Tender: DB Schenker arbeitet an Simulationstool

Roboter Kollege Shuttlesystem Lagerroboter Logistik
Logistikzentrum Weltbild für TGW Logistics Group GmbH am 15.04.2013 in Augsburg, Bayern, Deutschland, Europa. Foto: CC: Wikimedia/TGWmechanics

Das Fachgebiet Unternehmensführung und Logistik der TU Darmstadt entwickelt derzeit gemeinsam mit DB Schenker ein Simulationswerkzeug für die Angebotserstellung im Bereich Kommissionierung. Bereits im vergangenen Jahr starteten die Wissenschaftler mit einem Projekt in das Forschungsthema „Standardisierung in der Kontraktlogistik“. Ziel war es, Möglichkeiten einer Entscheidungsunterstützung mittels Simulation aufzuzeigen. Dies war der Grundstein für das kürzlich gestartete Folgeprojekt mit DB Schenker.

Im Tenderprozess spielen Kommissionierdienstleistungen aufgrund ihrer Komplexität eine besondere Rolle. Die Herausforderung liegt darin, dass oft die zumeist relativ kurzen Fristen zur Abgabe des Angebots mit dem Zeitbedarf für die umfassende Berücksichtigung der zahlreichen Ausgestaltungsmöglichkeiten für die Kommissionierung kollidieren. Eine modulare Systematik oder strukturierte Entscheidungsunterstützung für die Angebotserstellung gibt es für Logistiker derzeit nicht.

Anzeige

Kaum einheitliche Strukturen in Angeboten

Die Angebote sind daher stark von einzelnen Mitarbeitern geprägt und kaum vergleichbar. Damit wird eventuell nicht die bestmögliche Lösung gewählt. Zudem gibt es häufig Abweichungen zwischen den vom Kunden bereitgestellten und den benötigten Informationen. Gründe für diese Diskrepanz liegen unter anderem in dem hohen Anteil kundenspezifischer Logistikleistungen. Durch diese individuelle Anpassung variieren die Angebote je nach Kunde oder Markt stark.

Als Resultat finden sich kaum einheitliche Strukturen in den Angeboten, da die ausschlaggebenden Einflussfaktoren jeweils andere sein können. So kann die Nachfrage in einem Fall konstant angenommenen werden und somit unkritisch sein, während in einem anderen Fall hohe Schwankungen abzusehen sind und entsprechend berücksichtigt werden müssen.

Anzeige

Problem von Informationslücken

Eine weitere Herausforderung sind inkonsistente Datensätze der Kunden. Beispielsweise stimmen in der Ausschreibung angegebene Ein- und Auslagermengen nicht überein. Weiterhin ist es möglich, dass nicht alle für eine belastbare Angebotserstellung benötigten Informationen in der Ausschreibung enthalten sind und auch auf Nachfrage hin nicht bereitgestellt werden können.

Die enorme Vielzahl der möglichen Ausgestaltungen einer Dienstleistung im Lagerbereich in Verbindung mit zeitlichen Einschränkungen verhindert derzeit den Einsatz klassischer Simulationswerkzeuge. Zwar werden Simulationen für das Optimieren von Kommissionierprozessen bereits vielfältig verwendet, jedoch nur in Bezug auf einzelne Aspekte und nicht im Sinne einer ganzheitlichen, systematischen Konzeptionierung von Dienstleistungen. Außerdem sind gerade zu Beginn des Ausschreibungsprozesses viele für eine korrekte Planung und Simulation notwendigen Informationen nicht oder nur näherungsweise verfügbar. Dies wiederum schmälert die Aussagekraft einer Simulation und lässt deren Einsatz fragwürdig erscheinen.

Anzeige

Belastbarere Angebote

Im Pilotprojekt hat sich aber gezeigt, dass eine Simulation einen Vergleich alternativer Lösungen ermöglichen kann. Zudem können Faktoren, die maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl einer Lösung haben, identifiziert und unsichere Rahmenbedingungen systematisch berücksichtigt werden. Die zugleich höhere Transparenz bietet vor allem in Gesprächen mit dem Kunden sowie bei eventuellen Nachverhandlungen Vorteile. Insgesamt wird so die Belastbarkeit des resultierenden Angebots erhöht.

Das Folgeprojekt beschäftigt sich nun mit der Umsetzung der Simulation. Neben einem Vergleich der vielfältigen Möglichkeiten soll auch den Herausforderungen hinsichtlich der Informationsbereitstellung begegnet werden. Dafür ist das Simulationsmodell modular aufzubauen, womit die Flexibilität über eine Vorauswahl der Bausteine gegeben wäre. Zudem übernimmt die Simulation eine moderierende Funktion, so dass der Mitarbeiter durch den Prozess der Angebotserstellung geführt wird.

Die Autoren: Prof. Ralf Elbert leitet das Fachgebiet Unternehmensführung und Logistik und ist wissenschaftlicher Leiter des DB Schenker Laboratory an der TU Darmstadt. Tessa Sarnow ist wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Anzeige
Über die DVZ Redaktion 247 Artikel
Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*