Start-up setzt auf genaues CO2-Reporting für die Schifffahrt

Veröffentlicht von

Wie lange dauert meine Schiffsroute wirklich? Wie viel Sprit verbrauche ich und wie viel CO2 wird dabei verursacht? Welche Route ist für die jeweilige Jahreszeit die beste? Der multimodale Routing-Algorithmus von Searoutes versucht dafür Antworten zu liefern. Searoutes ist ein aus dem maritimen Business Accelerator Maritime Data Systems entstandenes Start-up, welches im Rahmen des französischen ZeBox Inkubators gefördert wird und Büros in den Hafenmetropolen Marseille, Frankreich sowie im Digital Hub Logistics in Hamburg besitzt.

Intermodales CO2-Reporting

Das im Januar 2019 gegründete Start-up hat eine klare Vision: Es will die Schiffsroutenplanung und CO2-Berechnung revolutionieren –  oder zumindest auf den neusten Stand bringen. Das ist laut Akio Hansen, Mitarbeiter des maritimen Start-ups, längst überfällig: „Man glaubt es kaum, doch selbst große Player planen ihre Routen oftmals noch mit viel manueller Arbeit. Firmen in der maritimen Wirtschaft sind sehr traditionsbewusst.“

Das junge Unternehmen hat einen Algorithmus zur Planung von Seerouten entwickelt, das nicht nur die Distanzen zwischen den einzelnen Häfen miteinkalkuliert, sondern auch das Wetter, die Gezeitenströmungen und Stromgeschwindigkeiten, die Meerestiefe, die Ladung sowie den Schiffsantrieb. So sollen möglichst genaue Schiffsroutenplanungen, Ankunftszeiten und der CO2-Ausstoß berechnet werden.

 „Das Google Maps für Schiffe“

Dafür haben die beiden Gründer Dr. Pierre Garreau, CEO von Searoutes, und Carsten Bullemer, CEO von Maritime Data Systems (MDS), Schiffspositionsdaten der letzten zehn Jahre aufgearbeitet.  Hansen hat als Meteorologe und Informatiker die Wetter- und Ozean-Daten zugesteuert. „Wir sind das Google Maps für Schiffe“, sagt Hansen. Searoutes Fokus läge nicht darauf, ein Tomtom-Gerät für die Schifffahrt zu bauen. Im Gegenteil, das Planungstool soll individuell in die Lösungen von Searoots Kunden wie Bunkermetric oder den britischen Schiffsmanagement-Dienstleister V.Ships mit Hilfe von standardisierten APIs (Application Programming Interfaces) integriert werden.

Searoutes bietet dabei eine Schnittstelle für ein laut dem Unternehmen neuartiges und akkurates CO2-Reporting für den intermodalen Containertransport an. „Wir möchten Spediteuren und Logistikern eine einfache Möglichkeit zur Berechnung der grünsten Route anbieten und gleichzeitig ermöglichen, den CO2-Fußabdruck verschiedener Anbieter miteinander zu vergleichen“, sagt Hansen.

Wer schon einmal einen Vorgeschmack der Anwendungsmöglichkeiten bekommen möchte, kann dies über die kostenlose Web-Applikation des Start-ups machen – muss sich für die Ergebnisabfrage allerdings einmalig anmelden.

SECA/ECA Zonen und Piraterie-Gebiete meiden

Transportrouten können von Hafen zu Hafen oder auch über eine intermodale Lieferkette von Tür zu Tür berechnet werden. SECA/ECA Zonen* und Piraterie-Gebiete können aktiv gemieden werden. Die dafür verwendeten Daten stammen unter anderem von öffentlichen Behörden, Hafenbetreibern und dem Dachverband der Fluggesellschaften Iata. Momentan sind weltweit mehr als 1.100 Werften, 7.000 Häfen und 1.300 Flughäfen detailliert gelistet und können über Schnittstellen für die eigenen Produkte abgerufen werden.

Sobald die geplante Route berechnet ist, kann man zudem Prognosen für den Kraftstoffverbrauch, die Bunkerkosten, das Wetter und den CO2-Fußabdruck pro Container (Schiff, Luft, Schiene, Straße) einsehen. Laut des Start-ups werden die Wetterdaten seit 2013 alle drei Stunden aktualisiert.

„Bisher gibt es keine akkuraten Standards für das immer wichtiger werdende CO2-Reporting. Unter anderem erfordern europäische Richtlinien häufig nur aggregierte Jahresverbräuche oder Durchschnittswerte pro Handelsroute“, sagt Hansen. Searoutes habe bereits mit Kühne+Nagel Gespräche für die Etablierung von neuen, genaueren Standards geführt. Die Unternehmen seien jedoch nicht übereingekommen.  K+N arbeite nun an seiner eigenen Lösung. Bereut Hansen die vertane Chance? „Auf keinen Fall, Konkurrenz belebt das Geschäft“. Derzeit ist das Start-up unter anderem mit der Schenker Gruppe im Gespräch.

*SECA/ECA Zonen

Emission Control Areas (ECAs), ehemals Sulphur Emission Control Area (SECA), sind von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) festgelegte Sonderzonen auf dem Meer, für die spezielle Umweltrichtlinien zu Emissionen wie dem Ausstoß von Schwefel und Schwefeloxiden durch Seeschiffe sowie zur Abfall-/Brauchwasserentsorgung gelten.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.