Start-ups bedrängen Luftfracht-Speditionen

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Das Geschäftsmodell der internationalen Luftfrachtspediteure ist entstanden, um Probleme der Verlader zu lösen, die sich unter anderem aus den stark fragmentierten und komplexen globalen Transportketten ergeben. Der Druck auf das traditionelle Geschäftsmodell der Luftfrachtspeditionen ist dabei in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Frachtraten sanken, da alleine die Belly-Kapazitäten stärker gestiegen sind als das Frachtaufkommen. Und das sich ständig verändernde Branchenumfeld bedroht Spediteure in ihrer Wertschöpfung heute noch weitaus stärker als in der Vergangenheit.

Zu diesen Veränderungen gehören unter anderem die mit der Digitalisierung gestiegenen Kundenerwartungen. Auch der Wettbewerb untereinander und mit den Carriern wird härter: Digitale Forwarder werden gegründet, Cargo-Airlines sprechen mit Online-Buchungsmöglichkeiten Verlader zunehmend direkt an, und neue Spezialisten greifen die bestehenden Value Pools der Forwarder frontal an, zum Beispiel durch die Schaffung von Kostentransparenz.

Start-ups setzen auf Daten und wollen Markt erobern

Immer genauere Datenerhebung und Vernetzung sind heute die größten Treiber von Veränderungen. Die neuen Marktteilnehmer bedrängen damit die Luftfrachtbranche, die oft noch auf veraltete Technologien setzt. So fristet etwa der mit großem Aufwand eingeführte elektronische Luftfrachtbrief (E-Airwaybill) gegenüber aufwendigen und schweren Frachtpapieren immer noch eine untergeordnete Rolle.

Fast alle traditionellen Ertragsquellen (Value Sources) der Speditionen und Transporteure sind von Spielern bedroht, die neue Technologien einsetzen.

Online-Spediteure wie Flexport könnten die digitale Revolution in der Luftfrachtbranche entscheidend vorantreiben. Durch die Automatisierung eines Großteils der wiederkehrenden Frontend- und Backend-Abläufe können sie ihre Produktionskosten voraussichtlich um 5 bis 10 Prozent senken.

Auch wenn etablierte Spediteure weitaus größer als neue Online-Spediteure sind und beim Einkauf von Frachtkapazitäten höhere Preisnachlässe erzielen können, werden digitale Forwarder die Digitalisierung und Automatisierung der Luftfrachtbranche weiter vorantreiben. Zwar ist Flexport hauptsächlich im Seefrachttransport tätig, erzielt aber bereits 15 Prozent der Umsätze mit Luftfrachtdiensten. Darüber hinaus konnte sich Flexport einen treuen Kundenstamm aus kleineren Versendern aufbauen, den das Unternehmen kürzlich im Jahresvergleich verfünfzehnfacht hat: Rund 70 Prozent der Umsätze von Flexport stammen von mittelständischen Unternehmen, die jährlich bis zu 5 Mio. USD für Frachtdienste ausgeben.

Vollautomatische End-to-End-Kette selten möglich

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Diese neuen Herausforderer werden die Markttransparenz für Verlader erhöhen, und neue Spezialisten könnten maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Elemente der Wertschöpfungskette anbieten. Ein Beispiel dafür ist Freightos, ein auf Preis- und Markttransparenz sowie Buchungsplattformen spezialisiertes Unternehmen. Ein vollständig digitalisiertes Vertriebs- und Kundenservice-Erlebnis wird so zum Branchenstandard – besonders für kleinere Verlader und Kunden mit einfachen Transaktionen. Mehr als 80 Prozent der führenden Luftfrachtunternehmen bieten bereits Online-Angebotsanfragen oder Buchungstools auf ihrer Website an, wobei jedoch eine vollautomatisierte End-to-End-Frachtbuchung noch selten möglich ist.

In Zukunft könnten Cargo-Airlines die zwischengeschalteten Luftfrachtspediteure durch ihre eigenen Buchungsportale teilweise umgehen. Das könnte wiederum zu einem höheren Anteil direkter Luftfrachtbuchungen führen, der derzeit auf weniger als 10 Prozent geschätzt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass Spediteure vollständig aus der Luftfracht-Wertschöpfungskette verdrängt werden.

Die anstehenden Herausforderungen werden die Rolle der Vermittler zwar sicherlich verändern, allerdings haben klassische Spediteure noch einige Asse im Ärmel. Sie können nicht nur große Frachtvolumina ihrer bestehenden Kunden konsolidieren und damit Kapazitäten kostenoptimal auslasten, sondern sind auch in der Lage, komplexe Luftfrachttransporte zu realisieren und die zahlreichen an der Transportkette beteiligten Akteure zu koordinieren.

Luftfrachtspediteure, die auf Digitalisierung und Agilität setzen, werden auch in Zukunft eine Schlüsselposition in der Branche einnehmen. Dazu gehört, dass sie ihren bestehenden direkten Zugang zu Frachtvolumina nutzen, eine Strategie für geschickte Auftragskonsolidierung entwickeln, globale Netze mit physischer Präsenz unterhalten und sich auf schwer zu marginalisierende Dienstleistungen und Produkte spezialisieren. (ma)

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