Wo ist ein Container und wie steht es um die Ladung? Visioboxx weiß es

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IT-Dienstleister wie Siemens nutzen sie bereits, große Pharmakonzerne und Lebensmittelhersteller ebenso: Die Rede ist von der Visioboxx, einer unscheinbaren kleinen Schachtel von der Größe eines Brillenetuis. Entwickelt hat sie die Bremer Firma OHB Logistic Solutions. Die Box soll für mehr Transparenz und Sicherheit im Containerverkehr sorgen.

Die Schachtel wird bei geöffneter Containertür eingehängt und zusätzlich mit drei Magneten angeheftet. Der stabile Sensordraht führt zur Ware in den Innenbereich des Containers. Bei verschlossener Containertür lässt sich ohne Gewaltanwendung nichts entfernen, versprechen die OHB-Entwickler rund um Geschäftsführer Jens Kuckertz.

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Diese kleine Box von der Größe eines Brillenetuis ist das Herzstück eines Systems zur Überwachung von Containern. Angebracht an der Tür des Behälters, ist sie auch per App von Mobilgeräten auslesbar.
Diese kleine Box von der Größe eines Brillenetuis ist das Herzstück eines Systems zur Überwachung von Containern. Angebracht an der Tür des Behälters, ist sie auch per App von Mobilgeräten auslesbar.

Die Daten der Visioboxx

Erfasst werden:

  • der metergenaue Standort der Ware
  • die Temperatur innerhalb des Containers zwischen minus 40 °C und plus 85 °C
  • die Luftfeuchtigkeit innerhalb des Containers zwischen 0 und 100 Prozent
  • die Überwachung der Containertür
  • Erschütterungen des Containers

Seit Januar ist das Produkt erhältlich. Inklusive der Kommunikationsgebühren kostet es maximal 189 EUR. Im Gegensatz zu einem früheren Produkt, das bei Stückkosten von 800 EUR gelegen habe, ist Kuckertz nun optimistisch, dass sich die Visioboxx im preissensiblen Containerverkehr durchsetzen wird. Beim weltweiten Warentransport in Containern geht es um die nahtlose Verfolgung und die Sicherheit der jeweiligen Waren. Eingeflossen in die Neuentwicklung ist das Know-how des OHB-Konzerns. So hat die Technologiegruppe OHB beispielsweise etwa 70.000 Bordcomputer für MAN entwickelt oder auch Navigationsgeräte für den Volvo-Konzern und dessen Truck-Abteilung. Auch in der Tankcontainerüberwachung für die Logistikgruppe Hoyer ist OHB aktiv.

Verlader sind Hauptnutzer

Hauptnutzer seien aktuell Verlader, aber auch die Industrie und Versicherer gehören zur Hauptkundschaft der Visioboxx. „Der Kunde hat die Möglichkeit, über einen geschützten Internetzugang den Status seiner Sendungen jederzeit und weltweit zu verfolgen – und seine Eingreifmöglichkeiten selbst zu definieren.“ Will ein Verlader nur bei Unregelmäßigkeiten benachrichtigt werden, bekommt er auch nur bei Über- oder Unterschreitung zuvor eingestellter Grenzwerte Alarm-E-Mails.

Feuchtigkeit, Erschütterungen und Temperatur werden nach Aussage Kuckertz’ alle 15 Minuten gemessen und können nach den Wünschen der Kunden übermittelt werden. Als Besonderheit nennt der Manager den 24-Stunden-Nonstop-Nachweis der Lieferdaten in Echtzeit – und zwar immer direkt online einsehbar. Dies geschieht entweder über das OHB-Online-Kundenportal oder direkt eingebunden in das Softwaresystem des Kunden.

Das sei besonders hilfreich in der temperatursensiblen Lebensmittelbranche, wo bei Unterbrechung von Kühlketten teure Ausfallkosten entstehen können, bei Pharmaprodukten oder in der IT-Branche, wo der Wert der Ware, beispielsweise Platinen für Computer, häufig in hohe Millionenbeträge gehen kann.

Er sei zurzeit mit mehreren Versicherern im Gespräch, die ebenfalls ein Interesse an der eindeutigen Kommunikation gerade bei auftretenden Komplikationen hätten, sagt Kuckertz. So lasse sich ziemlich genau, zu welchem Zeitpunkt welcher an welchem Standort des Containers aufgetreten ist. Für Transportdienstleister sieht Kuckertz den Datenservice als Unterscheidungsmerkmal und Instrument zur Kundenbindung.

Laufende Kosten durch Akkuwechsel

Zusätzliche Kosten bei der Datenübertragung per Satelliten entstünden nicht. Lediglich alle paar Monate müssten die Batterien für eine Servicepauschale von etwa 30 EUR getauscht werden. Die Haltbarkeit der Box, die Wind und Wetter standhalten muss, wird mit etwa zwei Jahren angegeben.

Überlegungen zur Weiterentwicklung der Statusverfolgung von Frachtgütern auf Schiff, Bahn und LKW liegen laut Kuckertz bereits in der Schublade. So sollen bald statt nur eines Sensors mehrere Sensoren, im Container zum Beispiel auf verschiedenen Paletten platziert, von der Visioboxx von außen problemlos erkennbar und auslesbar sein. „Das sorgt dann für eine noch differenziertere Datenqualität“, freut sich Kuckertz. (Hans-Jörg Werth)

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