Smartlane: Tourenplanung für nicht-Disponenten

Das Gründerteam von Smartlane (von links): Florian Schimandl (Geschäftsführer), Monja Mühling, Matthew Fullerton (bereits ausgeschieden), Mathias Baur. (Foto: Smartlane)
Das Gründerteam von Smartlane (von links): Florian Schimandl (Geschäftsführer), Monja Mühling, Matthew Fullerton (bereits ausgeschieden), Mathias Baur. (Foto: Smartlane)

An Tourenplanungssystemen herrscht kein Mangel im Markt. Mit konfigurierbaren Softwarelösungen, die Logistik- und Transportprozesse jeden Tag neu auf individuelle Anforderungen abstimmen und im Zusammenspiel mit Dispositionssystemen Fahrkilometer minimieren und Fahrzeugauslastungen optimieren, werben mehrere Dutzend IT-Unternehmen. Alle Lösungen wenden sich an Flottenbetreiber mit erfahrenen Disponenten.

Genau hier hat das Münchner Start-up Smartlane eine Marktlücke entdeckt. „Mit unserer selbsterklärenden Lösung können auch Mitarbeiter ohne Dispositionserfahrung Verkehre planen, steuern und überwachen“, betont Geschäftsführer Florian Schimandl. Vor allem Endkundenverkehre auf der letzten Meile in Metropolen wollen die sieben Mitarbeiter des 2015 gegründeten Unternehmens optimieren.

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Etwa ein Dutzend Unternehmen, darunter Kep-Dienste und Handwerksunternehmen, nutzt ihre Software-as-a-Service-Lösung bereits. Grundsätzlich bietet das System jedem Unternehmen Nutzwert, das mit mobilen Mitarbeitern Endkundentermine wahrnimmt. „Auch ein Außendienst kann mit Smartlane Fahrzeiten verkürzen und Kosten senken“, sagt der Diplom-Informatiker, der an der TU München (TUM) studiert hat.

Auf Umwegen zur Tourenplanung

Auf Umwegen kamen Schimandl und die Mitgründer Mathias Baur, ebenfalls ein Informatiker, Matthew Fullerton, ein mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschiedener Softwareentwickler, sowie Monja Mühling, eine studierte Technologiemanagerin, zur Tourenplanung. Ihr 2015 gegründetes Unternehmen sollte ursprünglich neue Anwendungen für vernetzte Autos entwickeln. Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter des TUM-Instituts für Verkehrstechnik entdeckten jedoch schnell, dass Flottensteuerung und Tourenoptimierung auf Basis der Daten, welche Fahrzeugsensoren sammeln und senden, überzeugendere Geschäftskonzepte liefern.

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Existenzgründungsberater und potenzielle Investoren bestätigten dies: Schimandl erhielt 2015 ein Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, anschließend stellte ein Family Office das Startkapital in sechsstelliger Höhe zur Verfügung. So werden Gesellschaften genannt, die sich um die Vermögenswerte einer oder mehrerer Familien kümmern.

Die zweite Finanzierungsrunde ist nun angelaufen. Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups haben Schimandl, Baur und Mühling nicht nur ein fertiges Produkt vorzuweisen, sondern auch erste Mitarbeiter eingestellt.

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Smartlane als Lösung für den Mittelstand

Vor allem mittelständische Flottenbetreiber sollen als Kunden gewonnen werden. Der Anwender kann laut Schimandl nach Eingabe eines Passworts binnen fünf Minuten loslegen. Anhand von Verkehrsinformationen, Lieferzeitfenstern, Fahrzeugkapazitäten und anderen Faktoren, welche die Auslieferung beeinträchtigen können, ermittelt er die kostengünstigsten Routen. Die Zuweisung an einen Fahrer erfolgt automatisch. Kurzfristige Aufträge und aktuelle Ereignisse können über die Fahrer-App in laufende Touren integriert werden. Der Mitarbeiter verfolgt diese am Bildschirm und kann jederzeit eingreifen.

Mit jedem Einsatz lernt die Software dazu. Weil sie Daten permanent vergleicht, kann sie Tourenplanungen ständig verfeinern und Kosten weiter senken. Der Disponent wird so laut Schimandl entlastet, er kann sich auf die Überwachung der Touren und den Kontakt mit den Fahrern konzentrieren. „An einer intensiveren Kommunikation sind viele Anwender sehr interessiert, weil sie ihren Kunden die voraussichtliche Ankunftszeit möglichst präzise mitteilen wollen“, sagt er. Fahrer unterschätzen dieses Bedürfnis notorisch und teilen auch geringfügige Verspätungen nicht mit.

Komplettlösung oder White Label

Smartlane gibt es in zwei Versionen – als Komplettlösung mit eigener Oberfläche oder aber als White-Label-Version, welche mit standardisierten Schnittstellen in bestehende Kundensysteme integriert wird. Schimandl: „Wir können jederzeit ergänzende Daten über Wetter, Streckensperrungen oder besondere Anfahrtswege integrieren.“ Das erleichtert die Konfiguration von kundenspezifischen Lösungen.

Für die kommenden Jahre planen die drei Gründer weitere Anwendungen mit Kooperationspartnern. Mit einem Luxemburger Start-up sprechen sie derzeit über eine Applikation für Pendlerverkehre. Außerdem wollen sie mit dem Londoner Start-up What3words zusammenarbeiten, an dem zum Beispiel die Deutsche Bahn über ihren Start-up-Fonds Digital Ventures beteiligt ist.

What3words hat die Kontinentalflächen der Erde in 57 Bio. 3×3 m große Quadrate aufgeteilt und jedem eine aus drei Wörtern bestehende Adresse zugewiesen. So könnten Smartlane-Nutzer mit Hilfe einer Geofencing-App auch Ziele ohne Straßennamen und Hausnummer anfahren. Vor allem für Ersatzteil- und Baustellenlogistiker, die auch mal auf freiem Gelände zustellen müssen, wäre eine solche Anwendung interessant. (Stefan Bottler)

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Über Tim Meinken 305 Artikel
Digitalisierte Frohnatur, Glücklicher Ehemann und zweifacher Vater. Er arbeitet als Produktmanager Social Media / Online (DVZ und BlueRocket) zudem ist er als Autor in Hamburg tätig. Hier können Sie mir folgen:

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