Feldschlösschen nutzt KI für Leergut-Management

Feldschlösschen nutzt KI für Leergut-Management (Foto: Fotolia)
Feldschlösschen nutzt KI für Leergut-Management (Foto: Fotolia)

Feldschlösschen setzt in der Logistik auf künstliche Intelligenz (KI). Mit dem Projekt „Digital Empties“ will die Schweizer Brauerei das Leergut-Management vom Kunden bis zum Lieferanten optimieren. „Wir starten im dritten Quartal einen Test an unserem zweitgrößten Logistikstandort in Dietikon. Er wird acht bis zehn Wochen dauern“, sagte Melanie Bodamer, Projektleiterin Entwicklung/Projekte bei der Feldschlösschen Supply Company AG mit Sitz in Rheinfelden, auf dem Handelslogistik Kongress in Köln. Die Einführung des neuen Systems an den weiteren 14 Logistikstandorten in der Schweiz peile das Unternehmen für 2020 an, fügte sie hinzu.

Feldschlösschen ist die größte Brauerei in der Schweiz und gehört zur Carlsberg-Gruppe. „Wir sind sozusagen das Testfeld in der weltweit tätigen Gruppe“, sagte Bodamer. In Zukunft soll das neue System auch in der gesamten Gruppe zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Bildanalyse, die KI nutzt und künftig die Fahrer der Brauerei beim Leergut-Management unterstützen soll. Entwickelt wurde die Technik von Geutebrück aus Windhagen in Deutschland, einem Spezialisten für Video-Sicherheitsmanagement.

Insgesamt 150 verschiedene Artikel umfasst das Sortiment des Getränkeherstellers – mit unterschiedlichsten Getränkekisten und 30 verschiedenen Fässern. Im B2B-Segment werden 25.000 Kunden aus Gastronomie und Handel allein in der Schweiz gezählt. Daneben wird noch ein Online-Getränkeshop im B2C-Geschäft betrieben. Entsprechend groß sei die Herausforderung im Leergut-Management, sagte Bodamer. 105 Fahrer beliefern täglich die Kunden. Dafür greift Feldschlösschen auf einen eigenen Fuhrpark mit 150 LKW zurück.

Smartphone statt Handheld

Bislang erledigten die Fahrer das Leergut-Management mit Hilfe eines Handhelds. Der Prozess sei aber zeitaufwendig, fehleranfällig und intransparent und könne auch manipuliert werden, sagte Bodamer. Das führe zu hohen Personalkosten und Reklamationen. Daher habe man den Prozess mit Hilfe von Geutebrück überarbeitet. Ziel sei es, die Transparenz und damit die Zuverlässigkeit zu erhöhen und die Prozesskosten zu senken.

Die Fahrer benötigen dafür künftig ein Smartphone und nutzen eine entsprechende App. Das Leergut wird aufgenommen und es wird ein automatischer Prozess ausgelöst. „Mit Hilfe künstlicher Intelligenz kann das System 80 bis 85 Prozent des Leerguts erkennen“, berichtete Bodamer. Sollte etwas nicht erkannt werden, könne der Fahrer zusätzlich manuell eingreifen und die Eingabe selbst erledigen. An den Logistik- beziehungsweise Brauereistandorten, wo die Getränkegebinde sortiert und gelagert werden, finden entsprechende Eingangs- und Ausgangsprüfungen statt. „Damit können wir in Echtzeit nachverfolgen, wo sich das Leergut gerade befindet“, sagte Bodamer weiter.

Neuronales Netz bei Feldschlösschen

„Letztlich geht es bei dem Projekt um digitale Bild- und Objekterkennung, also die optische Erkennung von Getränkegebinden“, sagte Jens André Friedrich, im Bereich KI Manager für Geschäftsentwicklung bei Geutebrück. Das neuronale Netz müsse trainiert werden. Dafür benötige man Bilder von den Objekten. Dies erlaube dann, fremde und eigene Gebinde aufgrund von Auffälligkeiten, Formen, Farben, Muster, Strukturen und Kanten selbstständig zu erkennen und zu zählen. Entwickelt werden Algorithmen, die es dem Fahrer erlauben, Objekte über das Smartphone zu erkennen.

Mit Feldschlösschen arbeitet Geutebrück noch an weiteren Projekten. Dabei geht es zum Beispiel um die optische Erkennung von Schutzausrüstung für Mitarbeiter im Lager. Mit Hilfe von KI wird dabei kontrolliert, ob die Mitarbeiter im Lager ihre Sicherheitskleidung ordnungsgemäß tragen. Erst dann wird dem Mitarbeiter der Zutritt in das Lager gewährt. Die Geutebrück-KI erkennt dabei neben zum Beispiel Warnwesten und Helmen auch andere Objekte. Möglich ist das durch das individuelle Anlernen eines bildgestützten neuronalen Netzes. Jede Lösung ist individuell auf den Kunden zugeschnitten. „Dabei geht es nicht um Personenidentifizierung“, betonte Friedrich. Denn die Gesichter der Mitarbeiter würden verpixelt. (Axel Granzow)

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