„War for Talents“ in der Logistik spitzt sich zu

Die Logistikbranche landet bei einer Umfrage unter jungen Menschen auf dem drittletzten Platz von 14 Branchen – unattraktiver sind nur die Medien- und Werbebranche sowie die Finanzbranche. (Foto: Istock) war of talents
Die Logistikbranche landet bei einer Umfrage unter jungen Menschen auf dem drittletzten Platz von 14 Branchen – unattraktiver sind nur die Medien- und Werbebranche sowie die Finanzbranche. (Foto: Istock)

Die Logistikbranche hat ein Führungsproblem. Das macht sie zu einer der Branchen mit den unzufriedensten Mitarbeitern. Zu diesem Ergebnis kommt das Berliner Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Trendence Institut in seinem jüngsten „Young Professionals Barometer“.

Trendence hat in diesem Jahr mehr als 18.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit akademischem Abschluss und bis zu zehn Jahren Berufserfahrung online befragt. 551 davon arbeiten im Segment „Logistik und Tourismus“.

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Automobilbranche hat gute Aussichten beim „War for talents“

Die attraktivste Branche der Young Professionals bei der Jobwahl bleibt die Automobilbranche. Die Logistikbranche landet auf dem drittletzten Platz von 14 Branchen – unattraktiver sind nur die Medien- und Werbebranche sowie die Finanzbranche.

Beliebtester Arbeitgeber unter den Logistikunternehmen ist mit Abstand die Lufthansa Group. Fast die Hälfte aller Young Professionals (49,3 Prozent), die in Logistik und Tourismus arbeiten wollen, möchte das bei Lufthansa tun. Die Air-Berlin-Pleite führt zur Stärkung der Marke Lufthansa, das Unternehmen ist auf Wachstum eingestellt und mittlerweile hat auch der Vorstand das Arbeitgeber-Thema für sich entdeckt. Das treibt die Attraktivität als Arbeitgeber nach oben.

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Auf Rang 2 landete die Deutsche Bahn mit 34,4 Prozent der Stimmen. Es folgt die Deutsche Post DHL knapp vor Fraport – beide haben die Plätze getauscht. Einer der Gewinner in der Gunst der Young Professionals ist die Deutsche Flugsicherung. Zu den Verlierern gehören Schenker (minus 4,1 Prozentpunkte, fällt von Rang 6 auf 8), Fraport (minus 2,9) und Rhenus (minus 2,0).

Junge Menschen sind relativ unzufrieden in der Logistik

Dass knapp 80 Prozent der Young Professionals in Logistik und Tourismus zufrieden sind mit ihrem Job, wertet Trendence negativ – schließlich seien es über alle Branchen hinweg 83,1 Prozent. Schlechter als die Fachbranche habe nur „Medien und Werbung“ abgeschnitten.

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Sehr auffällig ist, wie viele der unzufriedenen Umfrageteilnehmer aus Logistik und Tourismus mit dem Führungsstil in ihrer Branche hadern. Fast 60 Prozent sind es laut Trendence, während der gesamte Branchenschnitt bei rund einem Drittel liegt. Allerdings ist auch dort der Führungsstil Grund Nr. 1 für Unzufriedenheit im Job. Und er ist einer der zentralen Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber. Trendence: „94,9 Prozent der Young Professionals in der Logistik ist gute Führung wichtig bei der Wahl ihres Arbeitgebers. Sie liegt damit auf Rang 5 der wichtigsten Faktoren der Arbeitgeberwahl.“

Motivationsfähigkeit ist die mit Abstand wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft aus Sicht der Young Professionals. Expertise hingegen folgt abgeschlagen auf Rang 7.

Gehalt leicht unterdurchschnittlich

Auch das Gehalt in Logistik und Tourismus überzeugt die jungen Akademiker nicht. Es liege mit durchschnittlich 57.000 EUR im Vergleich zu allen Branchen unter dem Durchschnitt von gut 60.000 EUR.

Das ist für Arbeitgeber ein gefährliches Terrain. Immerhin sind rund 80 Prozent der Young Professionals der Branche bereit zu wechseln – und 76,1 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Jobangebot erhalten. Über alle Branchen betrachtet liegt der Durchschnitt bei 71,2 Prozent. Besonders häufig kommen die Jobangebote von Headhuntern. Trendence: „Der War for Talents intensiviert sich.“

Wer sich da durchsetzen will, sollte auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit im Auge behalten. Sie spielt eine große Rolle bei der Arbeitsumgebung der Young Professionals der Logistik: 50,7 Prozent wünschen sich flexible Arbeitszeiten, 41,2 Prozent einen Überstundenausgleich. Vom Homeoffice träumt fast ein Drittel. Freizeitangebote spielen hingegen kaum eine Rolle. (kl)

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