Was Logistik Start-ups auf den Main verschlägt

30 Prozent umsatz mit jungen Unternehmen

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Auf die etablierten Logistiker kämen bewegte Zeiten zu, mahnte Dirk Schusdziara, Bereichsleiter Fracht beim Veranstaltungssponsor Fraport. Er lobte die „unkonventionelle Herangehensweise“ und das hohe Tempo der Gründer. Ein Manager der Hotelbranche habe ihm jüngst anvertraut, er mache „30 Prozent des Umsatzes mit Unternehmen, die vor zehn Jahren nicht einmal existierten“. Kaum anders sei es in der Logistik. Über Kooperationen mit agilen Digitalisieren könne man sich nötige Schnelligkeit in den Konzern holen. Schusdziara spricht aus eigener Erfahrung.

Rachid Touzanis Unternehmen Cargosteps, 2016 gestartet, hat eine Track-&-Trace-Lösung zur Marktreife gebracht. Fraport will ein Modul daraus für mehr Sicherheit einsetzen. „Wir haben in zwei Monaten geschafft, was die seit drei Jahren auf dem Schirm haben“, sagte Touzani selbstbewusst. Eine Trucker ID-Card, die mit einer Datenbank kommuniziert, kann nun Auskunft geben, welcher Fahrer eine Sendung im sensiblen Luftfrachtbereich anliefert, und prüft, ob er alle nötigen Schulungen absolviert hat. „Die Zeichen stehen ja auf mehr Kontrolle und Sicherheit in der Lieferkette. Nun muss noch das Luftfahrtbundesamt genehmigen“, so Touzani.

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Generell will sein Unternehmen Cargosteps den „altbackenen Informationsfluss“ ohne viel Aufwand digitalisieren und per Smartphone des Fahrers beschleunigen. Anstatt Status-Updates telefonisch einzuholen und manuell einzugeben, wie heute noch in über 90 Prozent der Fälle üblich, könne man zeitsparend und lückenlos seine Echtzeitlösung einsetzen – und das kostenlos.

Touzani und seine drei Mitgründer kommen aus der Praxis, er selbst hat als Chef der Transportfirma TWS den Bedarf für das Trackingsystem erkannt. Weil er kein Angebot am Markt fand, schob er die Eigenentwicklung an. Auch der erste Geldgeber für Cargosteps ist ein Logistikunternehmer, der die Lösung aus der Praxis schätzt: Ulrich Dünnes, geschäftsführender Gesellschafter der Luftfahrtkontrollfirma STI, stieg mit 200.000 Euro aus der Privatschatulle ein. „Ich wollte dem Schub geben. Nun wollen wir gemeinsam wegkommen von der unglaublichen Zettelwirtschaft“, sagte Dünnes an Bord der „Backschaft“.

Zufall als Erfolgsrezept

Ein privater Geldgeber mit langem Atem, der obendrein das Logistikgeschäft versteht: Etwas Besseres könne einem nicht passieren – das war einhelliger Tenor. Dabei hatte keines der vier vertretenen Start-ups die Kapitalbeschaffung als Top-Priorität auf dem Zettel. Viel häufiger ging es um Allianzen, Türöffner und Referenzprojekte mit namhaften Marktteilnehmern, die für schnelle Bekanntheit und vor allem einen Vertrauensbonus sorgen sollen.

Das Frankfurter Unternehmen Bagshuttle etwa, das gerade den Kofferdienst der Neuzeit etabliert, möchte sich im großen Stil andocken, am liebsten weltweit. Firmengründer Dirk Busshart bemerkte eines Tages per Zufall, dass drei Stockwerke unter seinem Büro Cargosteps sitzt. Und noch besser: dass deren Trackingsystem auch bestens geeignet ist, um seine Geschäftsidee sinnvoll zu ergänzen. Glückliche Fügungen gehören einfach dazu.

Eine kaum kleinere Zielgruppe hat Tom Gawel mit seiner Kölner Firma Mycargorates im Visier, die in Kürze als Freightly firmieren wird. „Wir wollen das führende Buchungsportal in der Logistik werden“, sagte Gawel. Der gelernte Speditionskaufmann nennt Telefon, E-Mail und Faxgerät als seine größte Konkurrenz. Während er ein Dashboard anbietet, das alle Sendungen auf einen Blick parat hält – „buchen, verwalten, verfolgen, analysieren“ –, sei der Branchenstandard noch der zeitraubende Anruf beim LKW-Fahrer, in welchem Stau er gerade stecke. Mycargorates sucht aktuell nach Venture Capital, auch um mit seinem Frachtmanagementsystem ab Mai den Schritt in die USA zu unterstützen. Gawels Motto passte zum Tag: „Es ist genug für uns alle da.“ [Stefan Merx[Stefan Merx]ass="pagination clearfix"> 1 2

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