Zustellroboter planen Routen und erkennen die Empfänger

In seinen „Smart Delivery Stations“ in Changsha nutzt JD.com selbstfahrende Zustellroboter. (Foto: XXCB)
In seinen „Smart Delivery Stations“ in Changsha nutzt JD.com selbstfahrende Zustellroboter. (Foto: XXCB)

Wer eine der beiden zu Jahresbeginn gestarteten intelligenten Auslieferungsstationen des chinesischen Onlinehändlers JD.com besichtigen möchte, muss bis in die Innere Mongolei nach Hohhot fahren oder nach Changsha in Hunan. Der weite Weg lohnt sich: In den „Smart Delivery Stations“ werden selbstfahrende Zustellroboter mit bis zu 30 Paketen beladen. Sie liefern sie anschließend in einem Radius von 5 km aus. Die Fahrzeuge planen dabei Routen und erkennen Hindernisse sowie Ampeln. Selbst die Herausgabe der Sendung funktioniert per Gesichtserkennung. Bei voller Kapazität können die Stationen im kombinierten Roboter-Kurierboten-Betrieb nach Unternehmensangaben bis zu 2.000 Pakete pro Tag ausliefern.

Chinas Expansionsdrang im Rahmen von „One Belt, One Road“ und das rasante Wachstum im chinesischen E-Commerce sind Themen des Logistiklabors China der DVZ am 20.März in Berlin.

„JD.com setzt künstliche Intelligenz und Big Data in durchgängiger Logistikautomatisierung ein – von der Lagerhaltung bis zur Zustellung auf der letzten Meile“, sagt Hui Cheng, Chef vom JDX Silicon Valley Research Center, dem Logistik-Innovationslabor von JD.com. In Kaliforniern entwickeln die Chinesen Technologien, die im Fulfillment die Effizienz verbessern und Kosten verringern sollen. Bei den Innovationen spielt JD.com auf der ganzen Klaviatur mit KI, Deep Learning (mittels künstlicher neuronaler Netze), Computer Vision (extrahiert Informationen aus visuellen Daten) und Robotern.

Außer beim Picken, Beladen und Lagern kommen Robotersysteme und automatisierte Prozesse bei Warentransporten im Lagerhaus zum Einsatz. „Wir verbessern auch die Lagerdichte, beispielsweise durch unser Shuttle-System, das 3D-Lagerung mit hoher Dichte erzielt“, ergänzt Cheng. Ebenso nutzt JD.com im ländlichen China seit 2016 Drohnen für die Zustellung – inklusive automatischem Kollisionsschutz und intelligenter Routenplanung.

Auch der Intralogistik-Technikspezialist Beumer Group arbeitet in China verstärkt mit KI, der Fokus liegt auf der Materialflussüberwachung und im Tracking. Im Wachstumssegment Airport Baggage Handling zählen wichtige Flughäfen wie jene in Shanghai oder Hongkong zu den Kunden. Beumer setzt in der Gepäckabfertigung beispielsweise Video Coding oder Optical Code Reading ein. Dabei werden Koffer oder Pakete auf dem Band von allen Seiten fotografiert, um das Barcode-Label zu finden. „Sollte dies beschädigt oder teilweise verdeckt und so nicht eindeutig lesbar sein, versucht die Software, die fehlende Information zu reproduzieren. Dafür werden aus einer Datenbank die infrage kommenden Datensätze abgeglichen“, erklärt Wolfgang Lupberger, Geschäftsführer bei Beumer in Hongkong.

Des Weiteren nutzt Beumer KI, um Ereignisse vorherzusagen. IoT-Sensoren aus dem Internet der Dinge (Internet of Things) übermitteln dabei ständig Werte über Stromverbrauch, Schwingung oder Temperatur. Im Rahmen von Big Data werden Informationen gesammelt und nach auffälligen Verhaltensmustern durchforstet. „So können Rückschlüsse, die an einem Flughafen gewonnen wurden, auf jeden anderen x-beliebigen Airport übertragen werden“, sagt Lupberger.

Die wichtigsten Trends im industriellen IoT und bei KI fasst Christian Wiebus, Senior Director New Business & Innovation bei NXP Semiconductors Germany, so zusammen: „Wir erleben den nächsten disruptiven Wandel – einen Transformationsprozess, bei dem maschinelles Lernen in einer ständig wachsenden Zahl von IoT-Anwendungen eingesetzt wird.“ Der Elektroingenieur ist überzeugt, dass in nur drei Jahren 75 Prozent der kommerziellen IoT-Anwendungen eine KI-Komponente verwenden werden. Als Treiber sieht er die staatliche Entwicklungsstrategie „Made in China 2025“. Die Chinesen seien schnell in der Umsetzung, „auch wenn noch nicht alle Aspekte einer Anwendung beleuchtet oder geplant sind“, so Wiebus.

Der niederländische Halbleiterhersteller NXP engagiert sich seit mehr als 30 Jahren im Reich der Mitte, hat dort über 7.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen entwickelt genau die Technologien, die Sprach-, Gesichts- und Mustererkennung sowie autonome Anwendungen in IoT-Systemen ermöglichen. Wiebus hält die europäisch-chinesische Zusammenarbeit für fair: „Ich sehe keinerlei Regulierung in der KI, die uns als NXP mit unseren Teams in China in irgendeiner Weise einschränkt.“

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