Ducktrain: In Reih und Glied auf der letzten Meile

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Die Bevölkerungsdichte in den Innenstädten wächst und somit auch die Paketmengen, die dort ausgeteilt werden. Für einen Zusteller auf dem Lastenrad könnte diese Aufgabe trotz Mikrohubs in Zukunft zu einer echten Herausforderung werden. Aus diesem Grunde haben Forscher der RWTH Aachen ein teilautonomes Lieferkonzept entwickelt, das auf der letzten Meile unterstützen soll – den sogenannten Ducktrain.

Seinen Namen (auf Deutsch: Entenzug) bekommt das Gefährt, weil sich bis zu vier Wagons beispielsweise an ein Lastenrad ran hängen, dass vom Mikrohub zum Zustellgebiet fährt. Hierzu muss der Fahrer nicht besonders heftig in die Pedale treten – die Wagons folgen dem Bediener auf Tritt und Schritt. In Reih und Glied, aber als selbständige Einheit. „Tatsächlich haben wir uns etwas von der Bildsprache inspirieren lassen“, erklärt Kai Kreisköther, Geschäftsführer der Droiddrive GmbH und einer der Erfinder des Ducktrains. „Wir haben kleine Fahrzeuge, die eine Kolonne bilden und einander folgen. Eben wie die Babyenten ihrer Mutter folgen.“

Im Zustellgebiet angekommen trennen sich die „Entchen“ vom Führungsfahrzeug und hängen sich an den zuständigen Zusteller. Der kann die Pakete zu Fuß zustellen, denn auch ihm oder ihr folgt beladene Wagen entlang der Zustellroute.

Klein aber mit viel Ladevolumen

Die Erfinder des Ducktrains beschäftigen sich schon länger mit dem Thema letzte Meile. Kai Kreisköther forscht auf diesem Gebiet beispielsweise bereits seit 2012. Dem Team war klar, dass der traditionelle Lieferwagen in Innenstädten ein Platzproblem hat und es an Parkmöglichkeiten mangelt. Somit sei der Weg vom Fahrzeug bis zur Haustür des Kunden für den Zusteller prozentual gesehen erheblich, sagt Kreisköther. Bei einem Briefträger sehe das aber anders aus. „Der hat sein Wägelchen, das er hinter sich herzieht und kann direkt vor der Haustür parken, klingeln, Briefabgeben – warum kann der Paketbote das nicht genauso machen“, fragt Kreisköther.

Es war klar: für die letzten Meter der Zustellung brauchen Kep-Dienste ein kleines Fahrzeug. Für den Weg vom letzten Depot in die Stadt muss das Ladevolumen möglichst groß sein, damit Dienstleister effizient unterwegs sein können. Die Lösung: Einzelne Wagons die bei der Fahrt in die Stadt per Sensorik mit einander gekoppelt werden und dann in das jeweilige Zustellgebiet fahren.

Der Ducktrain könnte ein weiteres Problem der Citylogistik lösen – nämlich das der fehlenden Standorte für Mikrodepots. Von dort können Pakete auch mit Lastenrädern oder zu Fuß zugestellt werden. Aber, Kreisköther betont, dass es für viele Anbieter schwierig ist, einen Standort in zentraler Lage zu ergattern. Denn viele Städte sind in dieser Hinsicht nicht sehr kooperativ. Mit dem Ducktrain könnte das Depot auch vor den Toren der Stadt liegen und die Zustellung trotzdem zu Fuß stattfinden.

Zudem ist die Lösung nicht nur für die Kep-Branche interessant. Auch die Speditionsbranche könnte profitieren und den Ducktrain für die Zustellung nutzen. Beispielsweise in Wohngebieten, in denen keine Lieferwagen oder LKW erlaubt sind.

Die „Ducks“ fahren mit Strom und sind somit leise. Sie bieten Platz für eine Europalette und haben eine Nutzlast von 300 kg. Das Transportvolumen liegt je nach Fahrzeug bei zwei bis 8 cbm. Wem die Wagons folgen müssen erkenne sie über eine 2D-Laserscanner. Angedacht sind aber auch eine Stereokamera und Bildererkennungssoftware sowie eine Gestensteuerung. Dann können die einzelnen Wagons nicht nur Stur dem Bediener folgen, sondern Hindernissen, wie beispielsweise Seitenspiegeln, eigenständig ausweichen.

Der Ducktrain auf eine Geschwindigkeit von 25-30 km/h ausgelegt. Zwar könnte das Gefährt laut Kreisköther auch schneller unterwegs sein, das sei aber nicht angestrebt. Den auch mit 25 km/h könne man die Strecke vom Depot bis in die Stadt gut und in einer kurzen Zeit zurückzulegen.

Pilottests noch in diesem Jahr

Gebaut werden die „Entchen“ von der Firma Droiddrive, eine Ausgründung der RWTH Aachen. Das Gründerteam stammt aus dem Umfeld von Achim Kampker, der dort den Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) leitet. Kampker ist sowohl im Bereich letzte Meile, also auch Elektromobilität kein Unbekannter, war er doch der Mitgründer von Streetscooter.

Bis 2025 soll der Ducktrain vollautomatisch unterwegs sein – also auch ohne Führungsfahrzeug. Die ersten Pilottests sind noch für dieses Jahr in Aachen zusammen mit dem Medienhaus geplant. Auch in Hamburg und Berlin soll das Konzept noch 2020 erprobt werden. Im kommenden Jahr soll der Ducktrain bereits in Kleinserie produziert werden, sagt Kreisköther, und in den „seriennahen Einsatz mit ausgewählten Kunden“ geschickt werden.

Die Ducks will Droiddrive übrigens nicht an Kunden verkaufen, sondern vermieten. „Wir denken über eine Performance-basierte Bezahlung nach“, sagt Kreisköther. Das könnte beispielsweise die Nutzung pro Minute aber auch die Nutzung pro zugestelltem Paket sein, sagt er. Denn, so Kreisköther, man sehe sich in der Pflicht, auch die Fahrzeuge weiterzuentwickeln, die bereits im Feld sind. Das könne sowohl die Software also auch die Hardware betreffen.

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