BMVI startet Innovationsprogramm Logistik 2030

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVI, stellt das Innovationsprogramm 2030 auf der Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik in Frankfurt vor.
Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVI, stellt das Innovationsprogramm 2030 auf der Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik in Frankfurt vor.

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) wird in Kürze ein Innovationsprogramm Logistik 2030 starten. Eine gleichnamige Kommission, in der das Ministerium Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer und Verbandsvertreter an einen Tisch bringen will, soll über die wichtigsten Themen der Logistik beraten. Das sagte Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im BMVI während der Nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik in Frankfurt. Die Kommission werde insgesamt elf Themenfelder behandeln, darunter die Digitale Infrastruktur, das verkehrsträgerübergreifende digitale Transportmanagement, die Berufswelt in der Logistik, alternative Antriebe, die schlaue Schiene, darunter die Digitalisierung und Ausrüstung mit dem Europäischen Zugleitsystem ETCS, der Masterplan Binnenschifffahrt, Innovationen in der Luftfracht, sowie die letzte Meile.

Start-ups in der Logistik, Logistik im Wandel und Innovative Logistik waren auch Thema der drei anschließenden Foren. Im ersten diskutierten Unternehmer darüber, ob und wie Start-ups die Logistik revolutionieren können. Das Ob bejahten die vier Diskutanten, allerdings ginge es nur, wenn sich etablierte Unternehmen und Newcomer gegenseitig befruchteten.

Christoph Homeier, Leiter Innovations- und Digitalisierungsprojekte der BLG Logistics Group sagte, dass sein Unternehmen sehr pragmatisch und vor allem schnell an neue Projekte herangehe. „Wir arbeiten sehr stark nutzer- und problemorientiert“, so Homeier. Seine Abteilung probiere Themen innerhalb von 100 Tagen aus – nach dem Motto „fail fast“. Dann falle die Entscheidung, ob man weitermache oder es eben lasse. Eine Innovation ist beispielsweise Logbird. Gemeinsam mit Daimler Trucks hat BLG Logistics eine cloudbasierte Plattform entwickelt, die in Echtzeit sämtliche Daten eines Auftrags abbildet.

Mit einem anderen Ansatz bringt die Saloodo, eine Neugründung der DHL, Transportangebote und -nachfrage mithilfe einer Plattform zusammen. Die digitale Frachtbörse vermittelt zwischen Verladern und Transportunternehmen. Ein anderes Beispiel ist Loadfox. Das Startup hat vor zwei Jahren ein Partnernetzwerk für Teilladungen entwickelt. „Das hilft Disponenten, schneller, effizienter und zuletzt kostengünstiger zu arbeiten“, sagte Sebastian Sorger, CEO von Loadfox. Zuletzt stellte sich die DB Mindbox der Deutschen Bahn vor. Hier fördert die DB in ihrem Coworking Space DB mindbox in Berlin Start-ups für jeweils drei Monate. Sie werden mit Mentoring und Coaching, Zugang zu Kunden, Daten, Märkten und dem Netzwerk der DB sowie 25.000 EUR Startkapital unterstützt. „Anfangs waren wir auf der Suche nach Startups, aber die wollten gar nicht“, sagte Onno Szillis, Leiter der DB Mindbox. Jetzt laufe es aber.

„Der Logistiker muss wieder stärker wertgeschätzt werden und seine Leistung muss auch entsprechend vergütet werden“, das wünscht sich die Unternehmerin Kerstin Wendt-Heinrich von Top Mehrwert-Logistik mit Blick auf das Jahr 2030, dem Zieldatum beim Innovationsprogramm. Im dritten Forum ging es folglich auch um die „Logistik der Zukunft“. Wendt-Heinrich unterstrich, dass die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen künftig wichtiger sein werde, zugleich beim Konsumenten aber auch die Erwartung herrsche, alle Waren stets und sofort zu erhalten. Die Mengen gerade auf der letzten Meile würden damit weiter wachsen. Die Lieferung müsse aber auch entsprechend bepreist werden. So wie in Dänemark, wo schon heute die Lieferung bis zu Haustür des Käufers deutlich teuer sei als die Lieferung an eine Paketstation, unterstrich Wendt-Heinrich.

Für Frauke Heistermann, Vorsitzende des Rates für Technologie in Rheinland-Pfalz, sind Plattformen „die Antwort schlecht hin“ für eine effizientere Logistik und eine Verbindung der verschiedenen Logistikbereiche. Zugleich müsse die Logistik gegenüber der Öffentlichkeit sichtbarer werden. „Wir müssen Geschichten erzählen“, betonte sie. In die gleiche Kerbe schlug auch Prof. Thomas Strothotte von der Kühne Logistics University. Die Vorteile neuer Technologien müssten der Bevölkerung erklärt werden, fordert er. Sonst würden sie nicht akzeptiert. Als Negativ-Beispiel nannte er den gescheiterten Einsatz von Lieferrobotern in Städten wie San Francisco.

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