So soll die vollautomatische Disposition gehen

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Foto: DVZ/Andreas Voltmer

Über die vollautomatische Disposition wird in vielen Speditionen diskutiert. Doch bisher gilt der Disponent vielerorts als unverzichtbar für den reibungslosen Ablauf. Im Stückgutgeschäft hat die österreichische Spedition Quehenberger in Graz dazu ein Pilotprojekt laufen. Dort erfolgt die Disposition des Nahverkehrs bereits zu 95 Prozent automatisch. Mittels Geokoordinaten und digital hinterlegter Anweisungen werden Touren geplant. Ein speziell entwickeltes Dispotool steuert die Flotte. Der einzelne Disponent muss nur eingreifen, wenn ihm etwas unlogisch erscheint oder eine Besonderheit nicht berücksichtigt wurde. Seit März vergangenen Jahres läuft das Pilotprojekt. 2017 soll das System nach Grazer Vorbild an weiteren Standorten zum Einsatz kommen.

Datenmanager statt Disponenten

„Die Erfahrungen sind ausgezeichnet“, berichtet Unternehmenschef Christian Fürstaller. Gerne würde er die automatische Dispo komplett ausrollen, doch das muss gut geplant sein. „Wir implementieren nicht nur eine technische Neuerung, sondern verändern den Job unserer Mitarbeiter“, sagt er. Das beunruhige die Belegschaft. Davon dürften sich Speditionen nicht abschrecken lassen, sondern müssten die Mitarbeiter begleiten, gezielt schulen und sie zu Experten aufbauen. „Die Digitalisierung verändert die Welt, das macht keinen Halt vor der Logistik.“ Viele gewohnte Arbeitsweisen seien überholt und müssten angepasst werden. In der Logistik sind Datenmanager gefragt. „Disponenten müssen künftig aus mannigfaltigen Datenquellen die passenden Lösungen kreieren“, erläutert er.

Fürstaller hält IT-Standards und den kompetenten Umgang mit digitalen Daten für entscheidend. Bessere Schnittstellen und ein höherer Grad an Automatisierung seien im ureigenen Interesse eines Logistikers. Er betont: „Es ist unser innerer Antrieb, moderne Technologien zu nutzen, um das Unternehmen so schlank wie möglich aufzustellen – wir wollen nicht warten, bis ein Kunde diese Veränderungen einfordert.“

E-LKW im Testbetrieb

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Auch technische Innovationen will das österreichische Unternehmen vorantreiben. Ab dem dritten Quartal 2017 wird Quehenberger E-LKW im Verteilerverkehr testen, dazu gibt es bereits konkrete Absprachen mit einem Hersteller. Im ersten Halbjahr 2018 werden zudem für das Paket- und Expressgeschäft 20 bis 30 elektrisch betriebene Lieferwagen zum Einsatz kommen. Fürstaller drückt bewusst nicht unnötig aufs Tempo: Er wartet, bis er serienreife Fahrzeuge kaufen kann. Umgerüstete Speziallösungen sind ihm zu teuer: „Ich will nicht aus Imagegründen einen E-LKW öffentlichkeitswirksam auf die Straße bringen, sondern eine praxistaugliche Lösung.“ Zudem sei Vorarbeit nötig, um in den Depots die Infrastruktur für die Fahrzeuge zu schaffen. „Unsere Fahrer müssen den Umgang mit diesen Fahrzeugen lernen“, führt der Quehenberger-Chef aus.

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