Wenig Luft für Digitalisierung

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Die Transportbranche ächzt derzeit unter vielen fast schon alltäglichen Problemen: Fahrermangel, Verspätungen durch In­fra­strukturmängel, Staus in Städten, überlastete Kapazitäten von Luft- und Seefrachtterminals, Annahmesperren von Terminals im Hinterland, massive Schwierigkeiten im grenzüberschreitenden Bahnverkehr oder die Warterei an den Rampen der Handelslager. So richtet sich die Nachfrage nach Transportkapazitäten längst nicht mehr nach Menge und Preis, sondern nach Verfügbarkeit und Machbarkeit. In Branchenkreisen ist von einem regelrechten „Kampf“ der Mitarbeiter in den Dispositionsabteilungen mit den am Transportprozess Beteiligten die Rede.

Wenig Zeit für Digitalisierung

Für die Digitalisierung scheint in den kleineren und mittelständischen Unternehmen derzeit kaum jemand den Kopf frei zu haben. Dazu passt ein aktuelles Zitat eines DVZ-Lesers aus der Speditionsbranche: „Für uns sind Digitalisierungsprozesse so weit entfernt wie das ins All geschossene Tesla-Auto“, schrieb er an die Redaktion. SpaceX, die Raumfahrtfirma von Elon Musk, hatte kürzlich eine Weltraumrakete getestet. An Bord war ein rotes E-Cabriolet mit einer Puppe im Raumanzug am Steuer.

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Während ständig über Digitalisierung geredet wird, dominiert in der Praxis offenbar das Thema Kapazitätsengpässe. Das wurde vorige Woche auch bei den Hamburger Logistiktagen deutlich. Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag von Julia Miosga vom Digitalverband Bitkom. Die Logistikbranche habe nur ein geringes Interesse an Anwendungen der Zukunft, nannte sie ein Ergebnis einer Bitkom-Umfrage aus dem Vorjahr. Demnach seien die Logistiker beim Einsatz von Softwaresystemen zwar weit vorn. Bei Themen wie moderner Kommissioniertechnik oder Big Data sehe das aber schon ganz anders aus, sagte sie.

Weniger Kapazität durch Staus

Direkt im Anschluss sprach Matthijs Zwart, Leiter der Geschäftsentwicklung bei der niederländischen Kühlspedition Koeltrans. Seine 30 Minuten nutzte er aber nicht etwa für die Digitalisierung, sondern für das Branchenthema Nummer eins: Kapazitätsengpässe. Ganz oben auf der Sorgenliste stehe der Fahrermangel. „Das Problem werden wir nicht lösen – weder dieses noch kommendes Jahr und auch nicht in den nächsten zehn Jahren“, ist Zwart überzeugt. Zweiter Punkt: Das Verkehrsaufkommen wachse viel schneller als das Autobahnnetz. „Im Durchschnitt verlieren wir jeden Tag 10 Prozent unserer Kapazität durch Staus und Verzögerungen.“ Die aktuell hohen Transportpreise seien zwar einerseits erfreulich, andererseits müssten sich viele Sorgen machen, überhaupt noch Kapazitäten am Markt zu erhalten. „In der Regel stehen in der ruhigen Zeit im Januar und Februar immer ein paar LKW auf den Höfen der Speditionsfirmen. Dieses Mal waren am Jahresanfang alle unterwegs; es gab keine zusätzliche Kapazität“, sagte Zwart mit Blick auf die kommende heiße Phase März bis Mai.

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Am Anfang ein weißes Blatt Papier

Kapazitäten für die Digitalisierung haben angesichts des Alltagsstresses nur wenige. Die stärkste und wohl wichtigste Botschaft symbolisierte bei den Hamburger Logistiktagen deshalb eine leere Vortragsfolie. Diese hatte Bitkom-Expertin Miosga­ absichtlich eingefügt. Denn wer zukunftsweisende Ideen entwickeln wolle, müsse tatsächlich am besten auf einem weißen Blatt Papier anfangen, sagte sie. Die leere Seite sei dabei auch ein Symbol für Stille. Denn Neues zu entwickeln erfordere Kreativität und diese wiederum Ruhe zum Nachdenken, also Momente, in denen man nicht so sehr mit Arbeit belastet ist. Miosga: „Sorgen Sie für sich und Ihre Mitarbeiter für genügend ruhige Stunden und Pausen.“ (cs)

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Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

1 Kommentar

  1. Da beisst sich manchmal aber auch die Katze in den Schwanz.
    Viele Alltagsprobleme in der Spediton und viel Arbeit und Stress, beruht aber auf fehlenden digitalen Lösungen.
    Viele Anbieter haben da auch den völlig falschen Fokus der zu lösenden Probleme und sind zu dem überteuert und
    entwickeln ständig die gleichen Produkte nur in anderer Optik, Version oder Funktion.

    Meiner Meinung nach hat da die Strato AG mit Ihrem Hi-Drive Produkt den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Es ist schnell, es ist günstig, es ist mit fast allem kompatibel, es ist einfach zu bedienen, selbst für Fahrer,
    es unterstützt die Prozesse in der Spediton und beim Kunden. Es ist leicht auf das schnell lebige Geschäft in der Logistikwelt anpassbar und es löst auf einfache Weise, gleich viele Probleme und es ist weltweit jederzeit verfügbar.

    Die Frachtpreiserhöhungen sind absolut notwendig, in einer aktuellen Studie, welche wir gerade in einem Feldversuch mit einem Kunden getestet haben, liegen wir alleine im innerdeutschen Fernverkehr, was die Subunternehmerkonditionen angeht immer noch ca. 15% unter dem nötigen Preislevel für die Finanzierung des jetzigen Mindestlohns, der Berufskraftfahrer. Dadurch wird es für kleine & mittelständische Unternehmen, fast unmöglich an Wachstum zu denken,
    sondern man ist ausschließlich im puren ständigem Überlebenskampfmodus.

    Und der Beruf wird zunehmenst für junge Menschen und Berufseinsteiger uninteressant. Man verdient nix, ist nie zu Hause
    muss ständig 10-15 Stunden pro Tag arbeiten, hat unter umständen täglich wechselnde Tag- und Nachtschichten und kriegt dann gerade mal so den Mindestlohn. Geregeltes Familienleben sogut, wie völlig unmöglich.

    Zum Wohl der Gesellschaft, weil ohne Kraftfahrer würden unsere Geschäfte und Gesellschaft gar nicht funktionieren und zwar solange nicht, bis das Beamen erfunden wurde.

    Der Einstieg in den Beruf ist auch schwierig, wenn nicht durch das Arbeitsamt finanziert, müssen erhebliche Mittel von den jungen Menschen aufgebracht werden um Führerscheine und Module machen zu können, die meisten müssen sich dafür Verschulden um die Kosten zu decken um dann unter oben genannten Bedingungen Mindestlohn zu erhalten und das bei ständig steigenden Lebenskosten in Deutschland und Europa.
    Man riskiert ständig sein Leben und seinen Führerschein. Meistens auch noch durch Fremdverschulden verursacht Standzeiten, Staus, etc.

    Meiner Meinung nach ein völlig unterbezahlter Beruf, den alle brauchen, aber keiner so wirklich gerne bezahlen möchte.

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