Diese Techniktrends sollten Sie 2019 im Auge behalten

UPS, Drohne, drone
Foto: UPS

Für die Gartner-Analysten haben strategische Technologietrends ein erhebliches disruptives Potenzial. Diese Trends können viele Wirtschaftsbereiche beeinflussen. Einige werden auch immer wieder in Zusammenhang mit der Logistik genannt. Die Trends können sich in Kombination verstärken.

1. Autonome Geräte

Roboter, Drohnen und autonome Fahrzeuge verwenden künstliche Intelligenz (KI), um Funktionen zu automatisieren, die zuvor von Menschen ausgeführt wurden. Ihre Automatisierung geht über starre Programmiermodelle hinaus. Mithilfe von KI sind Abläufe möglich, die natürlicher zu ihrer Umgebung und zur Arbeitsweise der Menschen passen. „Mit der Zunahme autonomer Dinge erwarten wir eine Verschiebung von eigenständigen intelligenten Dingen zu einem Schwarm kollaborativer intelligenter Dinge, bei dem mehrere Geräte entweder unabhängig von Menschen oder mit menschlichem Einfluss zusammenarbeiten“, sagt Gartner-Experte David Cearley, der an der Untersuchung mitgearbeitet hat. „Wenn zum Beispiel eine Drohne ein großes Feld untersucht und festgestellt hat, dass es zur Ernte bereit ist, könnte sie einen ,autonomen Mähdrescher‘ entsenden.“

Ähnliche Steuerungsaufgabe und automatisch angestoßene Prozesse sind auch in der Logistik denkbar. Zudem kann auf der letzten Meile ein autonomes Fahrzeug verwendet werden, um Pakete in das Zielgebiet zu befördern. Roboter und Drohnen an Bord des Fahrzeugs könnten dann die endgültige Auslieferung des Pakets sicherstellen.

2. Augmented Analytics

Augmented Analytics gilt als die Königsklasse der Datenanalyse. Die IT-Werkzeuge dafür beziehen alle Unternehmensdaten ein und beseitigen dabei irrelevante Informationen. Sie analysieren selbstständig die Daten und leiten daraus Handlungsempfehlungen für Führungskräfte und Bereichsverantwortliche ab. Ziel ist, die Entscheidungen und Tätigkeiten aller Mitarbeiter zu optimieren. So soll verhindert werden, dass Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, die der Kunde gar nicht haben will. Professionelle Datenwissenschaftler, die mit dieser Aufgabe mitunter überfordert sind, werden dann nicht mehr benötigt.

3. Blockchain

Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die Daten in miteinander verknüpften Blöcken speichert. Durch die Verknüpfung der Blöcke miteinander zu einer Kette kann jeder Nutzer der Blockchain alle Informationen nachvollziehen. Die Kette ist sicher vor Manipulation, da sie bei jedem Teilnehmer als Kopie vorliegt. Durch Verschlüsselung sind die Daten zusätzlich vor unbefugtem Zugriff geschützt. Die Technik ermöglicht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, ohne dass eine dritte Instanz oder ein sogenannter Intermediär – wie eine Plattform oder eine Bank – notwendig ist.

Die Blockchain gilt gerade für die Abbildung logistischer Transaktionen als sehr geeignet. Es gibt zahlreiche Pilotprojekte in verschiedenen Branchen. 2019 dürften einige Durchbrüche in der Anwendung erzielt werden. Ein abgeschlossenes Pilotprojekt des vergangenen Jahres war die Abbildung des Palettenscheins mittels Blockchain. Federführend war GS1 Germany mit einigen Projektpartnern aus Industrie, Handel und Dienstleistung.

4. Digitale Zwillinge

Ein digitaler Zwilling ist die digitale Darstellung eines Gegenstands oder eines Systems in der realen Welt. Nach Schätzungen von Gartner werden bis 2020 mehr als 20 Mrd. verbundene Sensoren und Endpunkte vorhanden sein, und digitale Zwillinge werden für potenziell Milliarden von Dingen vorhanden sein. Organisationen werden digitale Zwillinge zunächst einfach implementieren. Sie werden sie im Laufe der Zeit weiterentwickeln und ihre Fähigkeiten verbessern, die richtigen Daten zu sammeln und zu visualisieren sowie die richtigen Analysen und Regeln anzuwenden, um Geschäftsziele zu erreichen.

5. Empowered Edge (gestärkter Rand)

Endgeräte, die von Menschen verwendet werden oder in die Umgebung eingebettet sind, bilden einen gedachten Rand (Edge). Darüber werden Informationen mit dem Internet der Dinge ausgetauscht. Edge Computing beschreibt eine Computertopologie, in der die Informationsverarbeitung sowie die Erfassung und Bereitstellung von Inhalten näher an diesen Endpunkten platziert werden. Datenverkehr und die Verarbeitung sollen lokal gehalten werden mit dem Ziel, Datenverkehr und Verzögerungen (Latenzzeiten) zu verringern.

Cloud Computing und Edge Computing entwickeln sich zu komplementären Modellen. Dabei werden Cloud Services als zentrale Dienste verwaltet. Sie werden aber nicht nur auf zentralisierten Servern ausgeführt, sondern auch auf verteilten Servern vor Ort und auf den Randgeräten selbst. Gartner geht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren spezialisierte KI-Chips zusammen mit mehr Rechenleistung, Speicher und anderen erweiterten Funktionen einer breiteren Palette von Edge-Geräten hinzugefügt werden.

6. Immersive Erfahrung

Immersion ist ein Effekt, den Nutzer spüren, wenn sie in virtuelle Welten eintauchen. Virtuelle Realität (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) verändern die Art und Weise, wie Menschen die digitale Welt wahrnehmen. Die Erfahrungen damit können sehr realistisch sein und beispielsweise für Lernzwecke genutzt werden. Bei Wahrnehmungs- und Interaktionsmodellen spricht man von immersiver Benutzererfahrung.

7. Digitale Ethik und Datenschutz

Schließlich werden die Themenfelder digitale Ethik und Datenschutz eine zunehmende Herausforderung für Einzelpersonen, Organisationen, Unternehmen und Regierungen. Menschen sind immer häufiger besorgt darüber, wie ihre persönlichen Informationen im öffentlichen und privaten Sektor verwendet werden. Unternehmen müssen mit den Daten ihrer Kunden sensibel umgehen, um deren Vertrauen nicht zu verlieren. Denn Vertrauensverlust ist Kundenverlust. (rok)

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