa in der Kommissionierung. Zudem sind die bislang am Markt angebotenen Pick-Roboter keine Alleskönner: Bisher können sie nur bestimmte Objekte greifen.

Zillner bezifferte die durch den Einsatz von Robotik eingesparten Pick-Kosten auf 25 bis 30 Prozent. Die Performance der Roboter liege aber noch mehr als 10 Prozent unter der von manuellen Prozessen – und das obwohl die Roboter 16 Stunden laufen, bevor sie wieder aufgeladen werden müssen. Bislang setzen nur größere Konzerne wie DHL, Fiege oder Deichmann Roboter von Magazino in der Kommissionierung ein. Als größte Herausforderung gilt hier die Zusammenarbeit mit Menschen. Eine „mannlose Kommissionierung“ hält Zillner zwar für technisch möglich, doch werde dies wohl noch Jahre dauern.

Hermes testet Roboter

Ende des Jahres startet Hermes im Logistikzentrum Haldensleben ein Projekt, bei dem der Magazino-Roboter Soto zum Einsatz kommen wird, eine Weiterentwicklung des vor rund zwei Jahren vorgestellten Modells Toru. Der neue Kommissionierroboter kann Kisten greifen, also Kleinladungsträger, Boxen und Kartons. Bislang war dies nur bei quaderförmigen Objekten wie Büchern oder Schuhkartons möglich (Torocube). 2018 will der Hersteller dann den ersten Roboter (Toruflex) präsentieren, der auch Zylinder, folienverpackte oder auch weiche Objekte greifen kann.

Dass auch 3D-Druck die Logistikwelt nicht revolutionieren wird, behauptete Michael Eichmann, Director Business Development des israelischen Herstellers Stratasys. Der eine oder andere Logistiker werde zwar die Möglichkeit haben, ein 3-D-Werk aufzubauen, oder habe dies bereits getan, aber die Zukunft des 3-D-Drucks liege nicht in der Massenproduktion. Eichmann sieht vor allem in der Modellherstellung sowie in der Fertigung von einzelnen Produkten, wie beispielsweise Knochenimplantaten oder speziellen Ersatzteilen für die Auto- und Luftfahrtindustrie eine Chance für die Technik.

3-D-Druck für Spezialfälle

Vor diesem Hintergrund steht er der Diskussion um den Ersatz von Lagern durch 3-D-Druckzentren skeptisch gegenüber. Der Aufwand wäre seiner Ansicht nach viel zu groß, es könne allenfalls um Kleinserien gehen. Zudem dürfte das Thema Haftung so manchen Logistiker vor der 3-D-Druck-Produktion zurückschrecken lassen. „Was sich ändern wird, sind aber die Netzwerke und Lieferketten“, meinte Eichmann. Sollten sich zum Beispiel 3D-Druck-Werke als Zulieferbetriebe direkt bei den Abnehmern ansiedeln, könnten bestehende Supply Chains eventuell ganz wegfallen. (ben)

Anzeige
Über Tim Meinken 173 Artikel

Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig.
Hier können Sie Kontakt zu mir aufnehmen:

1 Trackback / Pingback

  1. Fiege bestellt Lagerroboter-Flotte bei Magazino • Blue Rocket

Kommentar verfassen