Four Parx: Unterirdische Logistik für Hamburgs City

Innovatives Konzept: Unterirdische Röhren als Transportsystem von Paletten für die verkehrsgeplagten Innenstädte. (Visualisierung: Smart City Loop)

Um in Zukunft die Innenstädte weiterhin beliefern zu können, bedarf es innovativer Logistikkonzepte – darin sind sich Städte, Logistikdienstleister und Händler einig. Die Möglichkeit des unterirdischen Transports zur Belieferung der Innenstadt wird indes von Kommunen und Wirtschaft eher belächelt, als nicht realisierbar und zu teuer abgetan.

Der Projektentwickler Four Parx will sich damit nicht abfinden. Er hat die Smart City Loop GmbH mit einer Machbarkeitsstudie zur unterirdischen logistischen Ver- und Entsorgung der Innenstadt von Hamburg beauftragt. Am Ende des Tages soll ein Lager (GVZ) in einer Distanz von etwa 5 km mit einem Verteilzentrum (Hub) in der Innerstadt verbunden werden. Von diesem Hub aus soll umweltfreundlich die letzte Meile mit E-Fahrzeugen bedient werden. „Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden für Q3/2019 erwartet“, teilt Four Parx mit.

Four Parx Einsparungsziel: 1.500 Transporte

„Ziel ist, das Konzept unterirdischer Röhren (Durchmesser 2,80m, Anm. d. Red.) als Transportsystem von Paletten für die verkehrsgeplagten Innenstädte erstmals konkret an einem Standort auf Herz und Nieren zu überprüfen“, heißt es weiter. Dabei sollen nach Projektentwickler-Angaben „bis zu 1.500 Transportfahrten täglich pro Röhre eingespart werden“.

Für Smart-City-Loop-Geschäftsführer Christian Kühnhold bieten Röhrensysteme viele Vorteile. Neben der Vermeidung „erheblicher Mengen Kohlenstoffdioxid und Staub“ nennt Kühnhold auf DVZ-Anfrage den „minimalen Platzbedarf im Vergleich zu klassischer Infrastruktur“. Warenströme würden zudem digital und termingerecht gesteuert, und die Transportkosten seien vergleichbar mit den derzeitigen Kosten, so Kühnhold, der auf 30 Jahre Erfahrung in der Logistik zurückblickt. „Der Preis für den Transport passt gut zur Kostenstruktur der Stückgutnetze und Paketdienste“, ordnet der Experte ein.

Die Machbarkeitsstudie soll sich auf eine nach Four-Parx-Angaben „beispielhafte Anbindung eines Lagers in Wilhelmsburg an ein City- beziehungsweise Mikrohub in Altona“ beziehen. Hierfür hat der Projektentwickler eine Immobilie konzipiert, die auf die Anforderungen der innerstädtischen Logistik und als Exitpunkt für die City Loops ausgerichtet ist. Überdies wird das Fraunhofer IML seine Kompetenz im Bereich Intralogistik einbringen. „Etwa bei der Berechnung von Durchsatz und Rentabilität“, heißt es.

Notwendiger Netzwerkknoten

„Das Engagement von Four Parx ist lobenswert, zumal für ein solch spannendes Immobilienprojekt. Damit wird auch deutlich, dass die Logistikimmobilien ein notwendiger Knoten im Netzwerk sind, der intelligent angeschlossen werden muss“, sagt Frank Weber, Head of Industrial Agency Germany bei Jones Lang La Salle (JLL). Weber erinnert in diesem Zusammenhang an Paris. Hier würden zunehmend Lastkähne auf der Seine eingesetzt, um dann die Feinverteilung der Container oder Paletten von den Anlandepunkten auch CO2-verträglich zu gestalten. „Es wird also eine vorhandene Infrastruktur Wasserweg sinnvoll als vorletzte Meile genutzt“, betont der JLL-Manager.

Derzeit arbeitet das Makler- und Beratungshaus JLL mit dem Projekt Loglab daran, Flächen in oberen Geschossen von Kaufhäusern in Urban Fulfillment Center umzuwandeln. „Dazu laufen inzwischen auch Machbarkeitsuntersuchungen in Richtung intelligente Automatisierung“, so Weber.

Günstiger als Straße oder Schiene

Bleiben mindestens noch drei Fragen zum Four-Parx-Projekt: Was kostet der Spaß? „Röhrenbau im Rohrvertrieb auch mit Fördertechnik ist um Größenordnungen günstiger als die traditionelle Infrastruktur mit Straße oder Schiene“, sagt Kühnhold, der von „50, 60 Mio. EUR Investitionskosten“ spricht.

Wie sieht es mit den Flächennutzungsrechten aus? Hier müsste ja von jedem Grundstücksbesitzer, unter dessen Haus das Röhrensystem führt, eine entsprechende Einzelgenehmigung eingeholt werden. „Die Trassenführung orientiert sich aus diesem Grund an öffentlichen Verkehrsflächen beziehungsweise Grundstücken, für die jeweils nur die Stadt zuständig ist. Es entfallen somit genau dadurch verursachte zeitraubende und aufwendige Genehmigungsverfahren“, betont Kühnhold auf DVZ-Nachfrage.

Und was macht dieses Röhrensystem besser als das gescheiterte Cargo-Cap-Projekt in NRW? „Die ursprüngliche Idee von Cargo Cap war es, Ware unter der Erde zu transportieren – allerdings aus der Sicht von Professoren für Kanalbau, und dazu ist kein Know-how vorhanden“, erklärt Kühnhold. „Smart City Loop ist ein Logistikkonzept: Warenströme werden gebündelt und aus einem GVZ so an City-Hubs übergeben, dass eine effiziente und koordinierte Feinverteilung auf der letzten Meile erfolgen kann. Die benötigte Technik (Rohrvertrieb, Anm. d. Red.) sowie die erforderliche vollautomatische Fördertechnik ist erprobt und state of the art in der Logistik“, so der Experte weiter.

Derzeit werden die rechtlichen, geologischen und städtebaulichen Möglichkeiten geprüft. Der Projektentwickler befindet sich dazu in „intensiven Gesprächen mit der Stadt und dem Land Hamburg sowie namhaften Institutionen“. Four Parx sucht, gemeinsam mit der Stadt Hamburg, für beide Projektseiten (GVZ und Hub) geeignete Grundstücksflächen.

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