Zweifel an der Dieselprämie

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Die angebotenen Umwelt- oder Umtauschprämien der Automobilhersteller für alte Dieselfahrzeuge betrachten viele Beobachter als einen Marketinggag. Zwar beläuft sie sich bei Volkswagen je nach Fahrzeug auf bis zu 10.000 EUR. Die Hersteller hatten aber ausdrücklich betont, dass sie nur für Fahrzeuge mit der Zulassung M1 gelte. Damit kommen nur PKW-Halter in den Genuss der Prämie. Die Halter von Nutzfahrzeugen betrifft dieses Angebot nicht. Lediglich Daimler arbeitet an einer konkreten, Van-spezifischen Ausgestaltung und Abwicklung einer Umtauschprämie, teilte die Pressestelle auf Anfrage mit.

Möglicherweise ist es aber auch nicht attraktiv genug. Denn häufig gibt es für einen Altwagen noch so viel Geld, das dies durch die angebotene Umweltprämie nicht aufgewogen werden kann. Hinzu kommt: Listenpreise für Neuwagen sind verhandelbar. Für Mitglieder des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste (Bdkep) ist das Angebot daher längst nicht attraktiv. Der Verband bietet schon seit zwei Jahren Einkaufsvorteile für seine Mitglieder an. Ein Opel Movano Kasten ist somit schon für knapp 18.000 EUR zu haben statt der gut 30.000 EUR, die als Listenpreis angegeben sind. Das entspricht einer Ersparnis von rund 40 Prozent. Bei Lieferfahrzeugen gibt es Rabatt bis zu 47 Prozent.

Politiker fordern Elektroförderung

„Begriffe wie Umweltprämie oder Umweltbonus sind irreführend“, beklagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes. Umweltprämien müssten sich an Kriterien wie geringem Schadstoffausstoß, niedrigem Verbrauch und zukunftsweisendem Antrieb orientieren. Falsch sei dagegen, damit vor allem den Verkauf von Euro-6-Dieselautos zu fördern, die nicht dem neuesten Stand der Abgasreinigung entsprächen.

Kanzlerkandidat Martin Schulz und die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) forderten indes eine Quote für Elektroautos und hoffen auf eine Initiative der EU-Kommission. Schulz machte sich zudem stark für verschärfte gesetzliche Regeln für die Autoindustrie sowie konsequente Kontrollen der Emissionsgrenzwerte.

Was jedoch fehlt, ist ein Konzept, wie Fahrzeuge in Deutschland und der EU künftig sauberer und auch kostengünstiger fahren könnten, beklagen einige. Die Politik halte vielfach ihre schützende Hand über die Hersteller. Das zeige das Beispiel Verbrennungsmotoren, aber auch die Entwicklung der Elektromobilität, Ladesäuleninfrastruktur oder Telematik.

Herstellerkommunikation nötig

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Neofitos Arathymos, Geschäftsführer Technik, Sicherheit und Umwelt beim Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe, ist der Auffassung, dass sich die geeigneten Fachleute zusammensetzen müssen, um gemeinsam Standards für die künftige Mobilität abzustimmen. Es gäbe heute keine einheitlichen Schrauben, wenn sich nicht vor einigen Jahren Techniker zusammengesetzt hätten, um sie zu normieren. In der Autoindustrie gelte dasselbe für viele technische Systeme, beispielsweise für Gurte oder das Reifendruckkontrollsystem. Doch bei den E-Fahrzeugen habe offenbar bisher niemand die relevanten Punkte regeln können. Im Ergebnis gebe es bei der Ladeinfrastruktur viele verschiedene Stecker und unterschiedliche Bezahlsysteme. Das sei nicht attraktiv für den Kunden.

„Das größte Problem der Hersteller ist, dass jeder nach einem Alleinstellungsmerkmal sucht“, sagt Arathymos. Bei der Telematik beispielsweise würden die Automobilbauer wieder geschlossene Systeme schaffen. Das sei jedoch falsch. Die Wagen der unterschiedlichen Hersteller und Marken müssten stattdessen miteinander kommunizieren: ein Skoda mit einem BMW oder ein Ford mit einem Mercedes. Der Treibstoffverbrauch könne damit um bis zu 20 Prozent sinken.

Mit der Car-to-Car-Kommunikation könnte Arathymos zufolge auch sehr viel Geld beim Straßenbau gespart werden. Platooning ließe sich mit intelligenten Telematiksystemen mit LKW und auch mit PKW machen, die Autos könnten dichter aufeinander und dann schneller fahren. Der Ausbau der teuren Infrastruktur würde sich damit teilweise erübrigen. Die Technik gebe es schon, doch dann müssten die Hersteller eben besser kooperieren. (sl)

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