Was Blockchain für die Luftfracht bedeutet

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Foto: CC-BY Wikimedia / Superbass

Luftfracht und Digitalisierung sind zwei Themen, die noch nicht automatisch zusammenfinden. Erst kürzlich verkündete der Airline-Dachverband Iata eine EAWB-Quote von über 50 Prozent. Der Trend der Entwicklung zeigt also in die richtige Richtung, doch die Durchsetzungsgeschwindigkeit könnte deutlich höher sein. Die angestrebte Quote von 62 Prozent zum Jahresende ist nur noch durch ein Wunder zu erreichen.

Während die Luftfracht also noch mit der Vernetzung und dem digitalen Datenaustausch kämpft, geht die Digitalisierung bereits in die nächste Runde: Die Blockchain-Technologie ist in vielen Branchen, allen voran der Finanzindustrie, das Thema der Stunde. Die Protagonisten der neuen Technologie erwarten eine Revolution im Geschäftsleben und der Geschäftsmodelle, während die Skeptiker darauf warten, dass der Hype vorüberzieht.

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Bitcoin macht es vor

Wenn man sich den Erfolg von Bitcoin betrachtet, der wohl bekanntesten Blockchain-Anwendung und der erfolgreichsten digitalen Währung mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 77 Mrd. USD, wird es schwer, dies nur als temporäres Phänomen abzutun. Auch in vielen anderen Industrien werden Blockchain-basierte Anwendungen konzipiert und mit diesen experimentiert.

Was macht die Blockchain so interessant und revolutionär? Der Ansatz beruht auf fünf Grundprinzipien:

  • Die Daten liegen in einer verteilten Datenbank, die – je nach Architektur – nicht von einzelnen Personen und Institutionen kontrolliert werden. Jeder Teilnehmer hat Zugriff auf die Daten.
  • Transaktionen zwischen zwei Beteiligten können direkt und ohne Intermediär (wie eine Bank oder eine Börse) erfolgen.
  • Die Transaktionen sind zwar transparent, die Beteiligten können aber anonym bleiben.
  • Die Daten sind unveränderlich; eine nachträgliche Änderung ist, ohne dass es andere Teilnehmer erkennen, nicht möglich.
  • Smart Contracts bieten die Möglichkeit, Transaktionen automatisiert und regelbasiert durchzuführen. Damit können Geschäftsprozesse umgesetzt werden.

Digitale Währungen wie Bitcoin oder Ethereum befinden sich noch in einer Entwicklungsphase und stehen vor großen Herausforderungen. Auch in der Logistik ist die Blockchain schon angekommen, wie die Zusammenarbeit von IBM und Maersk im Seecontainerverkehr oder das Start-up Modum.io zeigen.

Transparenz und Sicherheit – ein unschlagbares Team

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Die Blockchain ist aus mehreren Gründen interessant für Anwendungen in der Logistik: Materialflüsse und Finanzströme bleiben auch in volatilen Netzwerken transparent. Außerdem kann über Smart Contracts die Abrechnung und Begleichung einer Dienstleistung direkt an deren Erfüllung gekoppelt werden.

Und die Unveränderlichkeit der Daten bietet einen zusätzlichen Schutz im Hinblick auf die Gefahrenabwehr und den Diebstahlschutz und stellt eine zusätzliche, direkt verfügbare Instanz der Qualitätssicherung dar.

Welche Anwendungen sind also für die Luftfracht denkbar, und wie sehen diese aus?

Blockchain für die sichere Lieferkette: Die sichere Lieferkette basiert heute auf der Einhaltung der auditierten Sicherheitsregeln durch alle Partner. Dies führt dazu, dass an jeder Schnittstelle der Status des Partners geprüft wird. Ferner müssen vertrauliche beziehungsweise schützenswerte Informationen (wie etwa die Identität des anliefernden Fahrers) zumindest temporär aufbewahrt werden, um die Transparenz und Einhaltung der sicheren Lieferkette im Bedarfsfall nachweisen zu können.

Ein Blockchain-Ansatz, in dem der Verlauf der Sendungen in der sicheren Lieferkette dokumentiert wird, böte Real-Time-Transparenz (ohne aufwendiges Durchsuchen oftmals papiergestützter Dokumentation) und könnte über Smart Contracts die Einhaltung des Datenschutzes sicherstellen (zum Beispiel Löschen sensibler Informationen nach Ankunft der Sendung am Zielort). Zugang zu dieser Blockchain erhielten erfolgreich auditierte Unternehmen. Dieser Status könnte dem Unternehmen im Falle eines Verstoßes temporär oder dauerhaft entzogen werden, so dass es nicht mehr in der Lage wäre, eine sichere Sendung auf den Weg zu bringen oder weiterzugeben. Anstelle unendlicher Abfragen zu der zentralen EU-Datenbank würde der Entzug beziehungsweise die Sperrung des Zugangs sofort seine volle Wirkung entfalten.

Darüber hinaus macht es die Transparenz unmöglich, eine Sendung in die sichere Lieferkette einzuschleusen. Eine sichere Sendung müsste in jedem Fall einen bekannten Versender als Quellpunkt haben und könnte nicht entlang der Kette aus dem Nichts auftauchen.

Smart Contracts durch Blockchain

Blockchain für Special und General Cargo: Ein Mehrwert der Blockchain-Technologie für alle Luftfrachtsendungen ist sicherlich durch die Anwendung der Smart Contracts gegeben. Jeder Partner in der Transportkette würde direkt für die Leistungen bezahlt, die auch nachweislich (da in Blockchain-Transaktionen dokumentiert) erbracht wurden. Die heutigen aufwendigen Prozesse der Rechnungsstellungen und -prüfung, die oftmals viele Diskussionen nach sich ziehen, würden entfallen. Dies gilt nicht nur für die vielen Beteiligten am Boden, sondern auch für die Abrechnung zwischen Fluggesellschaften oder zwischen Airlines und Spediteuren. Ein zentraler Intermediär wird nicht mehr benötigt.

Für Special Cargo können Zeitstempel sowie weitere relevante Parameter (wie die Temperatur bei Pharmaprodukten) in der Blockchain dokumentiert werden. Dies würde das Qualitätsmanagement stärken und die Claim-Bearbeitung vereinfachen. Da hier das Risiko und die monetären Konsequenzen groß sind, setzen die ersten Lösungen genau bei diesen Spezialprodukten an.

Die dargestellten Anwendungen sind nur zwei der vielen Möglichkeiten, die eine Blockchain bietet. Für eine Anwendung im Realbetrieb sind noch einige Herausforderungen zu Detailfragen zu klären. Der Mehrwert der Blockchain – auch für die Luftfracht – ist offensichtlich. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Unternehmen in der Luftfrachtbranche Pilotprojekte initiieren, um sich den Mehrwert zunutze zu machen. (ma)

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