Symrise digitalisiert Yard-Management

Symotion Yard-Management Digitalisierung Logistik
Foto: Symotion

Der Pförtner hat gut zu tun: An der Schranke zum Betriebsgelände der Symrise AG in Holzminden halten die LKW im Minutentakt. Jeder Fahrer muss sich hier melden, damit der Fahrzeugdurchlass-Schein (FDS) erstellt werden kann. Der FDS enthält Angaben wie Kennzeichen, Fahrername, Transportgut und geplante Ladestelle sowie einen Barcode. Ohne dieses Papier kommt man bei Deutschlands größtem Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen nicht weit. Für das Einhalten der entsprechenden Prozesse sorgen die Mitarbeiter von Symotion, dem konzerneigenen Logistikdienstleister von Symrise.

100 Lkw pro Tag

Der FDS ist das letzte verbliebene Stück Papier im durchgehend digitalisierten Yard-Management am Produktionsstandort von Symrise. Dahinter steckt die Lösung „Flow“ der Münchner Firma Star Trac Supply Chain Solutions. Flow steht für „Fahrzeug Leitung und Optimierung im Warenverkehr“ und wurde bei Symotion 2017 in Betrieb genommen. Das webbasierte System erfasst, steuert und kontrolliert die komplette Verkehrsabwicklung auf großen Betriebsgeländen und wird vorwiegend in der Chemie- Lebensmittel- und Logistikbranche eingesetzt.

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Der Prozess beginnt bei der obligatorischen Slotbuchung durch den Spediteur und endet bei der Ausfahrtkontrolle. „Durch die in Flow integrierte Slotbuchung können wir wesentlich besser planen und die Abfertigung der täglich rund 100 LKW beschleunigen“, erklärt Jens Bädje, der bei Symotion den Bereich Controlling und Qualitätsmanagement verantwortet.

Jeder Vorgang im System besteht aus Teilprozessen wie Einfahrtsverwiegung oder Verladungsbeginn. An jedem dieser Meilensteine sorgt die Software für die vollständige Abwicklung und Dokumentation. Gewicht und technischer Zustand des LKW beim Einfahren werden ebenso mit der Fahrt verknüpft wie die anschließende Ladungssicherungsprüfung. Sobald einer der Meilensteine abgearbeitet wurde, geht eine entsprechende Meldung im System ein. „Auf diese Weise haben wir in der Leitstelle immer den Überblick über alle LKW, die sich auf dem Betriebsgelände befinden“, sagt Bädje.

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Tablet statt Anmeldeterminal

Beim Erstellen des FDS unterscheidet Flow regelmäßig wiederkehrende Stammfahrer von denjenigen, die den Zutritt zum Betriebsgelände nur einmalig beantragen. „Die zweite Kategorie bildet speziell im Warenausgang noch die große Mehrheit“, erklärt Sören Albrecht, der die Einführung der Software als Projektleiter verantwortet hat. Wer zum ersten Mal bei Symrise laden oder entladen will, muss sich registrieren. Für diesen Schritt stehen im Anmeldebereich des Pförtners zwei fest installierte Tablets bereit, die den Fahrer in elf Sprachen durch den Prozess führen. „Der Einsatz von Tablets für die Fahrer-Registrierung ist ein Novum, das uns die kostspieligen Selbstbedienungs-Terminals erspart hat“, betont Albrecht.

Die Tablets sind nicht nur in der Anschaffung, sondern auch bei den Betriebskosten wesentlich günstiger als die sonst üblichen Selbstbedienungs-Terminals. Hinzu kommt, dass die preiswerte Tablet-Lösung komplett durch Symotion und Star Trac gewartet werden kann. „Uns war wichtig, für die gesamte Lösung einen zentralen Ansprechpartner zu haben“, betont Bädje.

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Abgleich mit der Slotbuchung

Die per Tablet erfassten Daten werden durch Flow mit den Angaben der im Vorfeld getätigten Slotbuchung verglichen. Stimmen die Informationen überein, legt das Programm einen Fahrauftrag an und generiert automatisch den FDS. Wesentlich einfacher funktioniert der Vorgang für die rund 40 registrierten Stammfahrer. Diese verfügen über so genannte Flowcards. Dabei handelt es sich um Fahrerkarten mit RFID-Chip und Barcode, die vom Pförtner gescannt werden. Dadurch spart sich der Fahrer die Registrierung am Tablet, während Flow auch hier die vom Pförtner gescannten Daten mit der Slotbuchung vergleicht und den Fahrauftrag anlegt.

Flow stellt sicher, dass kein Schritt vergessen und die richtige Reihenfolge eingehalten wird. Das gilt zum Beispiel auch für die je nach Systemvorgabe notwendige Gefahrgutprüfung. Jeder LKW, der Gefahrgut geladen hat oder laden soll, wird vom Wiegemeister beziehungsweise Pförtner besonders genau auf Verkehrssicherheit geprüft. Um diese Prüfungen schnell und effektiv zu erledigen, werden bei Symotion Smartphones eingesetzt.

Mithilfe elektronischer Checklisten in der Flow-App dokumentiert der Wiegemeister die Prüfung direkt vor Ort und erstellt bei Bedarf mit dem Smartphone Fotos vom Fahrzeug und den Ausstattungsdetails – wie zum Beispiel Feuerlöscher oder Gefahrguttafeln. Jedes Bild wird automatisch mit der jeweiligen Fahrt verknüpft und archiviert. Je nach Art und Umfang des Auftrags schreibt der in Flow vom Kunden definierte Prozess für die jeweilige Fahrt bis zu drei weitere Fahrzeug-Checks vor.

Wiegen am Touchpoint

Nach dem ersten Fahrzeug-Check wird der LKW auf der Fahrzeug-Waage abgestellt. Auch hier haben Stammfahrer einen klaren Zeitvorteil, denn mit Hilfe der Flowcard geschieht die Verwiegung schnell und autonom. Dahinter steckt die in Holzminden erstmals realisierte Funktion „Flow Touchpoint“, die ohne aufwändige Hardware auskommt und lediglich einen NFC Touchpoint (Near Field Communication) für die Waage benötigt. Einzige Voraussetzung zur Nutzung ist ein Smartphone mit  der App und NFC-Funktion.

Nachdem sich der Fahrer via NFC mit seiner Flowcard am Smartphone registriert hat, muss er das Smartphone nur noch an den NFC-Touchpoint der Waage halten. Damit wird das zu verwiegende Objekt eindeutig identifiziert und Flow kommuniziert direkt mit der Waage. Der elektronische Wiegebeleg wird sofort im System geprüft, verarbeitet und zusätzlich auch zum Smartphone übertragen.

Nach der Be- beziehungsweise Entladung erfolgt ein weiterer Stopp an der Waage, um in Flow auch noch das Ausfahrt-Gewicht zu registrieren. Die Gewichtsdifferenz zum ermittelten Einfahrtgewicht wird in Flow mit dem Auftrag abgeglichen. „Auf diese Weise sehen wir sofort, wenn versehentlich eine Palette zu viel oder zu wenig aufgeladen wurde“, erklärt Albrecht.

Viele neue Flowcards imYard-Management

In Zukunft möchte Symotion noch weitere Vorteile von Flow nutzen. Angedacht ist eine standortübergreifende Vernetzung mehrerer Anwender. „Es gibt hier bereits eine Arbeitsgruppe innerhalb der Chemiebranche, die sich konkret mit diesem Thema beschäftigt“, bestätigt Bädje. Durch ein gegenseitiges Anerkennen der ausgestellten Flowcards könnte sich die Zahl vertrauenswürdiger Stammfahrer deutlich steigern lassen.

Unabhängig davon wird Symotion spätestens im Herbst viele neue Flowcards in Umlauf bringen, denn dann beginnt die Zwiebelernte und Symrise wird etwa 10.000 t der Lauchgewächse aus der Region aufkaufen – als Basisgeschmack für viele kulinarische Anwendungen. Angeliefert wird die Ernte direkt von den Bauern der Region, die dann mithilfe der Flowcard besonders schnell zurück auf ihr Feld fahren können. (rok)

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