Traxens arbeitet an flächendeckender Containerüberwachung

Nur 4 Prozent der weltweit 20 Mio. Container sind mit Tracking-Einrichtungen ausgestattet, aber Michel Fallah arbeitet bereits an einer flächendeckenden Lösung. Der Elektroingenieur, der aus dem Libanon stammt und vor Jahren die RFID-Technik mit entwickelte, gründete 2012 in Marseille das Start-up Traxens. Die Biene im Firmenlogo ist Programm – sie steht für Zusammenarbeit, worauf auch bei der neuen Technik alles beruht. Traxens hat das satellitenfunkfähige Überwachungsgerät Trax-Box entwickelt, mit dem sich der Aufenthaltsort eines Containers überall auf der Welt in Echtzeit verfolgen lässt.

Sonden liefern zusätzlich Informationen über die aktuellen Bedingungen im Innern des Containers wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Kohlendioxidgehalt. Außerdem ist so überprüfbar, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort die Türen des Containers wie lange geöffnet wurden, ebenso Stöße und ungewöhnlich starke Vibrationen. Bei Bedarf lassen sich auch Befehle übermitteln, etwa um bei Kühlcontainern die Temperatur zu verändern. All diese Informationen werden an die Reederei übermittelt, auf Wunsch auch an die Verlader oder andere interessierte Partner in der Supply Chain.

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Normale und dumme Container

„Michel Fallah ist überzeugt, dass der smarte Container in wenigen Jahren die Norm in der Branche sein wird und dass man dann nur noch zwischen ‚normalen‘ oder ‚dummen‘ Containern unterscheiden wird“, sagte Tim Baker, Marketing- und Kommunikationsdirektor bei Traxens im DVZ-Gespräch. Vor allem jedoch betone Fallah, dass es nicht sinnvoll sei, einzelne oder auch einige Tausend Container mit dem Überwachungsgerät auszustatten. Sinnvoll sei ein flächendeckender Einsatz in der Branche.

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Für das Start-up war es ein wichtiger Schritt, dass die französische Reedereigruppe CMA CGM Traxens von 2012 an unterstützend begleitet hat. Im Februar 2015 beteiligte sich das drittgrößte Schifffahrtsunternehmen der Welt mit 23 Prozent am Kapital von Traxens, im Juli 2016 stieß auch die Nummer zwei, MSC, dazu. Doch beide Reedereien zusammen halten weniger als die Hälfte des Firmenkapitals. „Wir wollen unabhängig bleiben und unsere Geräte und Leistungen an jede beliebige Reederei vermieten beziehungsweise verkaufen können“, erklärt Baker.

Die Trax-Boxen mit den Maßen 22 x 9 x 3 cm werden in einem Werk im südfranzösischen Valence gebaut. Das größte Problem war die Stromversorgung, denn herkömmliche Datenübertragungstechniken verbrauchen so viel Energie, dass die Batterien alle paar Wochen erneuert werden müssen.

Die Lösung ist eine Datenübertragungstechnik namens Trax-Net, bei der zwischen allen Containern an Bord eines Schiffes oder auf einem Terminal automatisch ein Netz geknüpft wird. Darüber werden alle Daten zur Trax-Box des Containers geleitet, der die günstigste Position zum Senden der Daten hat. Entsprechend wird nur dort Energie für den Funkverkehr per Satellit gebraucht, während alle anderen Boxen für den „Funkverkehr“ untereinander nur einen Bruchteil der Energie benötigen. So reichen die Batterien monate- oder sogar jahrelang.

Die Technik ist so ausgelegt, dass trotz der denkbar ungünstigen Umweltbedingungen an Bord – enorm viel Stahl und aggressive Seeluft – ein stabiles Datenübertragungsnetz gesichert ist. Es funktioniert bis tief ins Innere der Schiffe, denn die Daten „hüpfen“ von Container zu Container. Um noch weiter Strom zu sparen, kann auch an Bord der Schiffe oder auf den Terminals ein Sender fest installiert werden, an den das Netz der Container übermittelt und der dann die „Fernübertragung“ der Daten übernimmt. Das haben die Ingenieure schon erfolgreich unter Praxisbedingungen mit Sendern an Bord der Schiffe „CMA CGM Benjamin Franklin“ und „CMA CGM Bougainville“ getestet. Die Daten werden an die Traxens-Zentrale übermittelt, wo sie über die im eigenen Hause entwickelte Internetplattform „Trax-Hub“ verarbeitet, verwaltet und an die Kunden weitergeleitet werden.

Abo statt Kaufoption

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Innovativ ist auch das wirtschaftliche Modell. „Reedereien brauchen ständig einen Überblick über ihre Container an Bord der Schiffe, auf den Terminals oder zwischen diesen und den Verladern“, meint Baker. Somit hätten die Schifffahrtsunternehmen größtes Interesse an einer Übersicht in Echtzeit in ihrem IT-System – und das für all ihre Container. Das Start-up wird die Boxen nicht verkaufen, sondern im Abonnement, das auch die Datenlieferung umfasst, vermieten. Auch die Sender auf den Schiffen oder Terminals bleiben Eigentum von Traxens.

Zwar werden die Abogebühren der Reedereien nicht alle anfallenden Kosten decken. Traxens will die Kostenlücke aber schließen und Gewinn erwirtschaften, indem auch Containerdaten an Verlader und Spediteure verkauft werden.

Seit Anfang 2016 laufen nach Angaben von Baker Tests mit etwa 1000 Containern von CMA CGM, die mit dem Überwachungsgerät ausgestattet seien. „Für 2017 haben wir mit CMA CGM und MSC Verträge über 130.000 Boxen für ihre Container geschlossen“, erklärt Baker. Doch das sei erst der Anfang. In fünf Jahren will Traxens etwa 40 Prozent aller weltweit existierenden Container ausgerüstet und entsprechende Abos über die Datenlieferung abgeschlossen haben. (kk)

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