So setzen Sie Digitalisierung in der Logistik um

Digitalisierung in der Logistik
Blue Rocket Congress Hamburg

Logistikunternehmen müssen die Digitalisierung vorantreiben, sonst gefährden sie ihre Zukunftsfähigkeit. Die Branche leidet unter dem starken Kostendruck ihrer Auftraggeber, osteuropäische Unternehmen unterbieten hiesige Spediteure. Digitalisierungsverweigerer bekommen über kurz oder lang die volle Härte des Marktes zu spüren.

Auch von den Arbeitnehmern fordert der digitale Wandel viel: ständige Erreichbarkeit, Multitasking, hoher Lärmpegel und ständige Störungen wie E-Mails, Telefonanrufe und Arbeiten auf Zuruf. Wie können Mitarbeiter trotz der veränderten Arbeitswelt noch produktiv arbeiten? Ist die Logistikbranche überhaupt auf die Anforderungen des digitalisierten Zeitalters vorbereitet? Welche Weichen müssen gestellt werden, um Mitarbeiter vor Überforderung zu schützen und gleichzeitig die Effizienz zu steigern?

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Gefangen im Strudel der Anforderungen

Mit einem Ohr am Telefon, parallel E-Mails kontrollieren und gleichzeitig die Fracht überprüfen – so läuft es täglich weltweit ab. Störungen im Arbeitsalltag lassen keinen echten Arbeitsfluss entstehen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellte jüngst fest, dass viele Erwerbstätige von Multitasking, starkem Termin- und Leistungsdruck sowie von Unterbrechungen bei der Arbeit betroffen sind. Unter diesen psychischen Arbeitsanforderungen leiden die Arbeitnehmer – sie empfinden die Bedingungen überwiegend als sehr belastend. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen: Konzentration und Effizienz leiden darunter.

Schöne neue Logistik-Welt oder zusätzlicher Stressfaktor?

Die Veränderungen im Zuge der Digitalisierung bieten einerseits Lösungen für den Markt und werfen andererseits neue Problemfelder auf. Digitale Frachtbörsen sind auf dem Vormarsch – Fahrten lassen sich ökonomisch verknüpfen. Auch in den Lagerhäusern verändert sich die Arbeitswelt: Datenbrillen und -handschuhe halten Einzug. Mit Online-Plattformen sind Transporte künftig effizienter abzuwickeln und bieten eine direkte Vernetzung von Dienstleister und Kunden. Trucks liefern bald Informationen über den Gesundheitszustand des Fahrers, die Verkehrssituation und das Wetter. Auf viele äußere Einflüsse lässt sich so in Zukunft besser reagieren.

Auch auf die Mitarbeiter kommen neue Anforderungen zu: Durch die digitalen Neuerungen erhöht sich der Anteil der multitasking-basierten Arbeit – das kann zum Problem werden. Daneben lastet ein zusätzlicher Druck auf den Arbeitnehmern, da neue Kompetenzen ausgebildet werden müssen.

Aber nicht immer, heißt Digitalisierung in der Logistik, dass neue Software mit viel Schulungsbedarf integriert werden muss. Das Projekt gegen Leerfahrten der Hamburger Hafenbahn zeigt, wie Prozesse mit einer App optimiert wird, die die meisten Mitarbeiter bereits privat nutzen. Gemeint ist Whatsapp.

 Produktiv trotz oder dank Digitalisierung

Die Branche ist gefordert, einzugreifen: Es nützt wenig, Obstkörbe zu spendieren und Präventionsprogramme zum Thema Burn-out anzubieten, wenn die Strukturen und die Bedingungen der Arbeit trotz Digitalisierung veraltet sind. Um Störungen im Arbeitsfluss und permanentes Multitasking für Mitarbeiter und Unternehmen zu vermeiden, sind Logistik- und Speditionsunternehmen angehalten, die Struktur anzupassen.

Eine Lösung für die Herausforderungen bietet der rollenbasierte Ansatz. Die Methode hebt stressauslösende Bedingungen auf und sorgt für mehr Planbarkeit. Jeder Mitarbeiter weiß somit, wer sich zu welcher Zeit in welcher Rolle befindet und wann er offen für Anfragen ist. Dies schafft Transparenz, die für Logistik- und Speditionsunternehmen in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. So ist das Anbieten des Services, Lieferungen online zu verfolgen, heutzutage unumgänglich für erfolgreiche Logistikunternehmen. Daten sind schließlich kein Balast, sondern versteckte Schätze.

Diese Offenheit, die Logistikunternehmen den Kunden bieten, muss nun auf die eigene Organisation angewendet werden. Zudem deckt die Transparenz des Systems auf, welche Aktivitäten den Mitarbeiter davon abhalten, sich weiterzubilden und innovativ zu sein. Neben solchen Methoden benötigt die digitale Transformation Mitarbeiter mit einem Verständnis für die Herausforderungen der Digitalisierung. Dabei helfen neue Rollen wie die des Chief Digital Officers.

Motiviert und gesund

Trotz zahlreicher Herausforderungen bietet das digitalisierte Zeitalter eine Chance für die Logistikbranche, sich grundlegend zu reformieren. Finden die Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen vor und lebt das Unternehmen eine klare Rollenverteilung, steigt automatisch die Effizienz und die Gesundheit der Mitarbeiter wird geschützt. Hierfür muss das Anforderungs-, Portfolio- sowie das Ressourcenmanagement gezielt gesteuert werden. Nur so kann eine Veränderung der Abläufe zu einem grundlegenden Aufbrechen der verkrusteten Prozesse führen. (hec)

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