NRW entwickelt „Sevas“-System für besseren LKW Verkehr

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Alle Wege führen nach Rom, sagt das Sprichwort. Doch das bedeutet nicht, dass man auch alle Wege nutzen darf. Gerade LKW-Fahrer müssen auf besonders viele Einschränkungen achten. Nicht nur Durchfahrtshöhen, Gewichts-, Längen- und Breitenbegrenzungen müssen beachtet werden, ebenso sollten auch Wohngebiete möglichst umfahren werden. Dazu kommt, dass nicht alle Fahrer immer nur ein Ziel ansteuern und sich in jeder Stadt neu orientieren müssen.

In Nordrhein-Westfalen hat man dafür eine Lösung gefunden. In Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden haben mehrere Verbände der Rhein-Region Informationen über Durchfahrtsrestriktionen für LKW gesammelt und Verkehrsschilder katalogisiert. Diese Daten stellen sie auf der Online-Plattform „Sevas“ bereit. Zudem hat jede an dem Projekt beteiligte Stadt die Möglichkeit, ein Netz aus Routen, die von LKW-Fahrern bevorzugt benutzt werden sollen, zu erstellen.

„Ziel ist es, die LKW-Verkehre möglichst lange auf der Autobahn zu halten”, erklärt Christian Kleine, Manager beim Navigationskarten-Anbieter Here Maps, der mit den Daten aus dem Sevas-System arbeitet. Sobald es in den Stadtverkehr geht, hilft das Vorrangroutennetz der Städte festzulegen, welche Straßen die LKW bevorzugt befahren sollen. Nützlich ist dies vor allem, wenn zwei Straßen derselben Kategorie zum Ziel führen, eine der beiden aber beispielsweise durch ein Wohngebiet verläuft.

Vorteile für die letzte Meile

Für Logistiker biete das System gerade auf der letzten Meile große Vorteile, sagt Kleine. So seien Transportunternehmen natürlich in erster Linie daran interessiert, Straßen zu nutzen, die auch tatsächlich für LKW ausgelegt sind. Das dient nicht nur dem Lärmschutz in Wohngebieten, die Gemeinden können zudem auch verkehrstechnisch besser planen.

Bisher gilt das Vorrangnetz für LKW mit mehr als 3,5 t, jedoch nicht für genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr. „Neben den Begrenzungen können noch Verbote für Gefahrgut, tatsächliche Achslast und Verbote für wassergefährdende Ladung angegeben werden”, erklärt eine Sprecherin des Verkehrsministeriums NRW. Die Karten, die mithilfe des Sevas-Systems entstehen, basieren auf den statischen Informationen zum Straßennetz. Dabei werden die Straßen zunächst in die Kategorien Autobahn, Bundesstraße und Landesstraße unterteilt. Für die Eingabe dynamischer Informationen, wie temporärer Sperrungen oder Baustellen, stünde allen Kommunen das System TIC (Traffic Information Center) Kommunal zur Verfügung, ergänzte die Pressesprecherin.

Die in den beiden Systemen gesammelten Daten werden an den Mobilitätsdatenmarkplatz (MDM) weitergegeben, wo Anbieter wie Here darauf zugreifen können. Mit den Informationen erstellen sie Karten, die über Navigationsgeräte oder Apps vom Endnutzer abgerufen werden können. Dem Projektträger Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) gegenüber hat Here angegeben, dass circa 70 Prozent der LKW-Navigationsgeräte auf diese Karte zugreifen können.

App-Nutzung vereinfacht den Prozess

Angefangen hat das Projekt vor sechs Jahren im Ruhrgebiet als „Stadtverträgliche LKW-Navigation”, erinnert sich Herbert Blank Mitarbeiter der Stadt Troisdorf im Amt für Straßenbau, Erschließungsbeiträge und Verkehr. Zur selben Zeit begann auch der VRS über Möglichkeiten nachzudenken, wie sich LKW-Verkehre effizienter gestalten lassen könnten. Die beiden Projekte wurden dann unter der Leitung des VRS-Projekts „mobil-im-rheinland“ im Rahmen einer Partnerschaft zusammengeführt.

Anschließend wurde das System Kommunen in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. „Ziel war die abgestimmte Verbreitung der LKW-Routen“, erzählt Blank. Troisdorf sei seit Juni desselben Jahres Partner, fügt er hinzu. Das Sevas-System, wie es heute genutzt wird, steht den Kommunen seit Mitte 2018 zur Verfügung.

Der Aufwand, die erforderlichen Daten in das Sevas-System zu übertragen, hielt sich in Troisdorf in Grenzen, da die Lösung auf die Daten des bestehenden Geo-Informationssystems zurückgreifen konnte. Blank pflegte die Standorte der Verkehrsbeschränkungen ein und konnte dann im System den Geltungsbereich der Restriktionen festlegen, erklärt er. „Städte und Gemeinden, die kein Geo-Informationssystem nutzen, haben die Möglichkeit, die Standorte der Beschilderung mittels der Sevas-App zu erfassen”, fügt Blank hinzu. Zu Beginn des Projekts umfasste das Netz 148 Kommunen aus der Metropolregion Rheinland. Aktuell beteiligen sich 247 Kommunen und Kreise aus ganz Nordrhein-Westfalen an der Kooperation. Seit Ende 2018 wird darauf hingearbeitet, dass das System in ganz Nordrhein-Westfalen genutzt werden kann. (ben)

Die Karte zeigt, welche Kommunen aktuell an dem Projekt teilnehmen und welche ihre Teilnahme schon angekündigt haben. (Quelle: Verkehrsverbund Rhein-Sieg)

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