Was der Logistiknachwuchs vom Berufsleben erwartet

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Foto: IStock

Für die Generation Z ist die Unternehmenswebseite und das Internet die erste Quelle, wenn es um die Arbeitgeberwahl oder die Suche nach einer Ausbildungsstelle geht. Sichere Jobperspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten machen für die Vertreter der ungefähr ab 1995 Geborenen Arbeitgeberattraktivität aus. Und entgegen der allgemeinen Wahrnehmung interessiert sich die Generation Z sehr wohl für Karrierechancen. Das gilt auch für den Logistiknachwuchs, wie aus einer aktuellen Studie der Kölner Unternehmensberatung Managerberater hervorgeht, die der DVZ exklusiv vorliegt.

Facebook spielt im Bewerbungsprozess der ersten Digital Natives demnach keine Rolle. „Es wird als Medium nahezu überhaupt nicht in Betracht gezogen“, sagt Felix Breickmann, Leiter der sogenannten Gen-Z-Studie. Auch die Verdienstmöglichkeiten spielen bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers eine eher nachgelagerte Rolle, lautet ein weiteres Ergebnis.

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Insgesamt haben die Berater 470 Vertreter der Generation Z im Alter von 17 bis 26 Jahren. Darunter 55,5 Prozent männliche sowie 44,5 Prozent weibliche Teilnehmer. Alle Beteiligten wiesen dabei mindestens einen Abschluss der Fachhochschulreife auf. Alle Befragten waren Bewerber um einen Studienplatz an einer dualen Hochschule in Verbindung mit einem Unternehmen der Logistikbranche. Befragt wurden diese am Ende eines aufwändigen, mehrstufigen Bewerbungsprozesses, nachdem sie zuvor schon vorselektierende Auswahlstufen durchlaufen hatten, beispielsweise ein Online-Testverfahren. „Es handelt sich somit um die guten Bewerber, auf die jedes Unternehmen der Branche mit Priorität einen Blick hat“, sagt Breickmann.

Sicherer Arbeitsplatz ist wichtig

Die Generation Z wird ab einem Geburtsjahr von 1995 eingeordnet. Während Personalverantwortliche gerade beginnen, sich mit den Anforderungen der Generation Y auseinanderzusetzen, also diejenigen, die die Einführung des flächendecken Internets miterlebt haben, steigen schon die ersten Vertreter der Generation Z in die Berufswelt ein. Derzeit befinden sich etwa 3 Mio. Gen-Z-Vertreter auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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„Sie wachsen in einer globalisierten Welt auf, deren Konflikte, Finanzkrisen, Umweltkatastrophen und Terrorismus die Nachrichten beherrschen“, sagt Breickmann. Deshalb legten sie Wert auf Sicherheit. „Konsequenterweise ist die Aussicht auf eine Übernahme für den Großteil der Befragten der wichtigste Faktor bei der Arbeitgeberwahl“, fügt Michael Basmann hinzu, Managing Partner bei der Beratungsfirma. Auch Nachhaltigkeitsthemen, Engagement des Unternehmens für erneuerbare Energien, niedrige Emissionen und Ökonomie sind für die Generation Z Themen, „zu denen sie sich ausführlich informieren“, sagt Breickmann.

Wenig überraschend wollen die ersten Digital Natives vorwiegend online angesprochen werden. Ebenso wichtig ist, dass Inhalte mobil abrufbar sind und „nebenbei“ konsumiert werden können. Mobiles Recruiting rückt der Studie zufolge immer mehr in den Vordergrund. Dazu gehörten Responsive Design von Webseiten ebenso wie unkomplizierte, unmittelbare, direkte Kommunikation. „Das können zum Beispiel Live-Chats oder Kurznachrichtendienste sein“, konkretisiert Basmann.

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Kein Marketing-Blabla

Das hat Konsequenzen: „Der eigene Webauftritt sowie die Präsenz auf den relevanten Jobbörsen sind für das Employer Branding und Recruiting der Generation Z wichtiger denn je“, sagt Breickmann. Zudem sind Bequemlichkeit, Einfachheit und Authentizität bei der Informationsgewinnung entscheidende Qualitätsmerkmale. „Vor allem braucht es die emotionale Ansprache ohne Marketing-Blabla“, betont Basmann. Ihren Arbeitsplatz wünscht sie sich genauso technologisch wie sie es aus ihrem Alltag gewohnt sind. „Vor allem große Unternehmen werden vor der Herausforderung stehen, ihren jungen Mitarbeitern dieses Downgrading zu vermitteln“, kommentiert Basmann.

Freizeit ab 17 Uhr

Die Generation Z wird ein starker Drang nach Feedback nachgesagt. „Das bestätigen auch unsere Ergebnisse“, sagt Breickmann. Sie wünscht sich den Ergebnissen zufolge eine intensive Betreuung und eine offene Kommunikation mit ihren Kollegen. Eine leistungsorientierte Bezahlung lehnt die Generation Z indes ab. „Sie empfindet eine konstante Messung von Leistung als hohen Stressfaktor“, sagt Breickmann.

Und von einer angemessenen Work-Life-Balance, wie sie noch die Generation Y angestrebt hat, wollen die Gen-Z-Vertreter auch nichts mehr hören. „Denn diese bisher gelebte Work-Life-Balance haben sie sich ganz genau angeschaut“, sagt der Studienleiter, „und festgestellt, dass das dann doch meist in Mehrarbeit endet“. Vielmehr möchten sie der Umfrage zufolge eine klare Abgrenzung zwischen Berufs- und Arbeitswelt, geregelte Arbeitszeiten – und Freizeit ab 17 Uhr. Und das ist für Basmann überraschend. „Gerade die Generation Z, die auf Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung Wert legt, sucht Ordnung, Sicherheit und Struktur im Job.“ (tof)

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Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

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