Das lange Warten auf das 5G-Netz

Foto: GettyImages

Noch steckt der neue Mobilfunkstandard 5G in den Kinderschuhen. Doch schon bald soll er nicht mehr nur auf Testebene laufen. Nach der Versteigerung neuer Frequenzen durch die Bundesnetzagentur könnten Telekommunikationskonzerne durchstarten und die notwendigen Voraussetzungen für den neuen Standard schaffen.

Bisher laufen aber dennoch nur Projekte, mit denen die fünfte Mobilfunkgeneration ausführlich auf ihre Tauglichkeit hin geprüft wird. An einem ist zum Beispiel der Hamburger Hafen maßgeblich beteiligt. Zusammen mit der deutschen Telekom und Nokia wird hier die Technik im Rahmen des EU-Projektes Monarch getestet. Zwei Sendeantennen sorgen auf dem 8.000 ha großen Testfeld im Frequenzbereich von 700 MHz für einen stabilen Empfang. Hierüber lassen die Teilnehmer drei ganz unterschiedliche Anwendungen laufen wie zum Beispiel eine Ampelschaltung. Darüber hinaus sammeln die Beteiligten Bewegungs- und Umweltdaten von Sensoren, die auf den Schiffen der Hamburg Port Authority installiert sind.

Standard mit großen Möglichkeiten

Die dritte Anwendung stellt 3-D-Informationen zu Gebäuden für ein Augmented-Reality-Projekt für Ingenieure zur Verfügung. Diese Ansätze zeigen, dass es mit 5G möglich ist, verschiedene Anforderungen wie hohe Datenmengen mit schnellen Übertragungsraten in einem Netz zu verbinden. Das gelingt über das sogenannte „Network Slicing“, mit dem spezielle virtuelle Netze für jede Anforderung geschaffen werden. „Für mich ist der neue Standard Grundlage, um anspruchsvolle Aufgaben aus der Industrie zu lösen und der Digitalisierung hier endgültig zum Durchbruch zu verhelfen“, sagte zum Beispiel Jens Meier, Geschäftsführer der HPA, bei der Präsentation des Zwischenfazits.

Viel Potenzial für 5G im Bereich industrieller Anwendungen sieht auch Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur: „Wir wollen Frequenzen zur Verfügung stellen, mit denen lokale Netze genau nach dem Bedarf der Unternehmen aufgebaut werden können.“ Daher stellt die Bundesnetzagentur neben den Frequenzbereichen 2 GHz und 3,4 bis 3,7 GHz auch einen Bereich von 3,7 bis 3,8 GHz für lokale Anwendungen der Unternehmen bereit. Diese Frequenzen werden nach Informationen der Bundesnetzagentur nicht versteigert, sondern interessierten Unternehmen auf Antrag zugeteilt. Es soll sich dabei um innerbetriebliche Anwendungen handeln und nicht um Angebote für die Öffentlichkeit.

Autonom fahren mit Hilfe von 5G

Ein bisher vielversprechender Bereich für den weiteren Einsatz von 5G war die Entwicklung des autonomen Fahrens. Aufgrund der schnellen Latenzzeiten, hoher Übertragungsraten und -mengen schien die Technik prädestiniert für diese Aufgabe. Allerdings scheint das die EU-Kommission bis auf Weiteres etwas anders zu sehen. In einer Verordnung vom 13. März 2019 sprach sich die Kommission insbesondere für zeitkritische Services bei der V2X-Kommunikation (Vehicle to X) – also der Kommunikation zwischen Fahrzeugen untereinander, mit der Infrastruktur und anderen Teilnehmern – für die WLAN-Technik 802.11p aus, die auch als ITS-G5 (Intelligente Transportsysteme) bezeichnet wird.

Sie wurde speziell für den Austausch von Daten unter Fahrzeugen und Dritten geschaffen, um dank geringer Latenzzeiten Informationen schnellstmöglich zu übertragen. Die (noch) für Mobilität und Verkehr zuständige Kommissarin Violeta Bulc weist zwar darauf hin, dass der Beschluss offen in Bezug auf neue Techniken und Marktentwicklungen ist. Rechtssicher ist damit aber nur der Einsatz der WLAN-Technik bei der V2X-Kommunikation. Für den Datenaustausch von Infrastruktur zu Infrastruktur beziehungsweise zu Fahrzeugen dienen weiterhin die Standards der dritten und der vierten Mobilfunkgeneration UMTS und LTE.

Für die Fahrzeughersteller ist die Entscheidung keine Überraschung. Das zeigt beispielsweise ein Positionspapier der schwedischen Industrie zu autonomem Fahren, das auch Scania unterschrieben hat. Hierin plädierten die Unternehmen bereits vor über einem Jahr bei der Kommunikation unter anderem für die WLAN-Verbindung. Und auch der Verband der europäischen Fahrzeughersteller sprach sich im Positionspapier „Frequenzbänder für V2X“ vom November 2018 bei der Kommunikation zwischen Fahrzeugen (Vehicle to Vehicle, V2V) bis auf Weiteres für die WLAN-Verbindungen im Bereich von 5,9 GHz aus, weil damit direkt gestartet werden kann.

Informationsvorsprung inklusive

Auf Anfrage bestätigt Daimler dagegen, dass weiterhin die neue Mobilfunktechnik im Spiel ist: „5G spielt eine entscheidende Rolle bei der Car-to-X-Kommunikation, da sie den Austausch von Nachrichten zwischen Autos und Straßeninfrastruktur ermöglicht. Damit ist es dem Fahrzeug möglich, Gefahrensituationen wie Glatteis auf Brücken oder ein Stauende hinter einer Kuppe früher und damit rechtzeitig zu erkennen.“

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Bis die Mobilfunktechnik in dem zur Auktion ausstehenden Frequenzbereich flächendeckend arbeiten könnte, müssen nach Meinung des Branchenverbandes Bitkom 800.000 Funkmasten aufgestellt werden, um 98 Prozent der Haushalte zu erreichen. Zum Vergleich: Bisher stehen in etwa 60.000. „Deutschland müsste im Abstand von je einem Kilometer mit Funkmasten gespickt werden“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Dann aber würde sich die Einführung von 5G lange Zeit hinziehen. (rh)

Über die DVZ Redaktion 334 Artikel
Internationale Fachzeitung für Logistik und Transport, Verkehrspolitik und -wirtschaft, Spedition, Lagerei, Umschlag, Industrie und Handel.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*