Sechs Hebel für eine CO2-freie Lieferkette – Teil 1

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Damit Unternehmen ihre Nachhaltigkeitszieleerreichen, ist die Emissionsreduktion in der Lieferkette von entscheidender Bedeutung. Oft behindern weitreichende Risiken und Komplexitäten das Handeln. Der erste Teil des Zweiteilers zeigt, sechs bewährte Hebel zur Beschleunigung der Dekarbonisierung von Lieferketten mit Beispielen auf, die jedes (Logistik-)Unternehmen für sich durchgehen und anwenden kann. Auch die Logistik stellt einen großen Hebel für die Emissionsreduktion dar.


Kein Aktionsplan zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens ist heute komplett ohne einen konkreten Blick auf die Lieferkette. Sie ist für durchschnittlich 74 Prozent des CO2-Fußabdrucks verantwortlich (CDP, Global Supply Chain Report 2019). Die Reduktion von Treibhausgasen in der Lieferkette stellt daher ein effektives Ziel dar, um Nachhaltigkeit zu fördern. Unternehmen wie Microsoft, Bayer, BMW und Walmart haben das erkannt. Sie sind nur einige Namen einer wachsenden Zahl an Marken, die Emissionsziele für Zulieferer festlegen, um ihre Scope-3-Emissionen in Angriff zu nehmen.

Globale Lieferketten sind komplex, undurchsichtig und verändern sich ständig. Dadurch sind Emissionen sehr schwer messbar und werden deshalb selten in Nachhaltigkeitsberichten ausgewiesen. Da sie aber einen so erheblichen Teil der Treibhausgasemissionen ausmachen, können Unternehmen nicht so lange warten, bis sie alle benötigten Daten und Informationen beisammenhaben, um zu handeln. Die Emissionen in den Lieferketten müssen schnell reduziert werden. Zudem ist es aufgrund des kommenden und viel diskutierten Lieferkettengesetzes in Deutschland* im besten Interesse jedes Unternehmens, sich frühzeitig mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen der eigenen Lieferkette auseinanderzusetzen und etwas zu unternehmen. Daher müssen effektive vor symbolischen Maßnahmen Vorrang haben und öffentlich geteilt, repliziert und skaliert werden.

Es gibt schon heute einige Pioniere, deren Instrumentarien zur Reduktion von Lieferkettenemissionen gut etabliert sind. Bei ENGIE Impact haben wir sechs effektive Hebel identifiziert, die Unternehmen jetzt einsetzen können. Den ersten drei widmen wir uns in diesem Artikel. In Teil 2  gehen wir auf die Hebel 4 bis 6 genauer ein.

Hebel 1: First-Tier-Supplier

Es gibt unterschiedliche Ansätze, um Emissionen bei Zulieferern zu reduzieren: Erhöhung des Anteils von Rohstoffen aus nachhaltiger Landwirtschaft, Umstellung auf Materialien oder Technologien, die weniger Kohlenstoff ausstoßen, Entwicklung von Kreislaufmodellen oder Investitionen in Forschung und Entwicklung, um Prozesse zu verbessern.

Unternehmen können damit beginnen, strategische Lieferanten und Produktkategorien zu identifizieren, die für einen großen Prozentsatz ihrer Scope-3-Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind. Das Ziel muss sein, ein nachhaltiges Engagement des Lieferanten einzufordern oder nachhaltiger arbeitende Partner zu bevorzugen. Das gelingt, indem Anforderungen frühzeitig kommuniziert und Berichtspflichten festgelegt werden. Zusammenarbeit ist von größter Bedeutung, wenn es darum geht, Lieferanten in die Lage zu versetzen, praktikable Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung zu identifizieren. BMW hat zum Beispiel angekündigt, dass sie von allen Batterielieferanten verlangen werden, ihre Kohlenstoffemissionen in den Ausschreibungen anzugeben. Diese Maßnahme hilft BMW nicht nur dabei, die Lieferanten mit den geringsten Emissionen zu identifizieren, es ist auch ein Signal für andere Anbieter, sich über ihre Betriebspraktiken Gedanken zu machen.

Hebel 2: Rohstoffbeschaffung

Maßnahmen mit Bezug zur Rohstoffbeschaffung umfassen zum Beispiel nachhaltige Land- und Forstwirtschaftsprojekte und können neben Emissionsreduktionen auch positive Effekte auf biologische Vielfalt, Naturschutz und die nachhaltigen Lebensgrundlagen von Kleinbauern haben. Denn Wälder absorbieren etwa 30 Prozent der Kohlenstoffemissionen und die Landwirtschaft ist für 17 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Zum Beispiel hat der Getränke- und Snackhersteller PepsiCo ein Programm für nachhaltige Landwirtschaft entwickelt. Es unterstützt Landwirte dabei, neue Technologien, Anbaupraktiken und Managementtechniken auszuprobieren. Die Ergebnisse werden mit der wachsenden Zahl an teilnehmenden Landwirten im Programm geteilt, um effektive Maßnahmen zu identifizieren. So können lokale landwirtschaftliche Betriebe ihre Effizienz und Rentabilität auf Basis von Praxisbeispielen verbessern.

Hebel 3: Logistik

Auch die Logistik stellt einen großen Hebel für die Emissionsreduktion dar. Allerdings macht es die Komplexität der Verkehrsnetze und das schnelle Tempo des technologischen Wandels in diesem Bereich schwer, Maßnahmen voranzutreiben. Unternehmen müssen ihr Logistikprofil besser verstehen, indem sie die vor- und nachgelagerte Logistik, Geschäftsmodelle (wie beispielsweise Insourcing, Outsourcing oder Hybrid) und Transitarten (Straße, Schiene, Schiff, Luft) analysieren. Auf dieser Grundlage können Unternehmen dann die Auswirkungen der Implementierung nachhaltiger Lösungen bewerten, einschließlich der Routenoptimierung, Flottenelektrifizierung, Flottengröße, alternativer Kraftstoffe und E-Mobilität auf Basis von grüner Energie. Diese Lösungen können dann anhand ihrer Effekte über kurz-, mittel- und langfristige Zeithorizonte abgebildet werden.

Um diese Maßnahmen in großem Maßstab umsetzen zu können, sollten Unternehmen eng mit Logistikanbietern und Transportdienstleistern zusammenarbeiten. Gemeinsam können sie Bereiche in Angriff nehmen, deren Dekarbonisierung immer noch schwierig ist, wie z. B. der Treibstoffaspekt bei Flugzeug- und Schiffstransporten. Das weltweit aktive Speditionsunternehmen Kühne + Nagel, bezieht zum Beispiel auch seine Emissionen von vor- und nachgelagerten Prozessen in sein Netto-Null-CO2-Ziel für 2030 ein. Das Unternehmen verpflichtete sich und seine Zulieferer, Hand in Hand zu arbeiten und digitale Tools einzusetzen, um Routen zu optimieren und Dienstleistungen mit den geringsten Kohlendioxidemissionen auszuwählen.

Die oben genannten 3 Hebel zur Dekarbonisierung der Lieferkette können Unternehmen heute schon in großem Maßstab anwenden. Im zweiten Teil gehen wir zudem auf die Hebel Energieeffizienz, erneuerbare Energien und wissenschaftsbasierte Klimaziele bei Lieferanten ein.

*Das aktuell diskutierte Lieferkettengesetz in Deutschland soll Unternehmen verpflichten oder in Haftung nehmen, die im Ausland beschafften Vorleistungsgüter oder Fertigerzeugnisse in allen Phasen ihrer Lieferkette auf etwaige umweltschädigende oder gegen die Arbeitsbedingungen verstoßende Produktionsverfahren zurückzuverfolgen. Die Initiative geht auf das Jahr 2011 zurück, als die internationale Gemeinschaft die „UN-Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten“ verabschiedete, um den Kampf gegen Kinderarbeit, Sklaverei und Ausbeutung zu intensivieren: Unternehmen sollen sich an die „Sorgfaltspflicht“ halten und sicherstellen, dass sie keine Vorprodukte von Sweatshops kaufen. In der Folge entwickelte die Bundesregierung einen „Nationalen Aktionsplan“ (NAP) zur Umsetzung der UN-Prinzipien, der zunächst nur eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft vorsah. (ds)

Ein Gastbeitrag von:
Herwig Ragossnig, Senior Sustainability Business and Development Consultant Sustainability Solutions bei ENGIE Impact
Kersten Karl Barth, Director Sustainability Solutions Germany bei ENGIE Impact


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